Hochwürden spricht auch für gottlose Verstorbene

23. Februar 2012, 17:43
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Pfarrassistent, Diakon und selbstständiger Trauerredner: Bernd Hüsers ist der Mann für alle (Todes-)Fälle

Linz - Längst haben die Glaubensgemeinschaften das Trost- und Friedhofsmonopol verloren. Rund 1,8 Millionen Österreicher ohne Religionsbekenntnis haben die Karten neu gemischt, immer öfter werden Verstorbene von weltlichen Ritenmeistern auf den letzten Weg geschickt. Selbstständiger "Trauerredner" nennt sich die glaubensfreie Alternative zum klassischen Pfarrer. Und der Markt boomt, denn auch, wenn Verstorbene zu Lebzeiten mit ihrer Kirche gebrochen haben, wird an der Bahre Wert auf eine Zeremonie gelegt.

Sarg, Musik, Blumenschmuck, eine persönlich Rede, Gedichte. Die Feier direkt am Friedhof, beim Verstorbenen daheim, im Gasthaus - Bernd Hüsers ist da völlig flexibel. Seit 20 Jahren ist der gebürtige Niedersachse, der heute mit Frau und drei Kindern im Innviertel lebt, selbstständiger Trauerredner. Mit einem gravierenden Unterschied zu seinen Standeskollegen: Bernd Hüsers ist auch ständiger Diakon der Diözese Linz und als Pastoralassistent Leiter der Pfarre von Redl Zipf.

Den Spagat zwischen katholischem Abgang und freier Begräbnis-Szene scheint Hüsers problemlos zu meistern, Gewissenskonflikte plagen den Gottesmann nicht. "Warum auch? Es geht mir um Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Der verstorbene Mensch steht für mich im Vordergrund. Da zählt nicht die Vergangenheit, nicht die Konfession, nicht der Glaube", erläutert Hüsers im Gespräch mit dem Standard. Probleme mit der Diözese hätte es bis dato nicht gegeben: "Ich habe alles bei der Personalstelle offiziell gemeldet." Vonseiten der Diözese Linz konnte man auf Anfrage dazu nichts sagen: "Die Verantwortlichen sind auf Urlaub."

30.000 Trauer-Kilometer

Gebucht wird Hüsers, privat oder beruflich, immer über Bestattungsunternehmen: "Einmal im Talar, ein anderes Mal im schwarzen Anzug mit Krawatte." Fragt man den 55-Jährigen nach der Häufigkeit seiner freiberuflichen Einsätze, wird der Diplom-Theologe plötzlich wortkarg. Darüber wolle er nicht reden, aber "30.000 Kilometer sei er aber sicher pro Jahr in Salzburg, Oberösterreich und Bayern als Trauerredner unterwegs". Und das Honorar? Hüsers: "Nicht der Rede wert."

Mit der Haltung der katholischen Kirche, Menschen ohne Bekenntnis ein kirchliches Begräbnis zu verweigern, hat der vielseitige Kirchenmann ein Problem: "Wenn die Kirche gefragt wird, und sie tut es nicht, dann ist das für mich völlig unverständlich. Einfach nicht schön." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2012)

  • Flexibel beim letzten Abschied: Bernd Hüsers.
    foto: breitenbach

    Flexibel beim letzten Abschied: Bernd Hüsers.

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