Wolkenkratzer und der Rat der Weisen

Andreas Stangl
23. Februar 2012, 17:46
  • Helsinki (im Bild der Dom) plant ein völlig neues Stadtviertel samt Wolkenkratzern.
    foto: katharina wieland müller / pixelio.de

    Helsinki (im Bild der Dom) plant ein völlig neues Stadtviertel samt Wolkenkratzern.

Pasila, ein Stadteil Helsinkis, soll ein finnisches Manhattan werden. Bei nachhaltigen Verkehrslösungen hinkt Finnlands Hauptstadt ihren nordeuropäischen Schwestermetropolen hinterher

In Helsinki gab es bis vor wenigen Jahren keine Verkehrsmeldungen im  Radio. Mit dem Wirtschaftswachstum, Stichwort Handyindustrie, hat sich das geändert. Heute unterscheidet sich die finnische Hauptstadt, was verstopfte Zufahrten, Feinstaubbelastung oder überlastete Öffis betrifft, kaum noch von anderen Metropolen.

Um das Problem zu lösen, setzen die Stadtoberen auf die Schiene. So wurde beispielsweise 1999 das davor jahrzehntelang auf Halde liegende Projekt eines Ausbaus der einzigen U-Bahn-Linie Helsinkis wiederaufgenommen. Es dauerte allerdings bis 2009, bis der Bau der Länsimetro (Westmetro) tatsächlich in Angriff genommen wurde. Nun soll die Verlängerung der derzeit 21 Kilometer langen Metro um knapp zwei Drittel bis 2015 fertig sein.

Tropfen- und Ringlinie

Weitere Großprojekte sind die Ringlinie (Kehärata) und die wegen ihrer gedachten Form auf dem Stadtplan Tropfenlinie (Pisararata) genannte, großteils unterirdische City-Schleife. Mithilfe der Ringlinie soll der Flughafen Vantaa erstmals mit dem Zug erreichbar werden, und das vom Zentrum aus innerhalb einer halben Stunde. Derzeitige Fahrtdauer: eine Stunde mit dem Bus. Der Spatenstich für die Ringlinie fiel wie jener für die Westmetro vor drei Jahren. Fertig sein soll das Ganze im Idealfall in zwei Jahren. Erst danach wird die Tropfenlinie in Angriff genommen.

Bezüglich einer unterirdischen Hochleistungsbahnstrecke hat allerdings Helsinkis Musterstadtkonkurrentin Stockholm die Nase vorn. Dort soll die City-Banan bereits ab 2017 täglich die Masse der Städter hin und her wälzen.

Fahrrad-Großparkplatz

Heuer im Sommer richtet Helsinki auch erstmals ein "Fahrradzentrum" für Kurz- und Mittelstreckenpendler am Busbahnhof Kamppi ein. Das Pyöräkeskus soll nicht nur einen gesicherten Großparkplatz für die Fillarit, wie die Räder heißen, bieten, sondern auch die Möglichkeit, Citybikes zu mieten. Damit wollen die Finnen Kopenhagen nacheifern, wo bereits rund 36 Prozent der Werktätigen mit dem Fahrrad ins Büro fahren. Allein unter den nordeuropäischen Hauptstädten steht Helsinki mit einem umstrittenen städteplanerischen Projekt. In Pasila - wo der zweitwichtigste Umsteigebahnhof der Stadt liegt - plant man ein neues Stadtviertel inklusive Wolkenkratzern. Der Bau bringt 1,1 Millionen Quadratmeter Gewerbe- und Bürofläche und eine halbe Million Quadratmeter Wohnfläche.

Ob Helsinki beziehungsweise der ersonnene Stadtteil Pasila-Mitte (Keski-Pasila) zu einer Art finnischem Manhattan wird, hängt auch davon ab, wie sich die Pläne für die Umgestaltung des Stadtbahnhofs Pasila in einen neuen Zentralbahnhof in der Art von Stuttgart, Wien oder Zürich entwickeln. Die heutige Station liegt genau dort, wo bis 2040 die neuen Gebäude in den Himmel ragen sollen. Finnland wäre aber nicht Finnland, wenn es zum Thema Mobilität nicht einen "Weisenrat" einsetzen würde. Dieser soll bis Ende 2013 ein Konzept für ein "faires und intelligentes" Transportsystem ausarbeiten. (Andreas Stangl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.2.2012)

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1 Posting
nicht nur bei verkehrslösungen hinkt helsinki hinterher

es ist ja die ödeste stadt der ganzen region. als ob helsinki mit städten wie stockholm, oslo, göteborg, tallinn oder riga mithalten könnte.
helsinki ist sicher die fadeste und am meisten überschätzte stadt im norden europas.

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