Künstlerische Dialogsituationen: Karl Prantl und Rudi Stanzel
Linz
- Seit den ersten Ausstellungen, an denen er in der Landesgalerie
beteiligt war, sei Rudi Stanzel mitten in einem medienanalytischen
Diskurs gestanden, sagt Martin Hochleitner, Direktor der Landesgalerie:
mit einem konzeptuellen Malereibegriff, der Herangehensweise, das
Material - etwa Eisenglimmer, Grafit, Plastik oder Transparentpapier -
zu untersuchen, und der Bearbeitung von Oberflächen.
Die
Verbindung zu Karl Prantl, der Malerei studierte, ehe er sich Anfang der
1950er-Jahre ausschließlich als Bildhauer betätigte, könnte also schon
allein auf Basis dieser Grenzüberschreitungen innerhalb der
künstlerischen Biografien rasch hergestellt werden. Doch Prantl -
Jahrgang 1923 und Initiator des Bildhauersymposions St. Margarethen 1959
- und Stanzel - geboren 1958 in Linz - trennt ebenso viel, wie sie
verbindet: eine Künstlergeneration, das Ausgangsmaterial und vor allem,
bezogen auf ihre Arbeitsweise, der Faktor Zeit. Die von den beiden
Künstlern noch gemeinsam geplante Ausstellung wurde nach Prantls Tod im
Oktober 2010 nun von Stanzel umgesetzt.
Wie eine
Achse verbinden Prantls Skulpturen die beiden Räume des Wappensaals, an
deren Wänden Stanzels großformatige Bilder hängen - in notwendigem
räumlichem Abstand, durch den ersichtlich wird, wie sehr die Arbeiten
beider Künstler mehr die Abwesenheit anderer Formen brauchen als deren
Nähe. Und wie sensibel daher mit allzu augenscheinlichen
Berührungspunkten umgegangen werden muss.
Gemeinsame
Ausstellungen halten dazu an, das Trennende zu suchen; den Spalt, über
den man stolpern, an dem man aber auch das Reibende, somit Spannende
finden kann. Und es gibt ihn: Dort etwa, wo Prantl aus dem harten Stein
eine weiche, fast organische, hautähnliche Struktur schälte, die zum
Berühren und Begreifen verführt, da verführt und täuscht Stanzel mit
Oberflächen, die er selbst erst einem Untergrund aufzwingt. Während
Prantl fast linear seine Formen- und Oberflächensprache entwickelte,
kehrt Stanzel immer wieder zyklisch zurück zu Techniken, die für ihn
abgehandelt schienen. Das Collagieren etwa entdeckte er während eines
China-Aufenthalts wieder. Die neuerliche Auseinandersetzung mündete in
eine Arbeit, für die er Texte von Arnulf Rainer kopierte, bearbeitete
und übereinanderschichtete.
Mehr in
seiner Gesamtheit zu lesen ist die parallel gezeigte Schau Selected by.
Für diese neue Reihe bittet die Landesgalerie Künstler, eine Ausstellung
aus der Sammlung zu kuratieren. Rudi Stanzels Ergebnis überrascht.
Unter dem Titel Liquid schafft er Bezüge und Nachbarschaften quer durch
die Kunstgeschichte, beginnend mit Egon Hofmann oder Aloys Wach über
grafische Arbeiten der 1960er-Jahre, etwa von Hans Hofmann-Ybbs, bis hin
zu zeitgenössischer Kunst von Elisabeth Plank und Karl Heinz Klopf.
Eine im wahrsten Sinn des Wortes fließende Schau, die im Widerspruch -
möglicherweise aber auch als sehnsuchtsvoll ausgleichssuchende Ergänzung
- zur strengen formalen Sprache in Stanzels eigenen Bildern steht. (Wiltrud Hackl / DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)