Sperma im Keller

23. Februar 2012, 19:15
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Derb und dauerbeleidigt ja, aber zeugungsunfähig? Das geht zu weit

Was macht ein Mann, der zu hören bekommt, seine Spermienzahl sei "ziemlich im Keller?" Stimmt, er ist gekränkt und versucht das zu vertuschen: "In den Uterus meiner Frau kommt nur das allerbeste Sperma." Die Empfangende senkt den Blick sittsam. Noch.

Der Mann hat dennoch, so viel ist in den ersten Sekunden der Puls-4-Komödie "Unter Umständen verliebt" klar, keine Zukunft. Derb und dauerbeleidigt ja, aber zeugungsunfähig? Das geht zu weit. Der missmutige Fehlzünder hat das Nachsehen und muss das Terrain für den potenten Spaßvogel Thommy freigeben: "Doppelter Thommy ohne Eis", bekam das "Topmodel" in den "Uterus", und damit begann das Schlamassel erst. Tut weh? Ja, schon. Im Seichten kann man nicht ertrinken, lautete die Vorgabe, und Mirjam Weichselbraun ging das Wasser in den eindreiviertel Stunden maximal bis zu den Knöcheln.

204.000 sahen den Spaß, ein Erfolg für den Sender, der sich mit der ersten Filmeigenproduktion (mit Sat.1, Dor, Wiedemann & Berg) vom Start weg positionierte. Ebenfalls freuen darf sich die Filmwirtschaft über zusätzliche Belebung zur Alleinstellung des ORF beim Fernsehen. Am Würstelstand gibt'''s zwar Currywurst, am Bankomaten steht "Deutsche Sparbank" und Wienerisch dringt kaum durch, doch: Es gibt Kamerafahrten mit Blick auf Stephansdom und Donaukanal.

Die Botschaft: Kritiker, die sich um Wertschöpfung und Österreich-Bezug bei heimischen Privaten in deutscher Hand sorgen, sind hoffentlich besänftigt.Ökonomisch lässt sich das begründen, nichtsdestotrotz fühlte man einen Abend lang wie Steffi am Beginn ihrer "Umstände". Da wollte sie "einfach weg". (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 24.2.2012)

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    Mirjam Weichselbraun (r.) und Oliver Wnuk.

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