Finanzkonzerne ächzen unter Griechenland-Krise

23. Februar 2012, 15:53
6 Postings

Milliardenschwere Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen ließen nicht nur bei Commerzbank und Allianz den Gewinn einbrechen

Frankfurt/München - Europas Finanzkonzerne ächzen unter der Griechenland-Krise. Milliardenschwere Abschreibungen auf Staatsanleihen des Euro-Schuldenstaates ließen 2011 bei Commerzbank und Allianz den Gewinn einbrechen. Die belgisch-französische Großbank Dexia, die französische Großbank Credit Agricole und die großteils verstaatlichte Royal Bank of Scotland schrieben tiefrote Zahlen.

Der Gewinn der Commerzbank brach im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte auf 638 Mio. Euro (Vorjahr: 1,4 Mrd.) ein. Die Bilanz wurde durch die Euro-Schuldenkrise mit rund 2,3 Mrd. Euro belastet. Die teilverstaatlichte Bank schrieb ihre Hellas-Anleihen um knapp 74 Prozent ab. Vorstandschef Martin Blessing räumte am Donnerstag in Frankfurt ein: "Die Abschreibung auf Griechenland hatten wir ehrlich gesagt - auch in dieser Größenordnung - Anfang letzten Jahres nicht auf dem Radarschirm."

Der Konzernchef betonte jedoch: "Wir sind operativ auf einem guten Weg. Alle Segmente der Kernbank haben 2011 schwarze Zahlen geschrieben." Für das laufende Jahr kündigte Blessing für das Kerngeschäft ein "solides operatives Ergebnis" an. Die Vorsorge für faule Kredite soll aber von 1,4 Mrd. auf 1,7 Mrd. Euro steigen.

Ihr gigantisches Kapitalloch will die Bank in jedem Fall ohne erneute Staatshilfe stopfen. Dazu sind auch 1,2 Mrd. Euro Gewinn aus dem ersten Halbjahr 2012 eingeplant. Zur weiteren Stärkung ihrer Kapitalbasis plant die Commerzbank eine Kapitalerhöhung. Der Bund soll seinen Anteil behalten, indem ein Teil der Stillen Einlage in Aktien umgewandelt wird.

Allianz schreibt zwei Milliarden ab

Auch dem Allianz-Konzern verdarb die Schuldenkrise das Jahr 2011. Unter dem Strich verdiente der Konzern 2,5 Mrd. Euro und damit nur halb so viel wie 2010. Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen und Aktien kosteten die Allianz fast zwei Mrd. Euro. "2011 war ein schwieriges Jahr", räumte Vorstandschef Michael Diekmann ein. Das eigentliche Geschäft mit Versicherungen und Vermögensanlagen lief trotz Rekordschäden aus Naturkatastrophen dagegen nicht schlecht. In der Schaden- und Unfallversicherung konnte das operative Ergebnis mit 4,2 Mrd. Euro fast konstant gehalten werden. Bei der Lebens- und Krankenversicherung gingen die Prämieneinnahmen allerdings um gut sieben Prozent zurück.

Die teilverstaatlichte belgisch-französische Großbank Dexia wies einen Rekordverlust von 11,6 Mrd. Euro aus. Grund dafür waren vor allem Verluste aus Geschäften mit griechischen Staatsanleihen sowie aus dem Verkauf des belgischen Arms der Dexia an den Staat. Der Finanzkonzern und Kommunalfinanzierer gilt als erstes Opfer der Euro-Schuldenkrise. Belgien hatte mit Steuergeldern den belgischen Arm des Geldhauses für vier Mrd. Euro komplett übernommen.

Die französische Großbank Credit Agricole musste erstmals seit ihrer Gründung 2001 einen Jahresverlust hinnehmen. Das Institut verbuchte ein Minus von knapp 1,5 Mrd. Euro - 2010 hatte die Bank noch 3,6 Mrd. Euro verdient. Neben Belastungen wegen der Griechenlandkrise von fast 2,4 Mrd. Euro schlugen auch Kosten für den eingeleiteten Abbau von 2.350 Stellen zu Buche.

Die großteils verstaatlichte Royal Bank of Scotland rutschte 2011 noch tiefer in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand ein Verlust von zwei Mrd. Pfund (2,36 Mrd. Euro). Im Jahr zuvor hatte das Geldinstitut ein Minus von 1,12 Mrd. Pfund verbucht. 2011 war das vierte Jahr in Folge mit roten Zahlen für die Bank. Trotz der roten Zahlen schüttete die Bank 785 Mio. Pfund an Boni aus. Vorstandschef Stephen Hester musste auf öffentlichen Druck hin auf seinen Bonus von 963.000 Pfund verzichten.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Durch den hohen Verlust im letzten Quartal muss etwa die französische Großbank Credit Agricole erstmals seit seiner Gründung im Jahr 2001 einen Jahresverlust hinnehmen.

Share if you care.