Entwicklungsrat sieht Zusammenwachsen von Unis und PHs

23. Februar 2012, 14:33

Schnider verweist auf Kooperationen bei geplanten PH-Masterstudien - "Jetzt muss die Politik sagen: Was ist umsetzbar, was ist finanzierbar?"

Wien - Um die geplante neue Lehrer-Ausbildung ist es seit dem Sommer politisch ruhig geworden. Laut Andreas Schnider, dem Vorsitzenden des für die Umsetzung der Reform zuständigen Entwicklungsrats, ist hinter den Kulissen allerdings "im Grunde unglaublich viel weitergegangen". So seien Universitäten und Pädagogische Hochschulen (PH) in den vergangenen Monaten deutlich zusammengewachsen, sagt der Ex-VP-Bundesrat. "Da tut sich an der Basis viel mehr, als manche glauben."

Als Beispiel nennt Schnider die Entwicklung von Masterprogrammen für die PH. "Die Pädagogischen Hochschulen versuchen mit anderen PH vor Ort und auf der anderen Seite auch mit den Unis solche Masterprogramme anzubieten. Da ist schon einiges passiert", verweist er auf die eingereichten Projekte. "PH und Unis arbeiten schon zusammen. Und das, ohne dass es ihnen angeschafft wurde."

Entwicklungsrat entscheidet über Masterzulassung

Welche Master tatsächlich ab Herbst angeboten werden sollen, wird der Entwicklungsrat entscheiden, in dem mittlerweile neben Schnider und seinem ebenfalls von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) entsandten Stellvertreter Roland Fischer (Uni Klagenfurt) mit Rektor Arthur Mettinger (Fachhochschule Campus Wien) und Bildungspsychologin Christiane Spiel (Uni Wien) auch Kandidaten von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) sitzen. Ob es sich bei diesen Master-Programmen, wie von Schmied gewünscht, um öffentlich-rechtliche und damit nicht kostenpflichtige Angebote handeln wird, hängt allerdings noch von der Zustimmung des Wissenschaftsministers ab. Derzeit dürfen PH nur Weiterbildungs-Master anbieten, die Kosten liegen bei bis zu 10.000 Euro für das einjährige Studium.

Zusätzlich will der Entwicklungsrat auch die Zahl der Verbundprofessuren steigern. Derzeit gibt es nur in Kärnten eine solche Kooperation: die Uni Klagenfurt und die PH Kärnten bieten eine solche Verbundprofessur zum Thema Mathematik-Didaktik für die Volksschule an. "Wir planen in Zukunft noch mehr solche Professuren einzurichten, gerade im Bereich der Fachdidaktik", so Schnider.

Offene Frage bei Zugangsregelung

Gleichzeitig entwickeln Arbeitsgruppen im Unterrichtsministerium Maßnahmen im Bereich der Elementar- und Sozialpädagogik sowie für Quereinsteiger. Dabei gehe es um Maßnahmen, die "in der nächsten Zeit sehr rasch zu passieren" haben, so Schnider.

Offene Fragen gebe es aber nach wie vor, wie Schnider eingesteht. So ist etwa noch nicht fix, wie künftige Zugangsregeln zur Lehrerausbildung aussehen könnten. "Wir haben als Vorbereitungsgruppe ganz klare Empfehlungen vorgelegt. Jetzt muss die Politik sagen: Was ist umsetzbar, was ist finanzierbar?" Auch wenn Töchterle und Schmied gerade in der Frage, an welcher Institution künftig die Lehrer-Ausbildung stattfinden soll, zuletzt auf Konfrontation gegangen sind, zeigt sich Schnider ganz allgemein optimistisch: Es gebe auch aus der Politik "gute Signale, dass etwas weitergeht." (APA)

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3 Postings
Warum Lehrerbildung an Unis?

Unis sind zur wissenschaftlichen Bildung. LehrerIn ist ein Beruf, der wissenschaftliche Ergebnisse nutzt umsetzen soll. Sehr wenige betreiben Wissenschaft. Ich sehe nicht ein, warum sich Unis um die Lehrerausbildung reißen, wo sie sowieso zu wenig Geld für Wissenschaft haben. Eine allmähliche Überführung dieses Studiums in die PH in Zusammenarbeit mit Uni-Lehrern finde ich logisch.

VS- und SekI Lehrer an PHs ausbilden, SekII-Lehrer an an den Unis, als Aufbau auf die "Basisausbildung". In der VS und der SekI braucht man einfach mehr Pädagogik, zum einen um Kinder zu erziehen, weil das zu Hause oft nicht mehr passiert und um ihnen dann die Grundlagen beizubringen, in der SekII weniger Pädagogik, dafür viel weitreichenderes Fachwissen.

"Zusammenwachsen" würde gleichwertigkeit implizieren.

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