Kampf gegen die Dummheit

Kommentar23. Februar 2012, 19:09
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Es ist schlimm genug, dass Bildung trotz Schulpflicht nicht bei allen ankommt

Fundamentalisten aller Art ist Bildung und selbstständiges Denken immer schon suspekt gewesen - als Maria Theresia am 6. Dezember 1774 die Schulpflicht mit der "Allgemeinen Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt und Trivialschulen in sämtlichen Kayserlichen Königlichen Erbländern" einführte, war das kirchlichen Kreisen gar nicht recht. Sie verloren das Bildungsmonopol durch den staatlichen Eingriff. Nun lehrten staatlich besoldete Lehrer, viele davon durchdrungen vom Geist der Aufklärung, die etwa in Preußen fast ein halbes Jahrhundert früher die Schulpflicht gebracht hatte.

Mehr als zwei Jahrhunderte, etliche Schulreformen und leider auch einige Rückfälle zu autoritären Bildungszielen später ist es in Österreich weitestgehend akzeptiert, dass alle Kinder Unterricht und Bildung brauchen.

Es ist schlimm genug, dass diese Bildung trotzdem nicht bei allen ankommt: Es gibt zehntausende Menschen, die keinen Pflichtschulabschluss haben, es werden Jahr für Jahr um fünftausend mehr. Betroffen sind vor allem Menschen aus den untersten Einkommensschichten. Regelmäßiger Schulbesuch ist zwar keine Garantie, wohl aber eine Voraussetzung dafür, es im Leben zu etwas zu bringen. Staatssekretär Sebastian Kurz hat daran erinnert, dass der Kampf gegen die Dummheit auch mit der Strafdrohung für Verweigerung der Schulpflicht geführt werden muss - auch gegen die Dummheits- und Laissez-faire-Fundis. (STANDARD Printausgabe, 24.2.2012)

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