Gingrich kritisiert US-Entschuldigung

24. Februar 2012, 15:40
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Präsidentschaftsbewerber: Afghanistan muss sich bei USA entschuldigen

Spokane - Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Newt Gingrich hat sich empört über die Entschuldigung der US-Regierung für die Koran-Verbrennungen in Afghanistan gezeigt. Afghanistan verdiene die Entschuldigung der USA nicht. Vielmehr schulde der afghanische Präsident Hamid Karzai den USA eine Entschuldigung, erklärte Gingrich am Donnerstag auf einer Wahlkampfveranstaltung in Spokane im US-Bundesstaat Washington.

Die Regierung von US-Präsident Barack Obama hatte zuvor mit einer formellen Entschuldigung versucht, die explosive Stimmung nach den Koran-Verbrennungen auf einem US-Stützpunkt zu entschärfen.

Demonstration in Kabul

Die wütenden Proteste gegen die Koran-Verbrennung weiten sich aus und haben bisher mindestens 14 Menschenleben gefordert. Aus dem Kabuler Innenministerium verlautete am Freitag, in der Hauptstadt und mindestens fünf weiteren Städten gebe es Demonstrationen. Diese seien zunächst weitgehend gewaltlos verlaufen. In Kabul versammelten sich nach dem islamischen Freitagsgebet einige hundert Demonstranten. Hunderte Polizisten und Soldaten hielten die aufgebrachte Menge in Schach. Sicherheitskräfte feuerten Warnschüsse ab, um die Versammlung aufzulösen. Mindestens ein Demonstrant wurde durch eine Kugel verletzt. Die Demonstranten skandierten "Tod für (US-Präsident Barack) Obama!" und "Tod für (den afghanischen Präsidenten Hamid) Karzai!"

Am Vortag waren bei den Protesten mindestens acht Menschen getötet worden. Darunter waren neben sechs Demonstranten auch zwei Soldaten der NATO-Truppe ISAF, die ein Angehöriger der afghanischen Armee erschoss. Bereits am Mittwoch waren mehrere Demonstranten in Afghanistan ums Leben gekommen. Proteste wurden aus mehreren Provinzen gemeldet, darunter Kunduz und Baghlan, wo die deutsche Bundeswehr das ISAF-Kommando hat.

Polizei in Alarmbereitschaft

Aus Angst vor neuen Ausschreitungen nach dem islamischen Freitagsgebet wegen der Koranverbrennung durch US-Soldaten ist die Polizei in Afghanistan in Alarmbereitschaft. "Die Polizei ergreift im ganzen Land Maßnahmen", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Sedikki, in Kabul. Es habe bisher zwei kleinere Demonstrationen gegeben. Das sei aber "kein Grund zur Beunruhigung". Am Donnerstag waren bei gewalttätigen Protesten mindestens acht Menschen getötet worden. Darunter waren neben sechs Demonstranten auch zwei Soldaten der NATO-geführten Truppe ISAF, die ein Angehöriger der afghanischen Armee erschoss. Bereits am Mittwoch waren mehrere Demonstranten in Afghanistan ums Leben gekommen.

Bundeswehr zieht 50 Soldaten ab

Die deutsche Bundeswehr hat wegen der Unruhen nach den Koran-Verbrennungen ein kleineres Lager in der nordafghanischen Stadt Talokan geräumt, das in den kommenden Wochen ohnehin hätte aufgegeben werden sollen. Der Kommandeur der Nordregion, General Markus Kneip, habe die rund 50 Soldaten aus Sicherheitsgründen vorübergehend in das große Bundeswehr-Camp in Kundus zurückbeordert, sagte ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums am Freitag in Berlin.

Allen: "Geduld und Zurückhaltung üben"

Der Kommandant der ISAF, US-General John Allen, rief zur Ruhe auf. "Ich appelliere an jeden im ganzen Land - ISAF-Angehörige und Afghanen -, Geduld und Zurückhaltung zu üben." Die ISAF teilte mit, die gemeinsame Untersuchung mit den afghanischen Behörden zur Verbrennung von Koran-Exemplaren auf der US-Basis Bagram dauere an. Noch stehe kein Datum für ihren Abschluss fest. Die deutsche Bundeswehr zog sich wegen der gewaltsamen Proteste vorzeitig komplett aus ihrem nordafghanischen Stützpunkt Talokan zurück. Allerdings sollte das Lager im März ohnehin geräumt werden. US-Präsident Barack Obama hatte sich für die Koranschändung entschuldigt. Die Taliban schworen Rache und riefen Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte zur Desertion auf. (APA)

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    Brennende Obama-Puppe, Wurfsandale: Protest im pakistanischen Paeshawar

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    Republikanischer Präsidentschaftsbewerber Newt Gingrich findet, Afghanistan soll sich bei den USA entschuldigen.

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    Die Proteste aufgrund der Koranverbrennung halten an - hier wird in Peschawar/Pakistan ein Bild Obamas verbrannt.

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