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Wien - Henrik Ibsens 1879 uraufgeführtes Stück Nora oder Ein Puppenheim ist als Emanzipationsstück bekannt und beschreibt die Desillusionierung einer bürgerlichen Frau, die Mann und Kinder verlässt. Auch zeitlose Beziehungsprobleme werden verhandelt: Wunschvorstellungen, an die Paare sich klammern, ohne offen miteinander zu reden. So ergeht es Nora, die ihren Mann als Vaterersatz auserkoren hat. So ergeht es Torvald, der die echte Nora hinter seiner "kleinen Lerche" vergisst. Die Ehe endet, als Torvald erfährt, dass Nora mit einer gefälschten Unterschrift ein Darlehen aufnahm. Dass sie es nur seinetwillen tat, ist ihm egal. Auffallend in Babett Arens' Inszenierung für das Volkstheater in den Bezirken ist die das Puppenhausthema aufgreifende Bühne Hans Kudlichs: Tapete, Kanapee und Plastikweihnachtsbaum in unangenehmer Farbmischung sowie Vintage-Mode (Kostüme: Erika Navas) unterstreichen die unbehagliche Stimmung des Stücks.
Der erste Teil des gekürzten und modernisierten Werks schreitet schleppend voran. Vor allem aber gelingt es Annette Isabella Holzmann als Nora nicht, ihrer Figur Leben einzuhauchen. Eine starre Künstlichkeit von Mimik und Sprechweise wechselt mit schrillen Gefühlsausbrüchen. Stimmiger ist der zweite Teil. Die Vorlage wird mit starken Gesten ausgebaut - Doktor Rank (Tim Breyvogel) wird von Nora sogar geküsst. Till Firit zeigt als Torvald eine eindrucksvolle Abfolge von Gefühlszuständen. Und schließlich erwacht auch Nora zu authentischem Leben, wo das Stück seine Gesellschaftskritik auf den Punkt bringt und sie ihr Puppenheim verlässt: Holzmanns stärkste Szene. Ibsens wortgewaltiges Ende verfehlt seine Wirkung nicht. (Sabina Zeithammer/ DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2012)
Bis 22. 3.
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