"Parkplätze müssen sich extrem verteuern"

Interview24. Februar 2012, 09:51
361 Postings

Verkehrsexperte Hermann Knoflacher will Autofahren in der Stadt durch höhere Gebühren unattraktiv machen - Er möchte mehr autofreie Zonen

Standard: Die Kärntner Straße hat 2011 ihr 35-jähriges Jubiläum als Fußgängerzone gefeiert. Derzeit wird über eine Fußgängerzone für die Mariahilfer Straße diskutiert. Gibt's dafür noch Chancen?

Knoflacher: Bei der Kärntner Straße wurde damals gesagt, dass es ihr wirtschaftlicher Tod wäre. Aber wie ich feststelle, gibt es dort doch noch geöffnete Geschäfte. Was gerade bei der Mariahilfer Straße stattfindet, halte ich für einen Eiertanz.

Standard: Wie könnte man das Auto aus der Stadt verbannen?

Knoflacher: Es geht nicht ums Verbannen, sondern um faire Lösungen. Eine davon ist Park and Ride am Stadtrand, wo man günstigen Parkraum in der Nähe der jeweiligen U-Bahn-Endstationen anbietet. Den Rest des Weges in die Stadt könnte man mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Manchmal wird es nicht zu verhindern sein, dass man das Auto benutzt. Aber sonst müsste es einfach unattraktiv sein.

Standard: Sie sehen das parkende Auto als eines der Hauptprobleme?

Knoflacher: Richtig! Die meiste Zeit steht das Auto, es fährt nicht, es ist ein Stehzeug und kein Fahrzeug. Es nimmt Platz weg, die gesamte Infrastruktur ist auf Autos ausgerichtet. Die Benützung des Parkplatzes müsste sich extrem verteuern. Den Zahlen nach sind vor allem jene Wohngebiete beliebt, wo es mehr Freiraum, also weniger Fahrzeuge, gibt. Autofreie Bereiche sind Bereiche mit hoher Lebensqualität.

Standard: Sie haben sich auch früh für eine bessere Radverkehrsinfrastruktur eingesetzt. In den letzten Jahren gibt es einen regelrechten Radfahrboom. Sind Sie zufrieden mit dieser Entwicklung?

Knoflacher: Auch dafür wurde ich anfangs belächelt. Ich bin froh, dass es mittlerweile ganz normal ist, sich auch in Wien mit dem Rad fortzubewegen. Das trägt sicher auch dazu bei, dass Wien weltweit unter den Städten mit der höchsten Lebensqualität rangiert.

Standard: Apropos Lebensqualität: Sie sind der Meinung, dass die Lobau-Autobahn die Lebensqualität in Wien gefährdert. Inwiefern?

Knoflacher: Die Lobau-Autobahn würde einen noch schlimmeren Effekt haben als die Shoppingcenter am Stadtrand. Diese sind Parasiten, sie kommen mit dem Blut, dem Autoverkehr, in den Organismus der Stadt und saugen den Geschäftsleuten in der Stadt die Einnahmen ab. Das Hauptproblem sind die Gratisparkplätze dort. Die müssten massiv besteuert werden. Das Geld ist für die Revitalisierung der Stadtgeschäfte zu verwenden. (Markus Böhm, DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2012)

HERMANN KNOFLACHER (72) war Professor am Institut für Verkehrsplanung der TU Wien und ist ein scharfer Kritiker des Autos. Er ist außerdem Fußgehervertreter der Vereinten Nationen. 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Für Hermann Knoflacher ist das Auto ein Stehzeug.

Share if you care.