Wenn das Auto zur Amöbe wird

24. Februar 2012, 11:27
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Das Auto der Zukunft kann sich auf der Stelle drehen, in die Höhe wachsen, sich verkürzen und sich mit anderen zu einem Konvoi verbinden

Bremen - Über das Auto der Zukunft wird viel und gerne nachgedacht. Nicht nur die Antriebssysteme und verwendete Materialien interessieren dabei die Forscher. Ein interessantes Konzept haben sich etwa Wissenschafter vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Bremen mit dem EO smart connecting car ausgedacht. Das Gefährt, das dabei herauskam, kann sich auf der Stelle drehen, seine Form verändern und sich mit anderen zu einem Konvoi verbinden. Das "intelligente Elektroauto" kann sich der Verkehrssituation und den Wünschen des Fahrers anpassen.

Möglich machen das mehrere Module, mit denen der Wagen vom schlanken Zweisitzer zur Familienkutsche oder zum Transporter werden kann. Indem das EO smart connecting car das Fahrwerk zusammenschiebt, bockt sich die Fahrerkuppel auf. Möglich ist das auch während der Fahrt. Dadurch wächst das Auto von etwa 1,60 Meter auf 2,10 Meter in die Höhe und verkürzt sich um einen halben Meter in der Länge auf knapp zwei Meter.

Autokette unterwegs

Diese Platzersparnis soll dem mechanischen Zusammenschluss mit anderen E-Fahrzeugen zu einer Autokette, den sogenannten "Road Trains", dienen. Die zusammengezogene Form lässt die Autokette kürzer und damit wendiger werden. "Gleiche Wegstrecken können so auf effiziente Weise gemeinsam zurückgelegt werden. Daten und Energie übertragen sich von einem auf das andere Fahrzeug, die Fahrzeuge werden einheitlich gesteuert. Das spart Energie und steigert die Reichweite", sagt Frank Kirchner, Leiter des DFKI Robotics Innovation Center. Zusatzmodule wie Laderampen und Gepäckablagen sind ebenfalls problemlos anschließbar

Das "Auto" kann außerdem alle vier Räder um 90 Grad drehen. Das hat für den Fahrer praktische Folgen, kann er doch damit auch seitwärts in enge Parklücken fahren. Hindernissen weicht das nur rund 700 Kilogramm schwere Auto leicht aus, indem es auf der Stelle wendet, diagonal fährt oder einzelne Räder anhebt. Ein Flitzer ist das Gefährt aber nicht: Seine Höchstgeschwindigkeit liegt derzeit bei rund 55 km/h.

Gute Aussichten ohne Stau

Was geradezu auf der Hand liegt: "Die Entwicklungsphilosophie entspricht der eines Roboters. Das E-Auto wird mit entsprechender Sensorik und Rechenkapazität ausgestattet, um seine Umgebung genau zu erfassen und gezielt zu navigieren", erklärt Kirchner. Unter Berücksichtigung der aktuellen Verkehrssituation, der verbleibenden Akku-Kapazität und eines optimierten Energieverbrauchs werden Routen berechnet - und Staus verhindert.

Im nächsten Schritt soll wahr werden, was die Konsumenten vielleicht nicht ganz so erfreut wie die Forscher: Das Auto soll auch selbstständig fahren, einparken oder an eine Ladestation andocken können. Die Forscher werden ihren Forschungsprototypen auf der CeBIT vorstellen, die am 6. März in Hannover beginnt. (rb, derStandard.at, 24.2.2012)

  • Höher oder lieber länger? Das Gefährt wächst mit dem Anspruch der Nutzer mit.
    foto: dfki gmbh

    Höher oder lieber länger? Das Gefährt wächst mit dem Anspruch der Nutzer mit.

  • Das E-Auto der Zukunft ist natürlich auch ein kluges Kerlchen: Unter Berücksichtigung der aktuellen Verkehrssituation, der verbleibenden Akku-Kapazität und eines optimierten Energieverbrauchs werden Routen berechnet - und Staus verhindert.
    foto: dfki gmbh

    Das E-Auto der Zukunft ist natürlich auch ein kluges Kerlchen: Unter Berücksichtigung der aktuellen Verkehrssituation, der verbleibenden Akku-Kapazität und eines optimierten Energieverbrauchs werden Routen berechnet - und Staus verhindert.

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