Rauer Seegang für den Karrierekapitän

Von Enns auf die Weltmeere: Manfred Ursprunger

Fragt man Mutter Cäcilia nach ihrem Sohn, beginnt sie zu lachen. "Was soll ich sagen, ihn hat als Kind einfach alles interessiert." Der Manfred war immer der Umtriebigste von ihren vier Kindern. Nach dem frühen Tod ihres Mannes und einem Sohn zog Cäcilia Manfred und seine zwei Schwestern allein auf. "Ich war nicht gerade vermögend", Urlaube im Sommer seien da nicht drinnen gewesen, genauso wenig wie eine teure Ausbildung. So machte der Sohn nach der Hauptschule eine Lehre zum Gärtner.

Dass es dabei nicht bleiben werde, habe die heute 78-Jährige geahnt. Er wollte hinaus in die sprichwörtlich große weite Welt, um eine Bilderbuchkarriere zu machen, meint sie nicht ohne Stolz. Tatsächlich hat es Manfred Ursprunger bis an die Spitze der Tochter Costa Crociere des weltgrößten Kreuzfahrtunternehmens Carnival Cruises geschafft. Zuvor machte er in Wien die Matura nach, ging dann nach Ischgl, unterstützte dort seine Schwester bei der Leitung eines Vier-Sterne-Hotels. Es folgten zahlreiche Weiterbildungen an Managementschulen.

"Ich weiß gar nicht, wo er im Augenblick lebt, Amerika, Deutschland oder Italien", überlegt die Mutter. Ein enger Kontakt zu dem Weltenbummler bestehe nicht. Umso mehr habe es sie gefreut, wie er im Juni vorigen Jahres gemeinsam mit seinen 14-jährigen Zwillingstöchtern nach Enns zu Besuch kam. "Da war mein Sohn Vizepräsident bei Costa Crociere." Schon zuvor hatte Ursprunger in Miami in der Chefetage der Kreuzfahrtlinie Celebrity Cruises gearbeitet.

Erstmals von sich reden machte der Ennser aber mit einem Hotelprojekt in Dubai. Für 100 Millionen US-Dollar erwarb die staatliche Gesellschaft Nakheel den Luxusliner Queen Elizabeth II. Der Oberösterreicher wollte ihn im Auftrag der Gesellschaft in ein Edelhotel verwandeln. Seit 2008 liegt das Schiff am Außenpier des Port Rashid, bis jetzt wurde ein Umbau jedoch nicht in Angriff genommen, und die weitere Zukunft scheint ungewiss.

Genauso wie jene von Ursprunger. Denn die italienische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Ennser Kreuzfahrtflotten-Vizepräsidenten. Der 57-Jährige soll nach der Havarie der Costa Concordia die Rettungsaktion nicht entsprechend koordiniert haben. Dafür sei er jedoch als Verantwortlicher für die technischen Operationen der Costa-Flotte zuständig. Mutter Cäcilia weiß von all dem (noch) nichts, bisher hat ihr der Sohn nichts erzählt. (Kerstin Scheller, DER STANDARD; Printausgabe, 24.2.2012)

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6 Postings
schöne story.

aus "kläglich alles" abgeschrieben?

Vizepraesident?

Gibt es nicht. Vice President, wenn schon. Oder aber Vorstand.

Es heisst wie sie schon sagen vice president + dem namen der divisision . VP Martketing, VP Hotel Ops, VP ship/shore ops, VP safety & security, VP human resources, VP maritime ops usw. usw.

Einer aus dem Hinterland soll schaffen, was der Kapitän vor Ort nicht schafft?

Da kann die christliche Seefahrt nur noch untergehen, oder Sündenbock wurde gefunden.

Gleiten wir jetzt

in die Mutti-Bericht-Schiene ab. Dann aber mit Foto vorm Haus, wo der Garten drauf ist.

Ist ja ein flott klingender Titel, bloß:

Passt's halt net, denn Herr Ursprunger hat meines Wissens nach kein Kapitänspatent.

(Und wenn's ein Wortspiel auf seine Karriere sein soll, dann ist's ziemlich daneben bei einem Thema wo es um Schiffahrt geht.)

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