Konsequent gegen Studiengebühren

Kommentar der anderen22. Februar 2012, 19:17
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Gratis-Empfehlungen an die SPÖ-Führung - Von Peter Rosner

Aus gegebenem Anlass - rot-schwarzes Patt im Gutachterstreit - sind wieder einmal die Studiengebühren in Diskussion. Ich sage: Damit eine endgültige Entscheidung getroffen werden kann, muss die SPÖ endlich die Initiative ergreifen und wirksam für ihre Position werben. Sie könnte dazu Folgendes tun bzw. veranlassen:

1.) Frau Kuntzl könnte alle Fachhochschulen besuchen, um den dort Studierenden, die ja Gebühren zahlen, zu erklären, worin denn der Unterschied zwischen ihnen und den Studierenden der Unis besteht.

2.) Man könnte in allen Apotheken des Landes Plakate aufhängen lassen, auf denen zu lesen ist, dass Studiengebühren ärmere Jugendliche von einem Studium abhalten, während Rezeptgebühren, die regelmäßig erhöht werden, den Medikamentenmissbrauch verringern.

3.) Herr Blecha wird sicher bereit sein, im Konzerthaus allen Ausgleichszulagenbeziehern zu erklären, dass sie stolz darauf sein können, mit ihrer Bereitschaft für ein oder zwei Jahre einen realen Rückgang ihrer Pension zu akzeptieren. Das macht es nämlich leichter, das Uni-Studium gebührenfrei zu lassen. Die Universitätschöre könnten diese Veranstaltung musikalisch umrahmen.

4.) Auch die ÖH könnte hilfreich sein, indem sie den überwiegend eingewanderten Reinigungskräften, die für Mini-Löhne die Uni-Gänge putzen, erklärt, dass sie das dem Land, das sie so freundlich aufgenommen hat, schuldig sind und warum ihre Kinder zwar wegen der Migranten-Misere an den Schulen nur minimale Chancen haben, an diesen Unis studieren zu können, dies aber zugleich die Gefahr mindert, dass ihre nationale und kulturelle Identität gestört würde.

5.) Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst wiederum sollte alle Ministerial- und Hofräte aus ihren Reihen anhalten, den C- und D-Bediensteten zu erklären, dass, wenn deren Gehälter nicht ein oder zwei Jahre konstant blieben, die Gefahr einer Wiedereinführung der Studiengebühren drohe.

6.) Spezial-Tipp an Landeshauptmann Voves: Alle seine Mitarbeiter/innen in die Kindergärten der Steiermark ausschicken, die den Eltern erklären, warum Studiengebühren abzulehnen sind, es aber die Budgetsituation des Landes unvermeidlich mache, Gebühren für den Besuch in den Kindergärten einzuheben.

Endgültig siegreich wird diese Kampagne sein, wenn Bürgermeister Häupl in der Stadthalle den Eltern der Volksschulkinder beibringt, warum Studiengebühren mit sozialdemokratischen Grundsätzen keinesfalls vereinbar sind, ein Betreuungsgeld für die Ganztagsschule im Durchschnitt von 96.20 Euro pro Monat dagegen durchaus. Und Bundesgeschäftsführerin Rudas könnte bei dieser Gelegenheit sicher auch schlüssig darlegen, warum ein Teil der Personen mit sehr niedrigem Einkommen keine Rezeptgebühr zahlen muss, dass aber eine solche Lösung für Studiengebühren an Universitäten undenkbar ist. - Es gibt noch viel zu tun ... (Peter Rosner, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)

Der Autor lehrt am Institut für Volkswirtschaft der Uni Wien.

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    Studiengebühren? Ohne uns! - Michael Häupl beim Abwinken auf dem Rathausplatz.

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