Kritik an "Ungleichbehandlung" nicht nachvollziehbar

Kommentar der anderen23. Februar 2012, 19:04
64 Postings

Will niemand einsehen, dass es für die Aufbauphase wichtig ist, stabile Rahmenbedingungen zu gewährleisten? Von Helga Nowotny

Mit Staunen verfolge ich die landesweit geführte Debatte um die angebliche Ungleichstellung zwischen den Universitäten, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem IST Austria, dem Anfang dieser Woche 1,4 Milliarden Euro für den Zeitraum bis 2026 von Bund und Land Niederösterreich zugesichert wurden.

IST Austria war die zukunftsweisende und mutige, da nur an Kriterien wissenschaftlicher Exzellenz orientierte Gründung einer neuen Institution, auf die stolz zu sein Österreich allen Grund hätte. Innerhalb kürzester Zeit ist es gelungen, hervorragende internationale ForscherInnen zu gewinnen. Das zeigt sich auch in der Zahl von bisher acht erfolgreich eingeworbenen ERC grants - ein Drittel, der dort tätigen WissenschafterInnen. Das macht IST Austria zu einer der erfolgreichsten Forschungsorganisationen in Europa in diesem kompetitiven Wettbewerb mit hohem, anerkanntem internationalem Reputationsgewinn.

IST Austria benötigt eine längerfristige Finanzierungsgarantie um die Nachhaltigkeit seiner überaus erfolgreichen Rekrutierungsstrategie aufrechterhalten zu können. Will man denn allen Ernstes riskieren, dass die Attraktivität, die IST Austria international erwerben konnte, ab 2016 -oder schon vorher - wieder verschwindet; die ProfessorInnen abwandern und neue nicht mehr zu gewinnen sind?

Will denn niemand einsehen, dass es für die Aufbauphase wichtig ist, stabile Rahmenbedingungen zu gewährleisten? Um attraktiv für exzellente WissenschafterInnen zu sein, müssen klare Rahmenbedingungen für die Errichtung exzellenter Forschungsinfrastruktur geboten werden, die zugleich als wichtiges Signal für private Donatoren fungieren.

Die schwierigste Phase beim Fliegen ist bekanntlich die nach dem Abheben des Flugzeuges. Es wäre unverantwortlich, dem ISTA nicht ausreichend Treibstoff mitzugeben, um seine wissenschaftliche Destination zu erreichen: wissenschaftliche Exzellenz, die in Österreich beheimatet ist, doch in die ganze Welt ausstrahlt. (Helga Nowotny, DER STANDARD Printausgabe, 24.2.2012)

Autorin

Helga Nowotny ist Präsidentin des Europäischen Forschungsrates (ERC)

Share if you care.