Kopf des Tages

Am Taxisteuer mit Kopftuch und Courage

22. Februar 2012, 18:58
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    foto: taxicenter

    Feride Saymaz wurde zur fleißigsten Taxifahrerin gekürt.

Feride Saymaz wurde zur fleißigsten Taxifahrerin Wiens gekürt

Als Feride Saymaz zur Taxilenkerprüfung antreten will, rät die Fahrschule, die sie dazu anmelden soll, der kopftuchtragende Frau davon ab. Viele studierte Inländer würden durch die schwierige Prüfung rasseln, es sei schade um das Geld, lautet die Begründung.

Nach drei Tagen des Insistierens registriert man Saymaz dann doch für das Examen. Inzwischen chauffiert sie seit 20 Jahren Menschen durch Wien. Diese Woche wurde die etwa 60 Jahre alte Frau, die ihr genaues Alter nicht in der Zeitung lesen will, vom Taxiunternehmen 40100 bereits zum zweiten Mal zur besten und fleißigsten Lenkerin gewählt, da sie vergangenen Dezember die meisten Fahrten absolviert hat.

Feride Saymaz wächst in ihrer Geburtsstadt Kastamonu im Norden der Türkei auf. Zehn Jahre lebt sie in Istanbul, bis sie 1971 mit ihrem Mann nach Wien geht, wo in einer Liesinger Kartonagefabrik Arbeiter gesucht werden. Ihr Mann und sie fangen dort an, nach wenigen Jahren wird Feride Saymaz schwanger, bringt kurz hintereinander zwei Töchter zur Welt.

"Nicht schreien, Mensch sein. Mensch ist Mensch"

Sechs Jahre später steigt sie als Hausbesorgerin und als Hilfskraft in einem Architektenbüro wieder ins Berufsleben ein. Sie erledigt Kopierarbeiten, Postgänge, "einfach alles". Parallel zu den zwei Jobs beginnt Saymaz mit dem Taxifahren, seit 1998 sitzt sie "nur" mehr hinterm Steuer. Eine Lieblingsfahrtstrecke hat sie nicht: "Hauptsache ich bin in Bewegung." Einzig, wann sie den Arbeitstag beginnt, ist ihr wichtig: "Wenn ich zeitig in der Früh anfange, habe ich mehr Glück und bin zufriedener."

In der Männerdomäne hat sie schon einige unangenehme Situationen erlebt. Einmal wurde sie von einem Fahrgast gewürgt. Als er, ohne zu zahlen, ausstieg, habe sie ihm aus dem Fenster nachgerufen: "Wenn du nicht zahlen willst, brauchst du mich nicht würgen." Mit einem berauschten Passagier, der ihr verdächtig vorgekommen sei, sei sie bei der Polizei stehen geblieben, habe ihn nach einem kurzen Gespräch mit den Beamten dann aber doch zum Fahrtziel gebracht.

"Fühlen Sie sich jetzt sicherer?", habe der Mann sie gefragt. "Ja", habe sie gesagt und gelacht. Sie lache viel, erklärt sie. Hat sie keine Angst? "Nein, Gott bestimmt, was passiert", sagt Saymaz gelassen. Ruhig blieb sie auch, als eine Frau sie letzte Woche wegen der Aussprache eines Straßennamens angeschrien habe. "Nicht schreien, Mensch sein", habe sie gesagt, "Mensch ist Mensch." (Gudrun Springer, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)

Kommentar posten
17 Postings
john pell
00
27.2.2012, 09:01

dieses frau ist mir simpatisch , und zeight dass integrazion möglich ist, und bestätig meiner teorie
dass frauen aus der turkey haben mehr drauf als die männer
weiter so!!

living reef
01
26.2.2012, 09:35
Gott bestimmt, was passiert",

...na ja denn...wenn menschen glücklich sind mit einem von gott fremdbestimmten leben...

King Of Wörschtlständ
00
27.2.2012, 22:42
"Die Dame maant de Emergenz von systemische Prozesse, sans wieder ruhig!"

wüll Ihner unser Schurl mitteilen.
Z´erst hat er uns des am Ständl erklärt und alle warn baff! Na bumm! Woher hot unser Schurl nur soichene Ausdrücke her?
Sogar dem bladen Franz is de Pappn offengeblieben, was bei eahm zwar a Normalzuastand is, a offene Pappn, aber mehr gesprächs- und weniger erstaunenstechnisch.
"Der Schurl is übers Wochenend vo Ausserirdische entführt worn und de hamm eahm in Eikuh auf 300 aufeg´haut!" hat der Hanse vermutet. "Pimp my brain, oder so?" hat unser neicher Kumpel, de Silke mit´n graumelierten Inbusschlüsslhaarschnitt, nachgsetzt.
Dann ham mir den Schurl gfagt, was des auf deutsch haast.
"Naja, Gott bestimmt, was passiert." hat er gmant.

Halbmond
62
26.2.2012, 09:30
An alle kopftuchgegner....

auch so kann man im beruf erfolgreich sein,,,,mein respekt frau Feride Saymaz !!!

Chien de Pique
02
24.2.2012, 17:03

Respekt, vor allem dafür, dass sie nicht schon seit 5-10 Jahren in der Pension ist, sondern in dem Alter noch eine Auszeichnung erringt.

unterwegs in Österreich
00
24.2.2012, 15:15
Mir ist die Nationalität eines Taxlers vollkommen egal

er soll mich auf kürzestem Weg und sicher an mein Ziel bringen.

Wenn ich bei einem Standplatz die Tür des ersten Taxis öffne und es darin qualmt, weil der Taxler - noch dazu bei geschlossenen Fenstern - raucht und ich in das zweite Taxi einsteige, dann brauch ich mich von dem Fahrer des ersten Taxis aber nicht vorwerfen lassen, dass ich ihn diskriminiere und er braucht auch nicht versuchen, mich aus dem anderen Taxi zu zerren.

elf*assa
01
24.2.2012, 14:36
seit Jahren! Gratulation!

Einfach großartig, Respekt an die Dame.

Armida
44
23.2.2012, 20:38
Gratulation an Frau Saymaz

Sie zeigt mit ihrer Intelligenz, ihrem Durchhaltevermögen und den richtigen Antworten auf saudumme Kommentare von ÖsterreicherInnen, dass sie ein Gewinn für das Land ist. Auch wenn das gewisse politische Kreise (und manche Poster) nicht wahrhaben wollen.

miles a head
31
23.2.2012, 15:28
ich vermisse den besten rosenkranz betenden christlichen taxler

oder wie war das mit dem menschen und seinem herausgehen seiner selbstverschuldeten unmündigkeit?

Armida
20
23.2.2012, 20:35
Warum eigentlich nicht ?

Haben Sie was gegen das Rosenkranzbeten ? Seien Sie doch froh, falls es noch Retter des christlichen Abendlands gibt.

coffee anyone?
06
23.2.2012, 10:48
Als Kind einer Taxlerin weiss ich um die Leistung

von Fr. Saymaz und kann diesen entsprechend würdigen. Dieser Job ist gelinde gesagt ungesund!
Und ich glaube auch durchaus, dass sie ihn sehr gut macht.

Dennoch habe ich den Eindruck, sie wird "missbraucht".

Wir haben in der Vergangenheit immer wieder von QUALITÄTSMÄNGELN gehört/ gelesen.

Und jetzt verleiht EINE Funkzentrale
den Titel der BESTEN,
an jene die AM MEISTEN fährt.

Also Quantität vor Qualität!
Und der Standard übernimmt die PR unreflektiert und macht noch einen Kopf des Tages draus.

Kann man wirklich Medien soo leicht vor seinen Karren spannen?

metropolis
217
23.2.2012, 09:37
Angenommen die Taxilenkerin kommt aus China und trägt KEIN Kopftuch?

Wäre das einen Artikel wert? Dieses andauernde Hinweisen auf die moslemische Religionszugehörigkeit, geht mir sowas auf die Nerven.

Gerhard Eigner
00
23.2.2012, 13:01
chinesin wäre nicht erwähnt.

Peter Sumerauer
115
22.2.2012, 21:01
2x Kopftuch...

... was hat das mit einer fleissigen Taxifahrerin zu tun? Nur wegen der schönen Alliteration? Sie sollten die Rubrik "Kopftuch des Tages" nennen, dann paßt's!

Armida
52
23.2.2012, 20:33
Schwachsinn des Tages

Sie scheinen ein Problem mit Frauen zu haben, die Kopftuch, Mut UND Durchsetzungsvermögen haben. Bring Ihr Klischee der armen, unterdrückten Muslimin wohl gehörig durcheinander.

cannery row
19
22.2.2012, 20:13
Viele studierte Inländer würden durch die schwierige Prüfung rasseln..

und wie kommt dann heutzutage die unzahl an lenkern durch, die nicht mal wissen, in welchem bezirk das betreffende ziel liegt? ansprüche offenbar im keller.
da fahr ich lieber mit der dame mit, die kennt sich vermutlich bestens aus. leider kann man sichs ja kaum aussuchen.

niewieder nett
 
00
23.2.2012, 11:51

ich hab die besten erfahrungen mit taxilenkerinnen. letzten samstag auch mit einer frau mitgefahren. kein gps im auto und sie ist die perfekte strecke zu meiner wohnung gefahren. und fade gespräche musste ich auch nicht führen. super.

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