Erfolgreich im Eck

24. Februar 2012, 15:44
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Österreichs Alpinboarder sind international top, doch der Markt setzt nur auf die Freestyler

Stoneham/Wien - Im Snowboarden ist Österreich eine Macht - wenn es ums Carven und nicht ums Springen geht. In Stoneham/Kanada, dem WM-Ort 2013, gewann der Salzburger Andreas Prommegger im Parallel-Riesentorlauf (PGS) vor seinem steirischen ÖSV-Kollegen Manuel Veith. Die Burgenländerin Julia Dujmovits musste sich erst im Finale der Russin Ekaterina Tudegesheva geschlagen geben.

Dass die Alpin-Snowboarder überhaupt noch auf Weltcup-Ebene reüssieren können, ist auch dem Internationalen Skiverband (Fis) zu verdanken. Dem Konkurrenzverband TTR (zum Beispiel Air & Style in Innsbruck und Peking) sind die alpinen Snowboarder egal. Dort wird das Augenmerk nur auf die Freestyler gelegt.

Vergangene Woche wurden in Oslo erstmals TTR-Weltmeisterschaften ausgetragen. Österreichs Snowboarderschaft glänzte in den Resultatslisten mit Abwesenheit. In der TTR-Weltrangliste, die erstmals Freestylebewerbe der konkurrierenden Fis miteinbezieht, ist mit Mathias Weissenbacher der beste Österreicher erst auf Rang 69 zu finden.

Aber zum Glück gibt es die Fis. Dort sieht' es aus ÖSV-Sicht bei den alpinen Snowboardern signifikant besser aus. Prommegger führt drei Rennen vor Schluss im Parallel-Weltcup, der dreifache Weltmeister Benjamin Karl ist vor Urgestein Siegfried Grabner Dritter. Der 37-jährige Kärntner bestreitet seine 18. Saison im Weltcup. Und nach dem Sieg Ende Jänner in Sudelfeld, dem ersten Triumph seit drei Jahren, will Grabner sogar bis Olympia 2014 in Sotschi weitermachen.

Außerdem ist er der beste Testfahrer für seine eigene Firma "SG Snowboards". Rund 1000 Alpin-Carver verkauft Grabner jährlich, die Hauptmärkte sind Russland, Japan und Korea. Bei einem Volumen von nur 15.000 Brettern weltweit ist Grabner kein unbedeutender Anbieter. "Wir Alpinen bekommen von der Snowboard-Industrie seit zehn Jahren keine Unterstützung mehr. Die setzen zu 100 Prozent auf die Freestyler", sagt er dem Standard. "Und dennoch gibt''' es uns noch."

Weltmarktführer, ohne genaue Zahlen zu veröffentlichen, ist F2. "Auf unser Konto gehen 80 Prozent des Weltumsatzes", sagt Marius Müller von F2. Dass die Alpinbretter quasi aus den Verkaufsregalen im Sporthandel verschwunden sind, verhehlt Müller nicht. "In vielen Skigebieten findet man keine Snowboard-Carver auf Pisten mehr." Ganz im Gegensatz zu Freestyle-Boards - aber auch die bekommen den Hype um Freeride-Skier zu spüren.

Dass die Sportart ausstirbt, sollte die Fis ihr Engagement für die Carver beenden, glaubt Müller nicht. "Der Markt ist sogar wieder leicht wachsend." Die Zahlen aber bleiben überschaubar. "Alpinboarder", sagt Grabner, "sind eine eingeschworene Clique." (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 24. Februar 2012, krud)

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    Carvende Boarder wie Sigi Grabner findet man fast nur noch im Weltcup.

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