Verkleinerung des Nationalrats

Abgeordnete wollen sich nicht ohne Weiteres einsparen lassen

23. Februar 2012, 12:22

Breite Skepsis gegenüber Vorschlag des Sparpakets der Regierung

Wien - Breite Skepsis herrscht unter den Abgeordneten in Bezug auf die geplante Verkleinerung des Nationalrats von 183 auf 165 Abgeordnete. Bei einem APA-Rundruf kritisiert wurde vor allem, dass die Nähe zu den Bürgern dadurch verloren gehe und die Arbeit nicht mehr schaffbar wäre. Vereinzelt finden sich zu dieser Sparpakets-Vorgabe auch positive Stimmen. Doch auch jene, die es sich vorstellen können, sehen mehr einen symbolischen Akt, der nicht viel einsparen würde. Immerhin die Klubchefs der Koalition sind einer Reduktion gegenüber nicht grundsätzlich abgeneigt.

ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf will die Verkleinerung aber nur, wenn auch die Anzahl und Größe der Ausschüsse reduziert wird, um "eine effizientere Arbeit zu ermöglichen". Würden die Mandatare nur noch in drei bis vier statt in sechs bis sieben Ausschüssen sitzen, hätte das außerdem den positiven Effekt einer Spezialisierung, so Kopf. Mehr Mitarbeiter für die Abgeordneten wären ebenfalls zu begrüßen.

Cap verweist auf Arbeitsgruppe

SPÖ-Klubobmann Josef Cap verweist auf die Einsetzung einer Arbeitsgruppe, in der alle Fraktionen ab der zweiten März-Hälfte das künftige Modell erarbeiten werden. Auch für ihn ist die Reduktion nur mit Begleitmaßnahmen denkbar, die Wahlordnung, Arbeitsbedingungen, Ausschüsse und Minderheitenrechte betreffen müssten.

"Grundsätzlich schon vorstellen" kann sich das 165er-Modell SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter. Er meint, es hätte eine "ganz wichtige und große Symbolkraft". Die Verkleinerung auf 165 Mitglieder hält er allerdings nur für machbar, wenn kleinere Parteien dabei "nicht unter die Räder kommen". Man müsse gleichzeitig die Wahlkreise neu ausrichten und Elemente der Persönlichkeitswahl einführen.

SPÖ-Rechnungshofsprecherin Christine Lapp zeigt sich zwar nicht begeistert, es sei "als symbolischer Beitrag aber sicher eine Möglichkeit". Allerdings müssten die Partizipationsmöglichkeiten der Bevölkerung gewährleistet werden. In Simmering etwa mit 90.000 Einwohnern sei das jetzt schon nicht so einfach. Für die steirische SPÖ-Abgeordnete Elisabeth Hakel ist die Verkleinerung dagegen "überhaupt nicht vorstellbar". Weniger Mandate würden auch weniger Bürgernähe bedeuten, "das schwächt die Demokratie".

Auch VP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm hält "nicht sehr viel davon", es sei "Populismus" und eine "Einschränkung der Vertretung der Bürger". Schon jetzt würde es bei den Ausschüssen oft zu Vertagungen kommen, da viele gleichzeitig stattfänden und Vertretungen fehlten. Wenn, dann müsse man Ausschüsse abschaffen, es falle ihr aber "keiner ein, den man streichen könnte".

Besonders schwer für kleine Parteien

Vorstellen kann sich die Reduktion der langgediente ÖVP-Mandatar Wolfgang Großruck, das Modell sei aber bloß "eine symbolische Geste und keine realwirksame". Ginge es nur um die Abstimmungen, käme man auch mit 150 Abgeordneten aus, meint ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger, die gesamte parlamentarische Arbeit wäre aber nicht zu schaffen. Besonders schwer sei es dann für kleine Parteien, den Kontakt zu den Bürgern zu halten. Kostenmäßig bringe dieses Modell sehr wenig. Die Arbeit für die Abgeordneten sei in den letzten Jahren sehr angewachsen und "als einsamer Abgeordneter nur schwer zu bewältigen".

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky ließe mit sich reden, wenn man die Wahlkreise neu definieren würde und mehr Elemente der direkten Demokratie einbauen würde. "In einer Zeit, in der die Demokratie so schwach ist", sei es allerdings "eine sehr schlechte Idee". Er würde stattdessen bei der Regierung ansetzen und die Zahl der Ministerien und Staatssekretäre verkleinern.

Peter Fichtenbauer von der FPÖ kann "nur mit Empörung und Hohn" reagieren. Es fehle noch, dass sich die Regierung die Größe der Gremien, die sie kontrollieren, aussuche. Es sei "schäbig, die Vertretung des Wahlvolkes zu reduzieren". Er fügt aber hinzu, man könne schon einsparen, wenn gleichzeitig die Kapazitätsebene und Arbeitsbedingungen verbessert würden, also mehr Ressourcen für Mitarbeiter der Abgeordneten vorhanden wären.

Der Grüne Sozialsprecher Karl Öllinger hält nichts von der Verkleinerung. Es sei ein populistischer Schmäh und "letztklassig", dass dieser Vorschlag von der Regierung komme. BZÖ-Klubobmann Josef Bucher fordert hingegen gleich eine Halbierung des Nationalrats, dafür wünscht er sich ein bis zwei Mitarbeiter mehr pro Abgeordnetem. (APA)

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GPK2
11
24.2.2012, 13:24
Weniger ist nicht unbedingt mehr...

... die Schweiz hat 200 Abgeordnete, trotz direkter Demokratie.
Es ist schon sinnvoll, zu sparen, aber die Vertretung des Souverän, des Volkes, ist der falsche Platz!
Wahrscheinlich wollens, dass wir noch weniger mitreden könn(t)en...

Chien de Pique
00
24.2.2012, 15:51
Und dazu 26 Kantone, jeweils mit Landräten, Kantonsräten usw. mit bis zu 180 Mitgliedern. Im Kanton Uri etwa kommt einE MandatarIn auf 400 Wahlberechtigte - vgl. Burgenland eineR auf 6900.

Allerdings ist wichtig festzuhalten, dass in der Schweiz wie in Liechtenstein das Milizprinzip dominiert, das ist schon einmal ein ganz anderer Zugang, der sich auch in den Kosten nicht ganz leicht vergleichen lässt.
in Österreich wird, wie man auch hier sieht, gerne diskutiert, eine Ebene der Demokratie (und nicht etwa nur der Verwaltung) ganz und ersatzlos zu streichen, wobei auch noch heftig akklamiert wird - da ist mit der Reife offenbar nicht sehr weit her. Dagegen sind diese populistischen Verkleinerungen, auch wenn man sie ebenfalls kritisch sehen muss, noch harmlos. Auch hat man auch in der Schweiz schon Kantonsparlamente radikal verkleinert, St. Gallen etwa von 180 (exakt soviel wie Landtage B, K, T, S, V zusammen!!) auf 120.

Österreichische Verbrecher Partei!
01
24.2.2012, 14:42
dafüpr aber KEINE 50.000 Nebenpolitiker

postens keinen Stumpfsinn !!!!!

WIr HABEN 50.000 bezahlte Politiker

davon ca. 800 TOP Verdiener

In Österreich

einen Politiker auf 200 Einwohner

Im Burgenland einen auf 96 Einwohner

also vergleichens Österreich nicht mit der Schweiz, wo Politik großteils ein Ehrenamt ist.

BEI UNS ist das ein mafiöses Gsinddl !!!!!!

klartextreden
00
24.2.2012, 12:52
>Verkleinerung des Nationalrats sogar auf 65 Abgeordnete gerechtfertigt !<

>Der Bundestag in Deutschland ist das Parlament und hat derzeit 620 Abgeordnete bei BRD- Einwohnerzahl von 81,796 Mio.<
>Dh.im Verhältnis BRD/Österreich zu den jeweiligen EW-Zahlen (Österreich 8,440 Mio.) rechtfertigt eine
Reduktion von Ö-Abgeordneten auf 65 !!!<
>Man kann und muß auch bei uns eine entsprechende Leistung bei den Mandataren einfordern!<
>Nicht wie es "Nichtgeht" sondern wie es "Geht"
ist angesagt !!!<

roko1950
03
24.2.2012, 12:12

Man sollte nicht die Anzahl der Abgeordneten, sondern deren Gehälter reduzieren. Das Argument, daß Politiker mit zu geringem Einkommen bestechlich wären ist schon längst obsolet, da auch jene mit sehr hohem Einkommen käuflich sind !

ewald bauer
01
24.2.2012, 12:06
Frau / Herr Abgeordnete/r

sollen Ihre Nebenjobs aufgeben, dann geht´s auch mit keinerem Nationalrat bzw. Bundesrat sowieso!

der_gote
01
24.2.2012, 11:59
Die Politiker zeigen wiedermal ihr wahres Gesicht

Einsparen ja, sofort.

Nur natürlich nicht in den eigenen Reihen.

Daher auch ja nicht die Verwaltung angereifen.

Aber ehrlich: Welche Bürgernähe? Welche Arbeit? Bei der Zahl von Abgeordneten die da ab und zu mal im Parlament vorbei schauen? Wenn die ihren Job außerhalb der Sitzungen mit genauso viel Engagement machen reichen 10 Abgeordnete ....

Und dann uns für dumm verkaufen mit irgendwelchen Argumenten dessen wirkliche Beweggründe jeder Volksschüler versteht....

Gerhard Bichler1
00
24.2.2012, 11:43
Entweder oder: Als Option könnte man ja eine entsprechende Gehaltsreduktion zur Abstimmung bringen.,.

Jukebox
00
24.2.2012, 11:33
"Der Grüne Sozialsprecher Karl Öllinger hält nichts von der Verkleinerung"

Hat er Angst um sein Mandat?

pox vobiscum
03
24.2.2012, 10:56

Bitte, ich weiß was.
Wir halbieren die Anzahl der Abgeordneten, dafür dürfen sie mit beiden Händen abstimmen.

Chien de Pique
00
24.2.2012, 15:52

Und nehmen?

pox vobiscum
00
24.2.2012, 18:58

Man muss nur dafür sorgen, dass sie dauernd etwas zum Abstimmen haben, dann haben sie zum Nehmen keine Hand frei. :)

Promille Prolet
01
24.2.2012, 10:38

an sich keine schlechte idee, politiker einsparen.

aber wenn die verkleinerung nicht von den großparteien für ein wenig gerrymandering und beschränkung von einfluß der kleinparteien genutzt wird, will ich joschka heissen.

also wäre es besser, ihre gehälter zu kürzen, proportional um so viel, wie meinetwegen 15 abgeordnete kosten.

mika33
11
24.2.2012, 10:28
Die Abgeordneten zu reduzieren ist der falsche Weg.

Schon jetzt gibt jeder Abgeordnete an ca. 80h/pro Woche zu arbeiten, was das auch immer heißt. Vielmehr könnte man sich über die Tätigkeiten der Abgeordneten Gedanken machen und über die daraus resultierenden Zulagen.

Also lassen wir bitte diese dumme Idee wieder fallen ...

Österreichische Verbrecher Partei!
01
24.2.2012, 14:44
na wieviel glauben sie muss man in der Privatwirtschaft für 8000 Euro arbeiten ???

verbeamtetes korruptes Gsindl

Wahnsinn, und das traun die sich noch posten

PointNoef
 
00
24.2.2012, 01:08
Vorstellen kann sich die Reduktion der langgediente ÖVP-Mandatar Wolfgang Großruck, das Modell sei aber bloß "eine symbolische Geste und keine realwirksame". Ginge es nur um die Abstimmungen, käme man auch mit 150 Abgeordneten aus, meint ÖVP-Gesundhe

und dabei wird es warscheinlich auch bleiben

thatslife
01
23.2.2012, 22:37
ja sicher, die armen überarbeiteten abgeordneten

und nein, der kontakt zum wähler geht verloren, hilfe, jetzt könnens nicht mehr das ganze jahr lang wahlkampf betreiben. ich würd da sogar eher ein verbot für abgeordnete befürworten während ihrer aktiven zeit in ihrer heimatgegend öffentlich aufzutreten.

walter helfmann
15
24.2.2012, 00:19
die eigenen pfründe schützen.

im parlament bräuchten wir nur 5 abgeordnete. je 1 pro gewählter partei.

durch den klubzwang ist das abstimmverhalten festgelegt und diese/r 1 kann für die erreichten mandate abstimmen.

es gäbe einsparungen in millionenhöhe, kurze plenarversammlungen, ein kleines präsidium usf.

kämmerer, beamte, lehrer, juristen könnten erfolgreich im beruf tätig sein.

- DYLAN
00
23.2.2012, 21:59
Ad Drei sind genug

von mir aus 5 (3:2) - dann gibts keine 2/3 Mehrheit.

- DYLAN
00
23.2.2012, 21:57
Drei sind genug!

Solange der Klubzwang besteht reichen auch 3 Abgeordnete. 2x Regierung 1x Opposition (rollierend)

des geyers schwarzer haufen
00
24.2.2012, 11:09
@opposition

ich stell mir das lustig vor wenn die roten und grünen untereinander ausschnapsen müssen, wer von ihnen die opposition repräsentiert :)

Gegenflieger
10
23.2.2012, 20:59
Typisch

Ha,Karlheinz Kopf,mutet Bürgern gerne alles mögliche zu.
Aber sobald es ihn erwischt wird er Störrisch.

Hans Vogel
01
23.2.2012, 20:22
Man sieht

damit den Geist dieser Leute!
Überall sparen, nur nicht bei uns!

Didi Barab
00
23.2.2012, 19:46
Aufstand der Bürger wann?

Das Suveren ist immer noch das Volk meine Herren /Damen Politiker .
Sollten diese nicht freiwillig gehen ,wird man Möglichkeiten finden um den willen des Volkes nachdruck zu verleihen.
Das Volk wird lange genug zum narren gehalten.

Karl-heinz Grill
11
23.2.2012, 17:24
ich lebe in eine städtchen mit zka. 14.000 ew

wir haben laut herold 10 banken und 7 versicherungen. nach all den skandalen könnten wir auch mit 5 und 3 gut leben oder vielmehr sie von uns. wir brauchen mehr und eine bessere demokratie, heißt, das parlament muss ausgebaut werden, eigener verfassungsdienst etc. nicht verkleinert.
eher kann man die ministergehälter einsparen, die stehen ja anderweitig gut im futter.

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