US-Versicherer AIG berappelt sich

24. Februar 2012, 08:32
18 Postings

AIG war einst der Primus unter den Versicherern. Fehlspekulationen auf dem US-Häusermarkt brachten das Unternehmen jedoch an den Rand des Ruins

New York - Milliardenschwere Steuervergünstigungen blasen die Profite des vom Staat geretteten US-Versicherungsriesen AIG mächtig auf. Allein im vergangenen Quartal verdiente der einstige weltweite Branchenprimus vor allem deshalb nach eigenen Angaben knapp 20 Mrd. Dollar. Wegen der gigantischen Verluste, die das Unternehmen in der Finanzkrise an den Rand des Ruins brachten, kann er nun von einem erheblichen Steuervorteil profitieren. AIG muss in den kommenden Jahren wahrscheinlich viele Mrd. nicht an den Fiskus überweisen. Ein Teil der Steuergutschrift - er steht im Zusammenhang mit dem Lebensversicherungsgeschäft - wurde noch nicht genutzt.

Der Löwenanteil des AIG-Gewinns ging nicht auf die operative Stärke zurück, sondern auf den steuerlichen Sondereffekt, der das Schlussquartal 2011 mit 17,7 Mrd. Dollar versüßte. Die Investoren an der Wall Street jubelten: AIG-Aktien verteuerten sich am Donnerstagabend im außerbörslichen Handel um rund sechs Prozent.

Rettung aus Steuergeldern

AIG hatte sich in der Krise mit riskanten Wertpapieren verzockt und musste mit Steuergeldern in Höhe von 182 Mrd. Dollar vor dem Zusammenbruch bewahrt werden, während große europäische Firmen wie die Allianz oder die französische Axa sich besser und aus eigener Kraft aus der Affäre zogen. Die US-Regierung ist noch zu 77 Prozent an AIG beteiligt. Wann sie wieder komplett aussteigt, steht noch nicht fest.

Sondereffekte sind bei AIG keine Seltenheit. Schon im Vorjahresquartal hatten Beteiligungsverkäufe zu einem Überschuss von gut elf Mrd. Dollar beigetragen. Dieses Mal sorgte der steigende Aktienkurs von AIA für einen Gewinn von einer Mrd. Dollar. AIG hatte den drittgrößten asiatischen Versicherer im Rahmen der eigenen Sanierung an die Börse in Hongkong gebracht, hält aber noch ein Drittel der Anteile.

Operativ schlug sich AIG im abgelaufenen Quartal besser als von Analysten erwartet. Die Schaden/Unfall-Sparte Chartis schrieb mit 348 Mio. Dollar wieder schwarze Zahlen, obwohl die verheerenden Überschwemmungen in Thailand mit 368 Mio. Dollar zu Buche schlugen. Die Fluten hatten schon anderen Branchengrößen zugesetzt, weil die Fabriken vieler Industriekonzerne betroffen waren und so die Schadenssumme in die Höhe schoss. Der AIG-Lebensversicherer SunAmerica kämpfte dagegen mit einem Gewinnrückgang auf 931 Mio. Dollar, weil die Kapitalanlagen weniger abwarfen. Ein ähnliches Bild hatte es zuletzt bei der Allianz gegeben: Lebensversicherer leiden unter den Turbulenzen an den Aktien- und Anleihemärkten, das Schaden/Unfall-Segment unter hohen Naturkatastrophenlasten. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Steuerzahler ist nach der Rettungsaktion noch immer größter Aktionär von AIG.

Share if you care.