Die Kulturinitiative Roz erinnert mit Film, Literatur und bildender Kunst an die Aussiedlung der Kärntner Slowenen vor 70 Jahren
St. Jakob - Nur ein paar Minuten Zeit, um das Nötigste zusammenzupacken,
hatten rund 300 Kärntner Slowenische Familien, bevor sie von den Nazis in
deutsche Lager deportiert wurden. Viele verloren ihr Leben, jene, die
zurückkehrten, leiden bis heute als "child surviver" an den Folgen des Traumas.
Zur 70. Wiederkehr der Aussiedelung der Kärntner Slowenen planen
Künstlerinitiativen und die Vertretungsorganisationen der Minderheit Konzerte,
Happenings, Performances, Lesungen, Filme und eine
Erinnerungswanderung.
Hauptmotor des Erinnerungsreigens ist die Kulturinitiative
Roz aus dem Rosental. Bemerkenswert am künstlerischen Konzept ist, dass der
Fokus nicht nur auf die eigene Volksgruppe gelegt wird. Künstler aus Armenien,
Roma und Kurden werden mit Konzerten, Lesungen und Ausstellung auf das Leid der
heute verfolgten und erniedrigten Völker aufmerksam machen. Als Location wurden
geschichtsträchtige Orte gewählt. Von Bahn- und Bauernhöfen soll eine neue
Erinnerungskultur ins Land ausstrahlen als Zeichen einer tiefen Verneigung vor
den Deportierten, deren Leid über Jahrzehnte öffentlich tabuisiert wurde.
Der
Anfang der Erinnerungsspuren ist den Deportierten von heute, den Migranten,
gewidmet. Nach dem Film Little Alien von Nina Kusturica, der Jugendliche
in europäischen Flüchtlingslagern porträtiert, spielen am Freitag Locomotiv
Balkanrhythmen, Ska und Swing. Am 2. März liest Autorin Maja Haderlap in St.
Jakob aus Engel des Vergessens, das den Kern der Erinnerungsspuren
erklärt. Am 4. April begibt sich eine Alpinwanderung auf die Spuren der Partisanen, danach wird eine Installation des
Künstlers und KZ-Überlebenden Bogdan Borcic eröffnet. (Sabina Zwitter / DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2012)
24. 2., 19.00, Kulturzentrum Farovz in St. Jakob im Rosental / S entjakob v Rozu