Radikale Islamisten greifen Polizei an

23. Februar 2012, 21:04
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Nach Verhaftung eines Salafisten Polizeigebäude in Brand gesetzt

Tunis - In Tunesien haben sich radikale Islamisten Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die rund 200 mit Schwertern, Stöcken und Brandbomben ausgerüsteten Demonstranten hätten am Donnerstag nach der Verhaftung eines Salafisten in der Stadt Jandouba ein Polizeigebäude in Brand gesetzt, sagten Augenzeugen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Polizei trieb die Menge mit Tränengas auseinander. Über die Lautsprecher der Moscheen sei zum Heiligen Krieg aufgerufen worden, sagte ein Bewohner.

Bereits seit einiger Zeit hätten Salafisten ihre Vorstellungen von einem angemessenem Lebensstil durchsetzen wollen und Angst und Schrecken in der Stadt verbreitet, sagte eine Anwohnerin Reuters. Ein Bewohner der rund 160 Kilometer westlich der Hauptstadt Tunis gelegenen Stadt berichtete, wer Alkohol getrunken habe, sei bedroht worden. Die Radikalen hätten zudem Frauen in Röcken oder Hosen geschlagen.

Die Salafisten, die nur eine Minderheit in der Bevölkerung stellen, profitieren von den Freiheiten, die ihnen die neue Regierung gewährt. Unter dem durch eine Revolte vertriebenen autokratischen Staatschef Zine al-Abidine Ben Ali waren sie verboten.

Die Unruhen schüren Sorgen vor einem immer stärkeren Einfluss radikaler Gläubiger in dem nordafrikanischen Land und bringen die gemäßigte Islamisten-Regierung in eine heikle Situation. Die Ennahda-Bewegung führt nach dem Volksaufstand vor rund einem Jahr die Regierung an und distanziert sich von den Ansichten der Radikalen. Allerdings riskieren die Islamisten die Unterstützung Konservativer, wenn sie zu entschlossen gegen die Hardliner vorgehen. (APA)

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