Russland-Wahl

Der nervöse Putin und seine Kritiker

Florian Gossy, 23. Februar 2012, 11:20

Wenige Tage vor der Wahl macht die politische Elite der Opposition das Leben so schwer wie möglich

Am Dienstag haben sich Demonstranten vor dem Gebäude der Zentralen Wahlkommission in Moskau versammelt. Eine Menschenkette wurde gebildet, Parolen wie "Nieder mit dem Polizeistaat" und "Russland ohne Putin" gerufen (Fotos des Einsatzes finden Sie in der linken Spalte). Das Resultat der friedlichen, aber nicht genehmigten Kundgebung: 20 Oppositionelle wurden von der Polizei abgeführt und festgenommen. Es ist nur eine Szene im russischen Wahlkampf, die aber belegt: Die Führungsriege um Noch-Premier und Bald-Präsident Wladimir Putin wird nervös. Weniger als zwei Wochen sind es bis zur Präsidentenwahl am 4. März, und die Methoden, die verwendet werden, um gegen die Opposition vorzugehen, werden härter. Die Inhaftierung von Demonstranten ist nur ein Beispiel.

Kundgebungen da, Großdemonstrationen dort

Der nächste Konflikt bahnt sich schon für das kommende Wochenende an. Im Zentrum von Moskau soll eine riesige Menschenkette von mehr als 30.000 Putin-Gegnern gebildet werden. Die Demonstration steht unter dem Motto "Ring um Moskau". "Wir versammeln uns ohne Plakate und Reden", kündigten die Organisatoren der Nachrichtenagentur dpa an. "Wir werden uns an den Händen fassen und einen lebendigen Ring um das Moskauer Zentrum - und damit auch um den Kreml - bilden."

Doch auch Putins Strategen schlafen nicht. Um den Großkundgebungen der Opposition entgegenzuwirken, planen sie ebenfalls Demonstrationen. Bereits am vergangenen Wochenende fanden großangelegte Aktionen statt. In Städten quer durch das gesamte Land wurden Massenkundgebungen abgehalten. In St. Petersburg sollen bis zu 60.000 Menschen für den Premierminister auf die Straße gegangen sein, wie es offiziell heißt. Von seinen Gegnern wird diese Zahl jedoch bezweifelt. Am Donnerstag gingen hunderttausende Putin-Anhänger auf die Straße. Das Demonstrations-Motto: "Zum Schutz des Vaterlandes".

Putin gegen kritische Medien

Um den Erfolg bei der Wahl am 4. März nicht zu gefährden, werden auch kritischen Medien Steine in den Weg gelegt. Man nehme die "Nowaja Gaseta" - wenige Wochen vor der Wahl wurde ein Konto des Eigentümers, des Oligarchen Alexander Lebedew, blockiert. Die Strategen hatten anscheinend gehofft, das Blatt, für das die 2006 ermordete Kreml-kritische Journalistin Anna Politkowskaja geschrieben hatte, in Zahlungsschwierigkeiten zu bringen. Die Redaktion trat dem aber offensiv entgegen und kündigte an, für einen Monat auf ihr Gehalt verzichten zu wollen. Zu den Eigentümern der Zeitung gehört neben Lebedew auch der Friedensnobelpreisträger und Ex-Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Auch er stellte sich gegen Putin: "Er hat viel Nützliches getan. Aber jetzt hat er sich überflüssig gemacht." 

Die russischen Machthaber versuchen auch beim kritischen Radiosender Echo Moskau Einfluss zu erlangen. Der Energieriese Gazprom, der vom russischen Staat kontrolliert wird, versucht nun, mehr Kontrolle im Aufsichtsrat zu bekommen. Das Unternehmen besitzt zwar schon jetzt 66 Prozent der Anteile, verfügt im Aufsichtsrat aber nur über vier von neun Plätzen. Den Kurs gibt bisher vor allem der Chefredakteur Alexej Wenediktow vor, was durch das Redaktionsstatut gewährleistet wird. Wenediktow selbst hat einen Platz im Aufsichtsrat, gemeinsam mit zwei Journalisten von Echo Moskau und zwei unabhängigen Personen hält man derzeit noch die Mehrheit. Doch Gazprom beansprucht nun sechs der neun Aufsichtsräte für sich - womit das Unternehmen ungleich mehr Macht bekommen würde. Echo Moskau stand zuletzt bei der Parlamentswahl Ende 2011 im Zentrum des öffentlichen Interesses. Über den Wahlbetrug der Putin-Partei wurde breit berichtet. (flog, derStandard.at, 22.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 87
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100 Jahre Austria Wien!
00
Ich würde Putin gerne tot sehen!

einfragezeichen
02
27.2.2012, 01:54
Anmerkung

Also, so kritisch Putin zu sehen ist und so sehr ich die Protestbewegung gegen Wahlbetrug begrüße, muss ich an dieser Stelle doch eine Anmerkung bringen.
Zwar wirft Vereintes Russland - genauso wie die anderen Parteien - mit patriotischen Wahlsprüchen nur so um sich, aber der Slogan vom Donnerstag "Zum Schutz des Vaterlandes" ist anders zu verstehen. Am Donnerstag wurde in Russland der "Tag des Verteidigers des Vaterlandes" gefeiert, der traditionelle "Männetag". Der Slogan ist unter Berücksichtigung des kulturellen Hintergrunds zu verstehen.

suedsee insulaner
 
37
23.2.2012, 14:29
Putin nervoes ?????

Was ist denn das fuer eine laecherliche ueberschrift ??
Warum sollte er auch nervoes sein ? Das waere genauso als wenn ich beim roulette auf jene zahl setzte in der gerade die kugel gefallen ist !!!
Er kann die wahl gar nicht verlieren . Aber ein bisschen komoedie spielen fuer die volksmassen macht sich immer
gut um den schein zu wahren.
Russland wird immer eine starke hand brauchen. M. war zwar charmant und freundlich, aber doch etwas zu zuviel den amis gegenueber. Manchmal ist esw schon gut auch auf den tisch zu hauen. ( siehe das debakel in libyen dass es mit P. als praesidenten wohl nicht gegeben haette )

Georg Schütt
45
23.2.2012, 19:24
Schauen Sie sich mal selbstkritisch Ihr Posting an.

Die Hysterie in Satzbau, Lexik und Interpunktion bestätigen, was sie - zu laut, zu brüsk - zurückweisen wollen.

Souveränität sieht anders aus :)

Helmut
10
23.2.2012, 16:05
Wusste gar nicht...

...dass Stamtischspruchklopfer mittlerweile ein Lehrberuf ist.

DieBo
07
23.2.2012, 13:56
Während Putin nervös ist bereitet der Westen einen Krieg vor und bleibt ganz cool dabei wenn die Welt in Flammen steht. Tut mir leid, da find ich Putin aufrechter!

Mawol
00
23.2.2012, 12:55

Bild 3: Verhaftung des bekannten Schriftstellers Daniel Kehlmann.

Liburna
113
23.2.2012, 12:49
Die nervösen Putin-Gegner

Da kommen wir der Wahrheit schon näher

Superserbe returns1
15
23.2.2012, 13:31
wegen einer handvoll spinner, die ungenehmigt

großstadtverkehr mit feuerwerkskörpern aufhalten, die große nervösität herbeizudichten, ist sogar für schdandad-verhältnisse abenteuerlich ...

bis vor kurzem hätt ich sowas nicht mal dem erfahrenen ostfront-veteranen und freischaffendem dichter kirchengast sepp zugetraut ...

und der sagt seit 1999 den zusammenbruch von putin-russland voraus ...

also der vordenker der putin-hasser quasi ...

mfg

S H7
31
23.2.2012, 15:35
Sag ich doch

Serben oder Russen wettern hier für Putin. Nur leider ist Serbien genauso wie Russland verarmt. Ich würde einmal darüber nachdenken Warum das so ist. Nein das liegt sicher nicht am System???!

Oddo Wolf
00
23.2.2012, 20:57
verarmt?

-
Die westliche Wertegemeinschaft ist so verarmt, daß wir die Arbeitskraft unserer Enkelkinder verpfänden müssen, um bei den Banken die Zinsen für die Staatsschulden bedienen zu können.

Superserbe returns1
12
23.2.2012, 16:47
verarmt?

meine ersparnisse sind in einer richtigen währung und nicht bald (seit 2008) weg ...

primat, zurück in die höhle

gregor griesgram der grobe
21
23.2.2012, 12:42

nobler Speisesaal für einen Militärstützpunkt. alles nur fake

Power Paul
00
23.2.2012, 13:15
schon mal was...

von Offizierskasino gehört? Oder gar mal eines von Innen gesehen?

Superserbe returns1
10
23.2.2012, 13:39
wie denn als zivi oder sohnemann ...

ich suche immer noch das "noble" im foto ...

mfg

suedsee insulaner
 
00
23.2.2012, 13:21

Offizierskasino schon, aber jene die bereits am tisch sitzen sehen mir weder nach offizieren aus.

Power Paul
00
23.2.2012, 14:23
na wie soll putin denn sonst volksnähe zeigen...

... wenn er nur mit den offizieren - sprich "oberschicht" - speist.

Hatte aus ähnlichem Grund auch mal in Österreich als Grundwehrdiener das zweifelhafte Vergnügen mit dem damaligen Verteidigungsminister und 75 "auserwählten" Kameraden im Offizierskasino speisen zu dürfen....

suedsee insulaner
 
00
23.2.2012, 14:33
Das nehme ich ihnen aber nicht ganz ab...

Heute empfinden sie es als zweifelhaftes vergnuegen, damals hat es sie aber sicherlich gefreut, vor allem nachher wenn alle ihre kameraden gefragt haben, wie es denn so war.
Und bei tisch werden sie sicherlich bemerkt haben, dass offiziere auch nicht anders sind als sie und die anderen kameraden.

Liburna
01
23.2.2012, 12:52
Das ist ein Salon und kein Speisesal

Das ist ein schöner Militärstützpunkt, nicht die durchlöcherten Amizelte in Afghanistan.

Hans Meier459
49
23.2.2012, 12:41
Der nervöse Putin und seine Kritiker

nervös wird nur der Westen, weil Putin gewinnen wird und der Westen keine Marionette wie Jezin installieren kann.

celiz
10
23.2.2012, 14:05

alles immer nur verschwörung!

hier, da, lesen;
http://derstandard.at/132987006... Grauenhaft

wer glauben sie deckt assad den rücken?

Ingrimm
10
23.2.2012, 11:56

Jaja, die Reichen lassen dem Volk ein bisserl Demokratie, bis es ernst wird... darum gibts in Österreich keinen Belastungen, sonst müsste auch hier die Ordnung wieder zurechtgeprügelt werden...

marcopolo1971
 
13
23.2.2012, 10:58

Gazprom in Medienaufsichtsräten, das ist ja fast so übel wie Kirche und Raiffeisen als Medieninhaber in Ö.

Molodez
01
23.2.2012, 13:11

Und somit westlich und demokratisch. Passt

marcopolo1971
 
01
23.2.2012, 19:36

Hej, die Raiffeisen ist ne Ostbank.

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