Rezession trifft nun auch die Eurozone

23. Februar 2012, 11:01
139 Postings

Die EU-Kommission ist deutlich pessimistischer als im Herbst und erwartet heuer eine Schrumpfung von 0,3 Prozent, Österreich erwartet ein Miniwachstum

Brüssel - Die Abschwächung der Wirtschaft in Europa schlägt sich auch voll in der von EU-Währungskommissar Olli Rehn präsentierten Zwischenprognose der Konjunktur für das laufende Jahr nieder. Rehn spricht von einer "milden Rezession". Die EU-Kommission geht für die Euro-Zone von einem Minuswachstum von 0,3 Prozent für 2012 aus, in der Herbstprognose vergangenen Jahres war noch ein Anstieg von 0,5 Prozent vorausgesagt worden.

Für die gesamte EU-27 prophezeit die Kommission einen Stillstand. Statt des im Herbst angenommenen Plus von 0,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) bleibt die Lage mit 0,0 Prozent nun unverändert. Für Österreich geht der Zwischenbericht - der üblicherweise nur für die sieben größten Volkswirtschaften der EU ausgewiesen wird, angesichts der schlechteren Wirtschaftsdaten aber kurzfristig auf alle 27 EU-Länder ausgedehnt wurde - von einem Wachstum von lediglich 0,7 Prozent für das laufende Jahr aus. In der Herbstprognose waren es noch 0,9 Prozent gewesen.

Rehn erklärte, obwohl das Wachstum zum Stillstand gekommen sei, "sehen wir Zeichen der Stabilisierung in der europäischen Wirtschaft". Die Wirtschaftsaussichten seien weiterhin auf einem niedrigen Stand, aber es gebe Erleichterung in den Finanzmärkten. Mit entschiedenen Aktionen "können wir den Umschwung schaffen und von Stabilisierung zu Wachstum und Beschäftigung gelangen". Die wirtschaftliche Erholung in der EU wird sich erst ab Jahresmitte 2012 einstellen.

Griechenland ist Schlusslicht

Österreich ist bei der Vorschau auf das Wirtschaftswachstum 2012 unter den 27 EU-Staaten an elfter Stelle. Das stärkste Wachstum weist nach der Zwischenprognose Polen mit 2,5 Prozent auf. Schlusslicht ist Griechenland, für das ein Einbruch von 4,4 Prozent vorausgesagt wird.

In praktisch allen 27 EU-Ländern wurde die Prognose nach unten revidiert. Gleich bleib sie in Polen und Großbritannien. Wurden in der EU-Herbstprognose noch 24 Ländern ein positives Wachstum vorausgesagt, einem keine Veränderung und nur zwei ein Minuswachstum, verschlechterte sich die Lage nun zusehends. Die Zwischenkonjunkturprognose prophezeit nur mehr für 17 EU-Länder ein Plus, eines bleibt unverändert, und für neun wird ein Minus vorausgesagt. Dabei befinden sich gleich fünf Nicht-Euro-Länder - Polen, Litauen, Lettland, Rumänein und Bulgarien - an der Spitze des Wachstums. Estland und die Slowakei als erste Euro-Länder kommen erst an sechster und siebenter Stelle. Österreich belegt innerhalb der Eurozone hinter Estland, der Slowakei, Malta und Finnland Rang fünf.

Österreich bei Inflation über Eurozonen-Durchschnitt

Die Inflation in der Eurozone wird im laufenden Jahr bei 2,3 Prozent erwartet. Für alle 27 Staaten der Europäischen Union ein Wert von 2,1 Prozent vorausgesagt. Österreich liegt mit 2,4 Prozent knapp über dem Eurozonen-Durchschnitt.

Die stärkste Preissteigerung 2012 gibt es demnach mit 5,1 Prozent in Ungarn. Griechenland wird am anderen Ende mit -0,5 Prozent ausgewiesen.

Hinter Ungarn folgen Polen mit 3,5 Prozent, Portugal (3,3), Estland (3,1), Finnland, Bulgarien, Rumänien und Tschechien (je 3,0), Italien (2,9), Zypern (2,8), Großbritannien, Luxemburg und Belgien (je 2,7), Litauen (2,6), Lettland (2,5), ÖSTERREICH (2,4), Frankreich (2,2), Malta (2,1), Niederlande (2,0), Deutschland und die Slowakei (je 1,9), Dänemark (1,8), Irland und Slowenien (je 1,6), Spanien (1,3), Schweden (0,9) und Griechenland (-0,5).

Licht und Schatten für Österreich

Der Weg der wirtschaftlichen Erholung in Österreich sei laut Experten 2011 mit 3,1 Prozent beachtlich gewesen. Allerdings könnten die durchschnittlichen Lohnerhöhungen der vergangenen Jahre von 2,4 Prozent den Spielraum für mehr Beschäftigung 2012 etwas einschränken.

Der Privatkonsum scheine gedämpft zu bleiben, gleichzeitig sei das Konsumentenvertrauen gesunken und das Beschäftigungswachstum zum Stillstand gekommen. Die Auftragseingänge der Unternehmen und die Auftragsbestände hätten sich 2011 abgeschwächt. Gleichzeitig hätten die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit gestärkt.

Die Finanzierungsbedingungen könnten sich wegen der höheren Kapitalpuffer von Banken und Bilanzbereinigungen etwas verschärfen. Die Kreditvergabe, die 2010 einen Aufschwung erlebte, könnte 2012 wieder abflauen, heißt es in dem Österreich-Bericht. Die Kreditnachfrage sowohl von Unternehmen als auch von Privathaushalten habe in letzter Zeit abgenommen, auch angesichts der Unsicherheiten der wirtschaftlichen Vorausschau in Europa.

Lob gab es für den Baubereich, wo die Aussichten für Investitionen gestiegen seien. Die Preissteigerungen seien vor allem aufgrund wachsender Energiekosten mit durchschnittlich 3,8 Prozent von April bis November 2011 zu erklären, wobei sie im Dezember auf 3,4 Prozent gefallen seien. Für 2012 werde aber eine moderate Inflation vorausgesagt. (APA)

Wissen: Der Verlauf der Konjunktur ist ständigen Schwankungen unterworfen. Von Rezession ist die Rede, wenn die Leistung einer Volkswirtschaft über einen gewissen Zeitraum abnimmt. In den USA oder Großbritannien sprechen Volkswirte von Rezession, sobald die Wirtschaft zwei Quartale in Folge nicht wächst. Die EU-Kommission spricht von Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung eines kompletten Jahres hinter das Vorjahr zurückfällt.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Experten prognostizieren einen wirtschaftlichen Bauchfleck.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.