Eine lässige Salzburger Stadtgalerie

23. Februar 2012, 21:15
posten

Kultur- und Bildungsprojekte beleben ehemaligen Problemstadtteil Lehen

Salzburg - Manchmal darf auch ein Politiker spontan sagen, was er denkt: " Lässig", entfuhr es Salzburgs Bürgermeister und Kulturressortchef Heinz Schaden (SPÖ), als er am Donnerstag in die Räume der neuen Stadtgalerie zur Medienpräsentation derselben gekommen war.

Das neue Zuhause der Stadtgalerie kann sich tatsächlich sehen lassen: ein würfelförmiger Raum mit viel Tageslicht und variabel bespielbaren raumhohen Stellwänden. Überhaupt, die Raumhöhe: Sieben Meter Luft hat Architekt Bernd Vlay den rund 220 Quadratmetern Ausstellungsfläche gegeben. Baukosten: 1,5 Millionen Euro.

Kein Vergleich zu den bisherigen 80 Quadratmetern im Vogelhaus des Mirabellgartens, wo die Stadtgalerie bis dato ihr Dasein fristete. Fünf bis sechs Ausstellungen will Galerieleiter Anton Gugg pro Jahr in dem " respektablen Gehäuse" (Gugg über die neue Galerie) organisieren. Im alten Vogelhaus waren nur Einzelpräsentationen möglich, nun soll es zu dialogisch-konzipierten Schauen mit meist mehreren Künstlern kommen.

Kulturbezirk Lehen

Auch die Situierung der Stadtgalerie hat - im Sinn von Bürgermeister Schaden - etwas "Lässiges". Das neue Kunsthaus wurde auf dem ehemaligen Areal der Salzburger Stadtwerke im Stadtteil Lehen gebaut. Gemeinsam mit den ebenfalls neu gebauten Räumen der Galerie Fotohof, dem seit rund zwei Jahrzehnten bestehenden Literaturhaus Eizenbergerhof sowie der vor einigen Jahren gebauten Stadtbibliothek ist in dem ehemaligen Problemstadtteil Lehen schon jetzt ein Kulturbezirk entstanden.

Schaden und Planungsressortchef Johann Padutsch (Bürgerliste) haben sich damit aber noch nicht zufriedengegeben. Demnächst wird auch die Volkshochschule auf dem Stadtwerke-Areal einziehen. Quasi als Ergänzung zum Kulturbezirk ist ein wissenschaftliches Kompetenzzentrum geplant. Zentrum dieses Competence-Parks wird ein Rückenmarksforschungszentrum der Medizinischen Privatuniversität.

Für Belebung in diesem städtebaulichen Großvorhaben sorgen 300 Wohnungen und ein Studentenheim. (neu/ DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2012)

Düstere Interieurs im offenen Raum

Es wird viel fotografiert werden, wenn am Freitag der neue Standort der Galerie Fotohof in Lehen eröffnet wird. Dort ist alles ein bisserl größer und transparenter als im Nonntal, das offene Raumkonzept gewährt Einblicke von außen und Durchblicke im Inneren. Neben einer Bibliothek und einer Lounge im Eingangsbereich gehört auch ein Shop zur Infrastruktur. Auf das offizielle Eröffnungsprogramm, moderiert von ORF-Kulturjournalist Hannes Eichmann, folgt die Vernissage der neuen Ausstellung von Dirk Braeckman. Der 53-jährige Belgier beschäftigt sich in seinen geheimnisvoll dunklen Bildern vorwiegend mit Innenwelten, Interieurs und Durchblicken. Meist menschenleere und mit Sesseln, Sofas oder Betten möblierte Räume erzeugen düstere Stimmungen mit erotischen Subtexten. Konkrete Orte oder Personen interessieren Braeckman wenig, Realität verortet der vom Surrealismus Beeinflusste auf einer abstrakteren Ebene. Über Braeckmans Arbeiten spricht heute der Berliner Kurator Martin Germann, Samstag diskutieren Jeffrey Ladd und Andrew Phelps mit dem Künstler. Zur Neueröffnung des Fotohofs wurden alle österreichischen Künstler, die seit dem Gründungsjahr 1981 in der Galerie ausgestellt oder in der Edition Fotohof publiziert haben, eingeladen, aktuelle Fotos zu schicken. Die Bilder werden heute, Freitag, im öffentlichen Raum projiziert. Die Bibliothek präsentiert zukünftig exemplarische Fotobücher samt den originalen Aufnahmen zu den jeweiligen Publikationen. Zum Auftakt Peter Dresslers Zwischenspiel: eine fotografisch-fantastische Reise durch das Wien der frühen 1970er-Jahre - frei von Klischees, reich an assoziativen Bildkombinationen. (dog/ DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2012)

Galerie Fotohof, Salzburg, Inge-Morath-Platz 1-3
24. 2., 19.30, 25. 2., 11.00
Bis 7. 4.

Share if you care.