Wien will schon wieder anders sein

Kommentar | Andrea Heigl
22. Februar 2012, 18:50

Mit großzügiger Beamtenpension wird die rote Stammklientel bei Laune gehalten

So klingt es also, wenn Wiens Bürgermeister Michael Häupl bei den Beamtenpensionen richtig durchgreift: "Es wird nicht möglich sein, einfach irgendetwas zu erzählen, um in Frühpension gehen zu können." Für die Titelseite der "Kronen Zeitung" hat das gereicht; um das Ziel der Stadt zu erreichen, das Antrittsalter der Rathaus-Frühpensionisten von derzeit 56 in Richtung 60 zu bringen, muss man sich einiges mehr überlegen.

Nur zehn Prozent der Wiener Beamten sind das, was man sich prototypisch unter solchen vorstellt, also Schreibtischarbeiter. Etwa die Hälfte der rund 65.000 Magistratsbediensteten arbeitet beim Krankenanstaltenverbund, dann gibt es tatsächlich auch die Feuerwehrleute, Kanal- und Müllabfuhr-Arbeiter, die von Häupl stets bemüht werden, um zu illustrieren, warum "seine" Beamten nicht mit jenen anderer Länder oder des Bundes vergleichbar sind.

Allerdings müsste es gerade in einem riesigen Apparat wie der Stadt Möglichkeiten geben, auch für ältere Menschen geeignete Arbeitsfelder zu schaffen. Die Frage, wie man Arbeitnehmer physisch und psychisch dazu in der Lage hält, bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter ihren Job auszuüben, ist nicht nur für den öffentlichen Dienst ein Thema. Diskussionen über Arbeiten bis 72 muten angesichts des realen Pensionsantrittsalters geradezu absurd an. In Wien wurde eine eigene Magistratsabteilung für das Thema Vorsorge geschaffen, an ihrem Erfolg wird man ablesen können, ob die Stadt tatsächlich so ein schrecklicher Arbeitgeber ist, dass man es dort nicht länger als bis Mitte 50 aushält. Übrigens war das durchschnittliche Antrittsalter für die Frühpension für Magistratsbeamte vor fünf Jahren noch 52 Jahre. Da scheint zumindest etwas in Bewegung zu sein.

Beim Durchrechnungszeitraum für die Beamtenpensionen wird sich im Rathaus definitiv nichts bewegen. Alle Bundesländer - außer Kärnten - haben ihre Regelung an jene für die Bundesbeamten angepasst, deren Durchrechnungszeitraum bis 2028 erhöht wird. In Wien lässt man sich dafür bis 2042 Zeit. Einfach so. Wogegen sie unter Schwarz-Blau höchstselbst auf die Straße gegangen sei, das werde sie jetzt sicher nicht einfach übernehmen, argumentiert Finanzstadträtin Renate Brauner - auch wenn sich die Stadt laut Rechnungshof im Lauf der Jahrzehnte 350 Millionen Euro sparen könnte. Eine nicht einzusehende politische Entscheidung des roten Wiens, das um jeden Preis darauf bedacht ist, seine Stammklientel bei Laune zu halten. Nicht umsonst knüpft die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten ihre Zustimmung zu einer Nulllohnrunde im Magistrat unter anderem daran, dass an den Pensionen nicht gerüttelt wird.

Ein Bruchteil der Wiener kommt in den Genuss der großzügigen Rathaus-Pensionsregelung, gleichzeitig dürfen alle deutlich mehr für Wasser, Kanal und Müllabfuhr zahlen. Die Gebühren sind zweckgebunden, man kann sie nicht eins zu eins mit den Beamtenpensionen gegenrechnen; beim Blick auf den Kontoauszug wird das dem Wiener Durchschnittswähler aber ziemlich wurscht sein.

Während die Stadtregierung also versucht die Beamten und ihre Gewerkschaft mit angenehmen Pensionen zufriedenzustellen, verliert sie jene Menschen aus dem Blick, die zähneknirschend akzeptieren müssen, dass an ihnen gespart wird. Wie immer versucht Wien anders zu sein. Diesmal könnte das nach hinten losgehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)

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Ist die Gewerkschaft "Staatsfeind Nr 1." ?

"Gerechtigkeit" wird verlangt und damit Abbau von Ungerechtigkeit. Die Ungerechtigkeit von der die meisten Menschen betroffen sind besteht zwischen den Privilegierten Arbeitnehmern im geschützten Bereich von Häupl & Co und den privaten ASVGlern ohne Privilegien. Wer hier beim Massenproblem keine Angleichung schafft, der soll besser nicht mehr über Gerechtigkeit reden !

Sparen in Wien

Vielleicht wäre es der Gemeinde Wien hilfreich wenn sie mehr motivierte Mitarbeiter hätte.
Wäre ich an deren Stelle, ...... ich denke ich würde irgendwann resignieren und mir denken "Ich schwimm eben mit und bekomm mein Geld.".
Solange dieser Strom fliest werden auch die meisten mitschwimmen, .... ist doch gemütlich.

Die übliche Neiddebatte!

Ich gönne jedem arbeitenden Menschen einen langen, angenehmen und materiell abgesicherten Lebensabend. Die erwähnten Feuerwehrleute, Kanal- und Müllabfuhr-Arbeiter haben zweifellos körperlich strapaziöse Berufe unter ungünstigsten Bedingungen. Also sei ihnen auch der zeitiger eintretende Ruhestand vergönnt.
Und: Es steht jeder Person frei, diese Berufe bei der Gemeinde Wien zu wählen, als seinen Neid hinter verklausulierten, pseudointellektuellen Postings zu verstecken!

Ungerechte Beamtenprivilegien abschaffen

Pragmatisierte Beamtinnen der Stadt Wien mutieren mit 50 zu Vertragsbediensteten um mit 55 (Hacklerregelung) in den "Unverdienten" Ruhestand zu gehen. Ob diese Beamtinnen wohl alle nicht mehr arbeitsfähig sind, wie die von Häupl ständig zitierten Feuerwehrmänner, Kanalräumer usw.?
Beamte im Dienst kosten, den Steuerzahler, vermutlich gleich viel wie jene im Ruhestand. Daher sollten sie auch bis zu ihrem theoretischen Pensionsalter (65) einen positiven Beitrag für das Gemeinwesen leisten.

Genau ! Frühpension für alle ! Zahlen wird das alles ... der Weihnachtsmann.

Ich verstehe nicht, wie Sie auf die Idee kommen, dass dies eine "Neiddebatte" wäre. Die Republik Österreich und die Stadt Wien bilanzieren seit Jahrzehnten negativ, d.h. dass diese Frühpensionsleistungen auf Pump gekauft werden. Und diese Schulden müssen irgendwann von jemandem abgezahlt werden. In Wirklichkeit verkonsumieren diese Sozialschmarotzer den Wohlstand unserer Kinder, ohne dass diese sich wehren könnten. Kreisky hat Schulden aufgenommen, um Infrastruktur zu bauen, die wir heute noch nutzen können. Häupl nimmt Schulden auf, damit sich irgendwelche Beamte mit Mitte 50 am Tennisplatz einfinden können. Ist das gerecht ?

eine gerechtigkeitsdebatte

Herr Häupl, liebe SPÖ:

Die Dinosaurier sind auch irgendwann ausgestorben!

Ich vermisse den Vermerk: redaktionelle Anzeige der ÖVP

Frau Heigl sollte übrigens froh sein, dass Wien anders ist. Oder hätte Sie gerne tiefstes Blau mit Sattschwarz? Dann soll sie es auch schreiben, ist ja legitim, aber nicht scheinheilig auf mögliche Kosteneinsparungen hinzuweisen. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

Ich will einfach nicht verstehen, was an Frühpensionen so schlimm ist.

Das Geld, das für die Pensionen aufgewendet wird, fließt doch fast direkt wieder in die Wirtschaft. Leute die Zeit haben, geben auch viel Geld aus.
Man vergleiche die Summen für Pensionen mal mit den Millionen bis Milliarden, die in marode Banke gesteckt werden. Was fließt denn bitte schön von der Bankenhilfe wieder zurück in die Wirtschaft?
Dann die Arbeitsplätze. Wenn die Menschen länger arbeiten, entstehen ja nicht neue Arbeitsplätze. Die fehlen am Ende dann der Jugend. Österreich hat eine im europäischen Vergleich relativ geringe Jugendarbeitslosigkeit. Schon klar, Jugendarbeitslosigkeit ist im Schnitt billiger. Aber allenorten wird doch gejammert, dass eine perspektivlose Generation heranwächst. Das wird noch schlimmer werden.

Wenn ich Ihrer volkswirtschaftlichen Meinung folgen darf, dann müssten wir einfach nur alle Sozialleistungen erhöhen und schon wäre dieses Land saniert, denn dieses Geld fließt ja wieder zurück in die Wirtschaft. Nur: Wer erwirtschaftet dieses Geld ? Das ökonomische Perpetuum Mobile ?

Das haben die Griechen in den Jahren 2001-2005 übrigens auch versucht. Mit bescheidenem Erfolg.

Ist doch ganz einfach!

Die älteren Mitarbeiter übernehmen die Koordination der Ämter bzw. die Ausbildung der jungen Mitarbeiter, all die Posten, welche auf Grund von parteipolitischen Futtertrog-Machenschaften an Freunderln vergeben werden, die sind ja dann frei für erfahrene Mitarbeiter mit 40 Jahren know-how.

wenn's nur DAS waer, aber es geht ja noch auf allen anderen ebenen so weiter:...

...
beispiel gefaellig?

u-bahn:

- die u-bahn wurde gebaut und aus steuergeldern der wiener finanziert, d.h. die gemeinde wien hat sich das werkel schon einmal bezahlen lassen
- was aber tun, wenn wie immer noch mehr geld benoetigt wird? man enteignet die winer wieder, indem man die u-bahn an einen US-broker verklopft und wieder zuruekleast
- d.h., die wiener muessen fuer etwas, das an sich ihr bereits bezahltes eigentum ist, monatlich noch einmal eine horrende miete bezahlen
- und nicht genug damit, will die gemeinde wien jetzt von den unternehmen in wien zusaetzlich noch eine UBAHNSTEUER einheben.

das wird die angestellten der KMBs aber freuen. hauptsach, der beamte geht mit 50+ pekuniaer voll bepackt in pension.

na da bin ich ja beruhigt, dass sie sich so gut auskennen

seit wann bleibt der leasinggeber nicht eigentümer der wirtschaftsgüter?

Der Leasing-Geber ist aber eine US-Bank und nicht die Stadt Wien. Die hat ihre Rechte eben verkauft.

die gemeinde wien hat einen sub-leasing vertrag geschlossen und zur absicherung desselben hat die us-bank ein pfandrecht eingetragen - na und. passiert bei jedem sale und lease back.

skip it, leider

nicht nur mit steuergelder der wiener sondern auch mit den steuergelder der bundesländer

da wird dr schlecht: kontrollbericht 2009...

...seither tat sich was? nix genaues weiß man nicht bzw. sagt man uns nicht, aber die "u-bahnsteuer" laesst boeses vermuten.

http://www.kontrollamt.wien.at/berichte/... K-17-8.pdf

Gehts ums Land oder um die Stadt

Ohne zu wissen, wie das Budget genau aussieht: Wenn Wien es sich leisten kann, warum nicht?

Klar kann Wien sich das leisten

die Stadt erhöht einfach die Gebühren um ein Drittel und schon geht es wieder einige Jahre.

Dass diese Privilegien einer kleinen Schicht von vielen anderen bezahlt werden müssen, die Nutznießer wird es nicht stören.

Ehrlich, ich wäre auch gerne mit 58 Jahren und 80% meines Letztbezuges in Pension gegangen und hätte mich sicher gegen Verschlechterungen gewehrt.

Nur, gespielt wurde es bei mir nicht, da ASVG versichert und da gab es mit minimalen Übergangsfristen mehrfach Kürzungen. Keine Rede von wohlerworbenen Rechten.

Ups hab vergessen, die Überschrift zu ändern.

Ich wollte nämlich zum Unterschied von Stadt Wien und Land Wien etwas schreiben:

Wenn man Beamter bei der Stadt Wien ist, ist man dann Beamter des Landes Wien?
Gibts da Unterschiede?

jah fathead Wien ist Stadt, Land und Gemeinde. Lernt man in Österreich in einer der ersten Stunden politische Bildung.

Richtig,

als Migrant mit Staatsbürgerschaftsambitionen!

Wenn man schon pauschalieren möchte - die meisten Beamtenprivilegien verdanken wir aber schon der ÖVP!

Grundsätzlich wäre es natürlich fair und vernünftig, alle Menschen in einem gemeinsamen Sozialversicherungssystem zu erfassen, in dem dann aber betreffemd Pension selbstverständlich auf den Gesundheitszustand und die Tätigkeit eines Menschen Rücksicht genommen wird.

Es ist nämlich tatsächlich ein Unterschied, ob man 30 Jahre als Bauhilfsarbeiter, als Krankenschwester oder mit einer Bürotätigkeit verbracht hat und ob man gesund oder krank ist.

Ingrid Goeschl ich gebe Ihnen grundsätzlich recht, weil ich für Gleichbehandlung und Fairness bin. Aber glauben Sie wirklich, dass die ASVGler z.B genauso viel Krankenversicherung zahlen wollen wie die Landesbeamten? Die Krankenversicherungsbeiträge an die KFA sind nämlich um einiges höher als bei der WGKK und die BVA hat Selbstbehalte. Das müssen´s dann aber auch mitttragen.

Es wird hier immmer irgendjemand irgendetwas Neues nicht wollen, weil der Mensch dazu neigt, seinen eigenen Vorteil zu vertreten.

Letztendlich kann aber nur ein gleiches System für alle gerecht (und vernünftig) sein.

Es ist auch ein großer Fehler, alle Beamten in einen Topf zu werfen, da sind ganz unterschiedliche Berufe darunter.

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