In England regnet es zu wenig

23. Februar 2012, 16:22
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Der Süden Englands leidet unter der schlimmsten Dürreperiode seit mehr als 30 Jahren - Erstmals seit der Römerzeit könnten wieder Aquädukte gebaut werden

Im Rest der Welt gilt Englands Wetter als verlässlich: Es regnet eigentlich dauernd. Von wegen: Seit Monaten fehlt es an ergiebigen Niederschlägen. Umweltministerin Caroline Spelman ist deshalb so alarmiert, dass sie diese Woche eine Wasserkonferenz einberief.

Mit Vertretern von Bauern, Umweltorganisationen und den Wasserversorgern besprach die konservative Ministerin die schlimmste Dürre im Land seit 1976, als die Hauptstadt London mit Wassercontainern beliefert werden musste. "Wir müssen gemeinsam über Vorsichtsmaßnahmen nachdenken", sagte Spelman.

Selbsternannte Experten wie Londons Bürgermeister Boris Johnson haben bereits den ersten Bau von Aquädukten seit dem Rückzug der Römer im Jahre 409 vorgeschlagen. Tatsächlich gibt es in Schottland sowie im englischen Nordwesten immer noch reichlich Niederschläge und gut gefüllte Stauseen.

Wunsch nach Regen

Hingegen führen Flüsse wie Lee und Kennet im dichtbesiedelten Südosten der Insel rund um die Hauptstadt London gerade noch ein Viertel bis ein Drittel ihres normalen Wassers. Er wolle sich ja nicht unbeliebt machen, teilte Kieran Nelson vom Wasserversorger Anglian Water den Zuhörern der BBC mit. "Aber wir brauchen richtig viel Regen, monatelang. Also wenigstens Nieselregen, aber permanent, über Wochen hinweg."

Weil das Wetter im sonnigen Südosten das gängige England-Klischee nicht erfüllt, werden sich die Londoner schon bald auf Restriktionen gefasst machen müssen. Zuletzt verfügte das regional zuständige Unternehmen Thames Water vor sechs Jahren Einschränkungen, wie sie auch diesmal bevorstehen: Bald darf das Volk von Hobby-Gärtnern und Park-Fanatikern keine Schläuche und Sprinkleranlagen mehr verwenden, statt baden sollen die Engländer lieber duschen und natürlich beim Zähneputzen den Hahn zudrehen, was vier kostbare Liter pro Tag und Haushalt spart.

Strafe fürs Rosengießen

Wer dennoch seine Rosen wässert, muss dann umgerechnet bis zu 1500 Euro Strafe zahlen. Sollte auch das nicht reichen, könnte die Umweltbehörde Environment Agency den Privathaushalten auch stundenweise das Wasser sperren.

Umweltverbände weisen auf langjährige Versäumnisse von Regierung und Wasserversorgern hin. Trotz erheblicher Investitionen in die Modernisierung des viktorianischen Leitungssystems geht in der Hauptstadt noch immer rund ein Viertel des Frischwassers durch Lecks verloren. Organisationen wie WWF fordern zudem seit Jahren die flächendeckende Einführung von Wasserzählern; davor schreckten sowohl die alte Labour- wie auch die derzeitige konservativ-liberale Regierung bisher aus Angst vor Protesten der Wähler zurück. Das Wichtigste sei ohnehin die Entdeckung der Genügsamkeit, findet Umweltministerin Spelman: "Jeder weiß, wie man Wasser sparen kann." (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)

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    Wasserstands-Anzeige in einem englischen Reservoir.

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    Wegen der anhaltenden Dürre sind manche Flüsse fast vertrocknet.

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