Immer "in Touch" mit der Hausverwaltung

24. Februar 2012, 06:15
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Die GPA-Wohnbauvereinigung will das "Schwarze Brett" interaktiv umsetzen. Die Genossenschaft EBG hat damit schon etwas länger Erfahrung

Bis zur nächsten Abfahrt der Linie 7A sind es noch sieben Minuten, da geht sich noch die Reservierung der Waschküche für Samstag aus. Ein paarmal auf den Touchscreen gedrückt, ein PIN-Code eingegeben, schon ist die Sache erledigt. Weil noch Zeit ist, lassen sich auch die Veranstaltungstipps fürs Wochenende noch durchscrollen und auch die Info, welche Apotheke nach 19 Uhr noch offen hat. Das alles lässt sich in der Wohnhausanlage der WBV-GPA in der Kundratstraße in Wien-Favoriten auf dem Bildschirm erledigen, der neben dem Lift und dem Müllraum an der Wand montiert wurde.

"Vienna in Touch" heißt das System, das die Wohnbauvereinigung für Privatangestellte seit einem Monat hier testet. Der Wohnbau sei dafür optimal gewesen, erklärt Geschäftsführerin Andrea Holzmann bei der Präsentation des neuen "Schwarzen Bretts". Optimal deshalb, weil in dem 2007 fertiggestellten Wohnturm am Beginn der Triester Straße nicht weniger als 267 Wohnungen über nur eine Stiege, und damit nur einen Bildschirm, erschlossen werden.

Pizza auf Fingerdruck

Die Bedienung des Systems sei selbsterklärend, versichert Mario Aschbacher. Er ist Programmierer und Geschäftsführer der Firma Aninmedia, die mit dem fertigen Konzept an Holzmann herangetreten ist. Diese vereinbarte eine dreimonatige Testphase, unter der Voraussetzung, dass ihr daraus keine Kosten entstehen - denn diese könnten schließlich nicht über die Betriebskosten an die Mieterinnen und Mieter weiterverrechnet werden.

Finanzieren soll sich das interaktive Schwarze Brett deshalb über Werbung: Ortsansässige Unternehmen können Banner schalten, in einer späteren Ausbaustufe schwebt Aschbacher außerdem die Möglichkeit automatisierter Pizza- oder Kebab-Bestellungen vor. Die Sonderangebote der nächstgelegenen Supermärkte können bereits jetzt auf dem Screen betrachtet werden.

Beschwerden, Anregungen oder Hinweise können über den Bildschirm an die Hausverwaltung gesendet werden, und eine kleine Redaktion bei Aninmedia sorgt auch für aktuelle Meldungen und Diashows. Stolz ist man bei der Softwareschmiede aber vor allem auf die Echtzeit-Anzeige der Abfahrtszeiten von Straßenbahnen und Bussen: Die Daten stammen zwar aus dem System, das auch die Minuten-Anzeiger in den Wiener-Linien-Stationen speist, die Schnittstelle musste aber eigens programmiert werden.

Wetter und Mülltrennung

Walter Priller, der sich bei Aninmedia um den Vertrieb des Systems kümmert, will dieses nun auch anderen Genossenschaften und Hausverwaltungen anbieten. Auch an Wiener Wohnen, die Hausverwaltung der Wiener Gemeindebauten, will er herantreten, um dort die "intelligente Service-Schnittstelle für die Bewohner" anzupreisen.

So ganz neu ist das Konzept freilich nicht: Schon 2007 präsentierte der Bauträger EBG in seiner Wohnanlage in der Absberggasse, ebenfalls in Favoriten, ein ganz ähnlich funktionierendes System, damals naturgemäß noch nicht ganz so ausgereift wie "Vienna in Touch". Dennoch sind bei der EBG heute 40 Portale in 30 Häusern im Einsatz, wie Martin Orner, Abteilungsleiter der Hausverwaltung, im Gespräch mit derStandard.at erklärt. Hausintern heißen sie nunmehr "Infoboards"; für die Software-Betreuung ist die Firma Steinringer WEB and IT solutions GmbH verantwortlich, die mittlerweile auch die Wohnbaugenossenschaft Frieden damit versorgt. Auf den Schirmen der EBG werden neben Informationen zum Wetter und zur Mülltrennung unter anderem auch freie Wohnungen und Neubauprojekte des Unternehmens dargestellt.

SMS-Service wurde abgestellt

Werbung wird darauf derzeit noch keine geschaltet. Laut Orner wird diese Möglichkeit aber geprüft, weil ein Unternehmen vor kurzem entsprechendes Interesse bekundet hat. Auch Verkehrsinformationen sollen künftig auf den Boards der EBG erhältlich sein, außerdem Informationen über diensthabende Apotheken, Erste-Hilfe-Tipps und ein Kalender für die Benützung der Gemeinschaftsräume. Damit kommt die Weiterentwicklung des interaktiven "Schwarzen Bretts" von 2007 dem von Aninmedia programmierten schon recht nahe.

Die Möglichkeit, dass Bewohner per SMS Botschaften auf den Bildschirm bringen konnten, wurde wieder aufgegeben, berichtet Orner - "mangels Akzeptanz der Benutzer und aufgrund technischer Probleme". Dies soll auch nicht wiederkommen. Ansonsten werde das Infoboard-System aber mittlerweile "standortabhängig" gut angenommen, so der Leiter der EBG-Hausverwaltung.

Smartphone-App als nächster Schritt

Was eindeutig noch fehlt zum völlig losgelösten Online-Netzwerk ist die Möglichkeit, dass die Mieterinnen und Mieter auch von ihren Wohnungen aus bzw. über ihre Smartphones auf die Board-Infos zugreifen. Bei der EBG ist das "einstweilen nicht geplant", sagt Orner. Es soll aber bald eigene Online-Foren für die Hausbewohner geben, die in irgendeiner Form mit den Infoboards verknüpft werden könnten.

In der Kundratstraße ist auch daran schon gedacht, der nächste Ausbau von "Vienna in Touch" sieht das Einloggen über Home-PCs, Smartphones und Tablet-PCs vor. Begonnen werden soll damit, sobald die Testphase vorbei ist - und WBV-GPA-Geschäftsführerin Holzmann grünes Licht für einen weiteren Ausbau gibt. (Martin Putschögl, derStandard.at, 23.2.2012)

  • WBV-GPA-Geschäftsführerin Andrea Holzmann will das System zunächst einmal gratis testen. Aninmedia-Vertriebsleiter Walter Priller hat große Pläne: 500 Stiegen will er bis 2014 mit Bildschirmen ausrüsten.
    foto: pressetext/martina draper

    WBV-GPA-Geschäftsführerin Andrea Holzmann will das System zunächst einmal gratis testen. Aninmedia-Vertriebsleiter Walter Priller hat große Pläne: 500 Stiegen will er bis 2014 mit Bildschirmen ausrüsten.

  • Programmierer Mario Aschbacher ist besonders stolz auf die Schnittstelle zu den Wiener Linien.
    foto: pressetext/martina draper

    Programmierer Mario Aschbacher ist besonders stolz auf die Schnittstelle zu den Wiener Linien.

  • Das Haus der WBV-GPA in der Kundratstraße 6 eignet sich für die Pilotphase hervorragend, hier sind nämlich 267 Wohnungen über eine Stiege erreichbar.
    foto: putschögl

    Das Haus der WBV-GPA in der Kundratstraße 6 eignet sich für die Pilotphase hervorragend, hier sind nämlich 267 Wohnungen über eine Stiege erreichbar.

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