RBI schließt 2011 unter Vorjahreswert ab

23. Februar 2012, 11:29
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Als negativer Sondereffekt schlägt eine Abwertung der Bankbeteiligung in der Ukraine um 183 Millionen Euro zu Buche

Wien - Internationale Großbanken bügeln schon seit langem Verluste oder Ergebniseinbrüche mit der Neubewertung/Abwertung eigener Schulden aus. In Österreich lukriert für die Bilanz 2011 auch die Raiffeisen Bank International (RBI) rund 200 Mio. Euro aus einer solchen Schuldenabwertung.

Die Raiffeisen Bank International hat Mittwoch Abend die Bekanntgabe ihrer Jahreszahlen überraschend vorgezogen. Demnach schloss das Jahr 2011 mit einem vorläufigen Konzern-Jahresüberschuss von 968 Mio. Euro. Der Nettogewinn lag damit um 11 Prozent unter dem Wert von 2010 (1,087 Mrd. Euro). Die Hälfte stammte aus Bewertungsergebnissen.

Im Markt kursieren Spekulationen, die frühzeitige Bekanntgabe der Zahlen könnte mit einer möglicherweise doch bevorstehenden Kapitalerhöhung zu tun haben. Einen solchen Zusammenhang wies ein RBI-Sprecher heute zurück. Er begründete die früheren Zahlen damit, im volatilen Markt Klarheit zu schaffen und Unsicherheiten über die Ertragslage herauszunehmen. Dass eine Kapitalerhöhung weiterhin eine Option ist, wird nicht bestritten. Daran habe sich nichts geändert, so der Sprecher. 

"Hohe Bewertungsgewinne"

Sondereffekte haben die Bilanz 2011 beeinflusst: "Hohe Bewertungsgewinne" gab es insbesondere im vierten Quartal bei Teilen der eigenen Emissionen, teilte die Bank mit. Auch das Bewertungsergebnis von Derivaten habe positive Effekte gebracht. Diese zwei Positionen führten zu einem "Ergebnis aus derivativen Finanzinstrumenten und designierten Verbindlichkeiten" von 413 Mio. Euro. Nach einem Verlust von 84 Mio. Euro in dieser Ergebnisposition 2010 war das eine Verbesserung um immerhin 500 Millionen.

Was die ergebnissteigernden Bewertungsgewinne betrifft, so stammten rund 206 Mio. Euro aus der Marktbewertung eigener Emissionen - sprich der Abwertung von eigenen Schulden (eigenen Anleihen).

Diese Marktbewertung (Fair-Value-Option) werde nach IFRS-Bilanzierung im übrigen schon seit 2007 praktiziert, wurde betont. Weitere 231 Mio. Euro an Bewertungsgewinnen ergaben sich aus Derivatebeständen, die in einem Makro Hedge-Zusammenhang stünden, wie das Institut in deiner Pflichtmitteilung formulierte.

Als belastend schlug 2011 eine Firmenwertabschreibung auf die Bankbeteiligung in der Ukraine um 183 Mio. Euro zu Buche.

Weitere Zahlen: Die Bilanzsumme der RBI (60.000 Mitarbeiter, 2.900 Filialen, 13,7 Millionen Kunden) ist 2011 um 12 Prozent auf 147 Mrd. Euro gestiegen. Die Nettodotierungen zu den Kreditrisikovorsorgen sind um ein Zehntel auf 1,06 Mrd. Euro gesunken, trotz der Probleme in Ungarn. Bei einem um knapp 2,5 Prozent gestiegenen Zinsüberschuss und stabilem Provisionsüberschuss meldete die RBI einen vorläufigen Jahresüberschuss vor Steuern (Vorsteuergewinn) von 1,373 Mrd. Euro, ein Zuwachs um 7 Prozent. Details zur Bilanz folgen wie geplant am 29. März.

Der Einbehalt von Gewinnen ist heuer ein wichtiges Element, das Großbanken auf die von der Europa-Bankenaufsicht EBA verlangten Kapitalquoten bringen soll. Etliche Banken mobilisieren zudem stille Reserven.

Rückkäufe von Hybridanleihen

Donnerstag früh hat auch die RBI Rückkäufe von Hybridanleihen bekanntgegeben. Solche Papiere werden von den europäischen Bankenaufsehern nicht zum harten Kernkapital gezählt, deshalb kaufen viele Großbanken in Europa momentan hohe Summen zurück. Buchgewinne aus diesen (billigen) Rückkäufen können kapitalstärkend gebucht werden. Die RBI will ab heute Hybridanleihen im Nominale von bis zu 500 Mio. Euro vom insgesamt in Frage kommenden Volumen von 800 Mio. Euro zurück kaufen.

Wie es aus der RBI auf APA-Anfrage heißt, wird daraus ein Kapitaleffekt von 150 Mio. erwartet, das seien 0,16 Prozentpunkte. Die betreffenden Papiere waren über die RZB Finance in Jersey emittiert worden. (APA)

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    Die RBI gewinnt aus der Abwertung eigener Schulden 200 Millionen für die Bilanz.

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