US-Teenager baute in Mexiko 18 Häuser für Arme

27. Februar 2012, 06:15
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Ein 18-jähriger Amerikaner auf christlicher Mission: Er hilft Familien in Not und wurde deshalb von CNN geehrt - Ein Porträt

Justin Churchman ist ein "junges Wunder". Zumindest wenn es nach dem amerikanischen Sender CNN geht, der alljährlich die Helden des Alltags ehrt. Im vergangenen Jahr wurde auch der 18-jährige Churchman ausgezeichnet. Seine Leistung: Er baute bis zu seinem 18. Geburtstag 18 Häuser für notleidende Familien in Mexiko.

Mit seinem Engagement bei der christlichen Organisation "Casas por Cristo" (Häuser für Christus) begann er als Schüler im Alter von zwölf Jahren. Damals organisierte seine Schule eine Reise nach Juárez in Mexiko, um der gemeinnützigen Vereinigung zu helfen. "Diese Erfahrung hat mein Leben verändert", sagt Churchman zu derStandard.at. In den darauffolgenden Jahren reiste er immer wieder mit seiner Schule nach Mexiko - bis zu dem Zeitpunkt, als diese ihr Engagement einstellte. Die Gewalt, die durch den Drogenkrieg immer mehr zunahm, veranlasste die Verantwortlichen der Schule, nicht mehr in das Nachbarland zu reisen.

7.000 Dollar gesammelt

Doch Churchman gab nicht auf und bildete 2006 sein eigenes Team aus Freiwilligen. Fünf Monate dauerte es, bis er das Geld und die Arbeitskräfte für ein neues Haus beisammen hatte: 7.000 Dollar (5.250 Euro) und 30 HelferInnen - denn die Freiwilligen von "Casas por Cristo" müssen ihr geplantes Projekt immer selbst finanzieren. Als Unterstützung werden ihnen ausgebildete MitarbeiterInnen vor Ort zur Verfügung gestellt. Churchmans Gruppe baute schließlich in nur drei Tagen ein Dreizimmerhaus.

Warum er trotz der anhaltenden Gewalt in Juárez nach Mexiko gereist war, beantwortet der heute 18-Jährige lapidar: "Es waren so viele Familien auf der Warteliste für ein neues Heim. Da konnte ich nicht aufhören." Das Durchschnittseinkommen einer Familie, für die "Casas por Cristo" aktiv wird, beträgt 60 Dollar pro Woche oder weniger. Um herauszufinden, welche Personen am dringendsten ein neues Haus benötigen, befinden sich die Verantwortlichen in Mexiko in ständigem Kontakt mit lokalen Priestern. "Die kennen die Mitglieder ihrer Gemeinde und wissen am besten, wer es nötig hat", erzählt Churchman.

"Das hat mich mitten ins Herz getroffen"

Einen seiner schönsten Momente in Mexiko hatte der junge Engagierte nach dem Bau seines dritten Hauses: "Wir übergeben den zukünftigen BewohnerInnen eine Bibel und den Schlüssel. Diesmal war es eine Mutter mit vier kleinen Kindern." Bis zur Schlüsselübergabe schlief die Familie in einer Baracke mit einem Stofftuch als Tür. "Die Frau sagte mir, dass sie in der kommenden Nacht nun zum ersten Mal seit sieben Jahren an einem warmen und trockenen Ort schlafen kann", berichtet Churchman. "Das hat mich mitten ins Herz getroffen."

Mittlerweile brachte er auch seine gesamte Familie dazu, sich in Mexiko zu engagieren. Selbst seine 84-jährige Großmutter würde "ein paar Nägel einschlagen". Prinzipiell bereitet dem 18-Jährigen jeder Handgriff während der Bauarbeiten großen Spaß, "doch am allerliebsten baue ich Dächer". Mithelfen können bei der christlichen Organisation aber auch weniger gläubige Menschen: "Zwar besteht meine Familie aus strengen Gläubigen, aber wir wollen niemanden zum christlichen Glauben zwingen."

Von der Ehrung durch "CNN Heroes" fühlt sich Churchman "sehr geehrt". Aber das Beste an der gesamten Verleihung sei für ihn gewesen, dass er allen von "Casas por Cristo" erzählen konnte: "Dadurch haben die Leute wieder ihren Blick auf die Armen in unserem Nachbarland gerichtet." (Bianca Blei, derStandard.at, 27.2.2012)

  • Für Justin Churchman hat das Engagement in Mexiko sein Leben verändert.
    foto: privat

    Für Justin Churchman hat das Engagement in Mexiko sein Leben verändert.

  • Vom Fundamentbau bis zur Schlüsselübergabe: Die Freiwilligen von "Casas por Cristo" machen alles selbst.
    foto: privat

    Vom Fundamentbau bis zur Schlüsselübergabe: Die Freiwilligen von "Casas por Cristo" machen alles selbst.

  • Am liebsten arbeitet der 18-Jährige mittlerweile auf dem Dach.
    foto: privat

    Am liebsten arbeitet der 18-Jährige mittlerweile auf dem Dach.

  • In Juarez in Mexiko verdienen arme Familien durchschnittlich 60 Dollar pro Woche oder weniger.
    foto: privat

    In Juarez in Mexiko verdienen arme Familien durchschnittlich 60 Dollar pro Woche oder weniger.

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