Ista-Milliarde

SOS Leuchtturm

Kommentar | Lisa Nimmervoll, 22. Februar 2012, 21:33

Die hochschulpolitischen Zustände rund um das Forschungsinstitut Ista darf man nicht ausblenden: die mittlerweile wie eine chronische Krankheit wirkende Unterfinanzierung der Unis und der Akademie der Wissenschaften

Was war nicht alles versprochen worden, damals Mitte der 2000er-Jahre. Schwarz-(Blau)-Orange wollte sich eine "Elite-Universität" für Österreich kaufen. Von Niederösterreich aus sollte der "Leuchtturm der Forschung und Wissenschaften" erstrahlen, sagte die damalige Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP).

2006 wurde das Institute of Science and Technology Austria (Ista) gegründet. 2009 ging das Licht an. Jetzt bekam Ista eine neue fixe Zusage über rund eine Milliarde Euro bis 2026. Zwei Drittel vom Bund, ein Drittel vom Land Niederösterreich. Ein Drittel des Bundesbetrags gibt''s noch extra, wenn Exzellenz und Drittmittel geliefert werden.

Grundlagenforschung ist wichtig. Geld dafür auch. Und am Ista arbeiten unbestritten exzellente Forscher aus aller Welt. Wer sie holen oder halten will, muss vorsorgen. Aber die hochschulpolitischen Zustände rund um den Leuchtturm darf man nicht ausblenden: Hier ein zweifellos ambitioniertes Forschungsinstitut auf Top-Niveau abgesichert, dort die mittlerweile wie eine chronische Krankheit wirkende Unterfinanzierung der Unis und der Akademie der Wissenschaften (die "Altlasten" mitschleppen und viel weniger Spielraum haben) - das passt nicht zusammen.

So besteht die Gefahr, dass der "Leuchtturm" Ista früher oder später nichts mehr hat, dem er den Weg leuchten könnte, weil im Gewässer um ihn herum keine manövrierfähigen Forschungs-Tanker mehr unterwegs sind. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)

Kommentar posten
12 Postings
Oyden
01
24.2.2012, 19:18

Man hätte natürlich noch erwähnen dürfen, dass es in Österreich noch genug andere hell leuchtende Forschungseinrichtungen/-institute abseits von ISTA gibt.

Soulman
11
29.2.2012, 22:59
IST auch viel heiße Luft

Also wenn man sich die IST-Homepage (seit längerem) wieder mal so ansieht... zigmal "Nano-" und "Bio-" in den Forschungsrichtingen, vermanscht mit den ominösen "Computerwissenschaften" in ziemlich abenteuerlichen und wenig konkretisierten Zusammenhängen. Tatsache ist, dass man weder in Cambridge, UCL, IC, Oxford, Harvard, Yale etc. soviel Neusprech und Phrasendrescherei findet. Sicherlich gibt es am IST ein **paar** wirklich exzellente herausragende Wissenschaftler, aber ich bin doch ziemlich verwundert über viele junge, die nicht mal habilitiert sind, durchschnittlichen/alterstypischen Publikationsumfang vorweisen können, und offenbar schon Doktoranden betreuen dürfen (??). IST = Parteibuch-Elite, gute Forschung gibt es auch woanders...

Oyden
01
29.2.2012, 23:35

auch wahr, vielleicht hätte noch erwähnt werden sollen, dass ISTA vielleicht nichtmal so hell leuchtet (aber das war eh nicht mein Hauptpunkt)

Alaska Saedelaere
01
23.2.2012, 15:19
Lügen

Bei der Gründung des ISTA haben Schüssel und Pröll versprochen, dass es aus zusätzlichen Geldern finanziert wird und den etablierten Forschungseinrichtungen selbstverständlich nichts abgezwackt wird, was damals schon niemand geglaubt hat. Jetzt kann sich jeder selbst überzeugen.

franzauer
01
23.2.2012, 11:42
Symtomatisch

Entlarvender gehts nicht mehr. Gut ist, was den Zentralen zufließt und nützt, schlecht ist alles, was hinaus in die dumbe Provinz geht. Draußen alles weg, hinein in die Zentralen. Diese Geisteshaltung dominiert den Spitzen-Journalismus in ORF, Zeitungen...der natürlich in den Zentralen daheim ist. Und die aktuelle Spar- und Reformdiskussion läuft auf der gleichen Schiene. Reform ist dann gut, wenn draußen eingespart wird (Post, Nahversorgung, Bezirksgerichte, Kleinschulen, Spitäler, Bezirke, Gemeinden.....)und alles den Zentren zuströmt.

Plus Lucis
01
23.2.2012, 14:45

Da geht es doch nicht um Provinz, sondern darum, dass Leistung belohnt werden soll, egal wo. Wenn am ISTA ein ERC an Land gezogen wird, wird Belohnungsgeld draufgelegt, wenn dasselbe an der Uni Wien bei ungleicher Mehrbelastung durch Lehre und Verwaltung (Stichwort: vielfache arbeitsaufwendige Evaluationen einmal nach Studienjahren, einmal nach Kalenderjahren) des Forschers gelingt, dann hat der Forscher als Belohnung die ERC-Bürokratie zusätzlich.

Seria
01
23.2.2012, 09:14

Über Forschung spricht man doch nur im Wahlkampf und nachher vergisst man finanzielle Zusagen möglichst schnell. Da gibt es nämlich kaum Rückflüsse an die edlen Spender. Wo das Prinzip "manus manum lavat" herrscht ist in so einem Falle nichts zu holen ..

Dodelbert Engfuss
00
23.2.2012, 08:51
Forschung sichert Zukunft -

ob eine gute, steht auf einem anderen Blatt...

josef penninger
03
23.2.2012, 00:53

liebe frau nimmervoll, ich schlage vor, dass sich die studenten, universitaeten, und die akademie diese sogenannte forschungs- und bildungspolitik nicht mehr gefallen lassen. wir waren viel zu lange still. Die leute sind intelligent genug, um mit sparmassnahmen und umstrukturierungen zu leben, falls die politik wirkliche visionen entwickelt - etwa die vision einer innovativen gesellschaft, die allen an den schulen und universitaeten chancen bietet, je nach unseren talenten. dazu braucht es aber mehr als PR gags.

Loxoceles
01
23.2.2012, 19:58

Das Problem liegt doch darin begründet, dass in der Politik (und in den zuständigen Ministerien) weitgehend völlige Ahnungslosigkeit herrscht, was Grundlagenforschung ist, wie Grundlagenforschung funktioniert und welche Voraussetzungen für Grundlagenforschung notwendig sind. Die statistischen Modelle, nach denen politische Entscheidungen im Bereich Unterricht, Wissenschaft und Forschung getroffen werden, sind nicht einmal die Bezeichnung "Modell" wert.Es fehlen Leute, die dieser erschreckenden Ahnungslosigkeit entgegentreten und erklären, aufklären, aufzeigen.Viele von der Politik vorgegebenen Paradigma mögen auf den ersten Blick gut klingen, sind aber kompletter Humbug. Grundlagenforschung lässt sich nicht planen, erst recht nicht zentral.

jedi31
02
22.2.2012, 20:42
Das sind etwas ueber 70M pro Jahr...

... nicht wenig, aber die Unis braeuchten deutlich mehr, um aus der Budgetnot rauszukommen.

Franz Woyzecks liebste Erbse
11
22.2.2012, 22:46

Insgesamt sind es aber geradezu lächerliche Summen, die für Forschung und Bildung notwendig wären. Vergleichen mit den teilweise übertriebenen Sozialausgaben - etwa für Frühpensionen und andere Blödheiten - wären diese Gelder zukunftssichernd.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.