Vietnamesische Versu­chung für Gelddrucker

Renate Graber, 23. Februar 2012, 17:45

"Würde ein Extra-Prozent helfen?": 2008 verhinderte OeBS-Revision Schmiergeldfluss

Wien - Das Thema Schmiergeld, dessentwegen der Staatsanwalt in der Causa Gelddruckerei (OeBS) ermittelt, sorgte in der Notenbanktochter schon 2008 für Wirbel. Damals ging es um den Auftrag für eine Abwasseranlage (eines der OeBS-Produkte) für die vietnamesischen Banknotendruckerei. Mithilfe einer zweiten Wiener Gesellschaft und einem Agenten vor Ort wollte die OeBS den Auftrag ergattern. Allerdings fielen der OeBS-Revision, die an dem Projekt mitarbeitete, im April 2008 verdächtige E-Mails der Involvierten auf.

Darin "wurde über Zahlungen des lokalen Agenten an hilfreiche Mitarbeiter des Endkunden (drei Prozent für die vietnamesische Notenbank; Anm.) gesprochen", kann man im Revisionsbericht vom 25. April 2008 lesen. Und: "Derartige Geschäftspraktiken widersprechen Gesetzen und der Geschäftsauffassung der OeBS." Eine der Fragen per Mail: "Sie erwähnten die neutrale Rolle des Direktors. Das ist nicht gut, er sollte ein Wort mitreden in der Entscheidung. Würde ein Extra-Prozent helfen?" Empörung in der Revision, die die Mails an OeBS-Geschäftsführer Johannes Miller weiterleitete, der zur Krisensitzung mit Kochef Michael Wolf rief.

Das Ende vom Lied: Die Kooperation mit Agenten und Wiener Gesellschaft wurde beendet. Stattdessen wurde ein OeBS-Manager beauftragt, einen neuen Agenten zu suchen. Der, den er fand, "würde allerdings 15 Prozent Provision verrechnen", hielt die Revision unumwunden fest. Und sie war zufrieden: "Es wurden ... alle Maßnahmen ergriffen, um eine Verwicklung der OeBS in Geschäftspraktiken wie Schmiergeldzahlungen oder Korruption auszuschließen." Die gut gemeinte Empfehlung der Revisoren: "Agenten und Vertriebspartner schriftlich verpflichten, keine derartigen Praktiken anzuwenden." Die Geschäftsführer nahmen den Bericht "zur Kenntnis"; den Auftrag bekamen sie nicht. Ob auch der Aufsichtsrat den Bericht las, ist nicht überliefert. Die aktuellen Vorwürfe - Schmiergeldzahlungen etwa in Syrien und Aserbaidschan - weisen Miller, Wolf und der OeBS-Aufsichtsrat zurück. Die Ermittlungen gegen die Kontrollore Ewald Nowotny und Peter Zöllner wurden vorige Woche eingestellt. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 24.2.2012)

Merke: Nur einheimische Politiker dürfen bestochen werden.

Wie in den letzten Tagen bekannt wurde, können gewählte Politiker straffrei bestochen werden, wenn damit keine Dienstrechtsverletzung erkauft wird.-
Es gibt KEIN DIENSTRECHT für gewählte Politiker!

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