Irritationen über Höhe und Laufzeit von IST-Austria-Finanzierungszusage

22. Februar 2012, 18:12

Forschungsinstitut erhält 1,4 Milliarden Euro von Bund und Land für 2017 bis 2026 - uniko-Vorsitzender und ÖWR-Präsident üben Kritik

Klosterneuburg - Das Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg (NÖ) erhält eine langfristige Finanzierungszusage von Bund und Land in Höhe von rund 1,4 Mrd. Euro. In den Jahren zwischen 2017 und 2026 stellt der Bund dem Institut in Summe maximal 990 Mio. Euro zur Verfügung, das Land 368 Mio. Euro. Ein Teil des Geldes ist an die Einwerbung von Drittmittel und an die Erfüllung von Qualitätskriterien gebunden. Eine entsprechende Vereinbarung haben am Mittwoch Finanzministerin Maria Fekter, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Landeshauptmann Erwin Pröll gemeinsam mit IST-Präsident Thomas Henzinger unterzeichnet.

Für das 2009 eröffnete IST Austria - das Institut widmet sich der Grundlagenforschung und der Ausbildung von Wissenschaftern nach dem Uni-Abschluss - wurde bereits bei der Gründung 2006 eine zehnjährige Finanzierung sichergestellt. Auf Basis einer Bund-Länder-Vereinbarung wurden für den Zeitraum von 2006 bis 2016 Bundesmittel in Höhe von 290 Mio. Euro fixiert. Davon stehen dem Institut 195 Mio. Euro ohne Auflagen zur Verfügung, die Auszahlung der restlichen 95 Mio. Euro ist an die Einwerbung von Drittmitteln (vor allem Forschungsfördermittel) in gleicher Höhe gebunden. Das Land NÖ stellt in den ersten zehn Jahren rund 130 Mio. Euro zur Verfügung, und zwar in Form der Grundstücke, für Bau und die Erhaltung der Gebäude. In Summe beträgt die Förderung durch Bund und Land damit in den ersten zehn Jahren 420 Mio. Euro.

15a-Vereinbarung

Für die nun ausgehandelte, über 2016 hinausgehende Finanzierung soll wieder eine sogenannte 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Land geschlossen werden. Geplant ist, dass der Bund im Schnitt 65,8 Mio. Euro pro Jahr zwischen 2017 und 2026 zur Verfügung stellt. Weitere jeweils 16,6 Mio. Euro sind an die Einwerbung von Drittmittel in dieser Höhe und die Erfüllung "forschungsimmanenter Qualitätskriterien" gebunden. In Summe sind das also maximal 99 Mio. Euro pro Jahr. Dazu kommen in diesem Zeitraum vom Land NÖ 270 Mio. Euro für den weiteren Ausbau der Infrastruktur am IST-Campus und 98 Mio. Euro für den technischen Betrieb, in Summe also 368 Mio. Euro.

Der Präsident des Institute of Science and Technology (IST) Austria, Thomas Henzinger, freute sich, dass mit der Vereinbarung "wieder Planungssicherheit hergestellt wurde". Dies ermögliche, hervorragende Wissenschafter an das IST zu holen und weitere Privatspender zu gewinnen. Dies sei "zunehmend schwieriger geworden", weil die Finanzierung nur bis 2016 garantiert gewesen sei. Auch in der im Vorjahr durchgeführten Evaluierung sei eine längerfristige Planungssicherheit und der Ausbau des Instituts auf 90 bis 100 Forschergruppen empfohlen worden, um international dauerhaft erfolgreich zu sein, sagte Henzinger. Mit der Finanzierungszusage sei es nun möglich, die Vision des Wiener Physikers Anton Zeilinger zu verwirklichen, der vor rund zehn Jahren die Idee eines Spitzenforschungsinstituts hatte. 2027 sollen 100 Professoren und rund 1.000 Wissenschafter am IST-Campus arbeiten.

Töchterle: Kritik "kleinliche Gegenrechnung"

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bekannte, noch als Rektor der Uni Innsbruck mit "Neid und Skepsis" auf das IST geblickt zu haben. Weil es sich aber "unglaublich gut entwickelt" habe, seien diese Gefühle völlig verschwunden. "Es wäre verantwortungslos, nur das geringste Risiko einzugehen, diese gute Entwicklung in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen", sagte Töchterle. Er appellierte auch, "die Relationen zu sehen": die fix zugesagten 68 Mio. Euro pro Jahr seien "zwei Prozent des Uni-Budget".

Zur bereits geäußerten Kritik an der langfristigen finanziellen Absicherung - die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat von einer "völlig ungerechtfertigten Bevorzugung" des IST gesprochen - sagte Töchterle, dass man nicht "völlig unterschiedliche Dinge" vergleichen dürfe. Beim IST gehe es um den Aufbau eines neuen Instituts, während Unis und ÖAW viel längere Sicherheiten hätten und deren Grundfinanzierung "außer Frage steht". Für Töchterle sind diese Reaktionen eine "kleinliche Gegenrechnung, die so nicht gemacht werden darf, weil dies unvergleichbar ist".

Irritationen

Der Vorsitzende der Rektorenkonferenz (uniko), Heinrich Schmidinger, zeigte sich in einer ersten Reaktion vor allem hinsichtlich der Argumentationslinie und des Zeitpunktes der hohen finanziellen Zusagen an das IST Austria irritiert. Grundsätzlich möchte der uniko-Vorsitzende aber "keine Neiddebatte" führen.

Die Argumentation bezüglich der Planungssicherheit für das Institut könne Schmidinger "nicht nachvollziehen". Auch die Universitäten würden Planungssicherheit seit Jahren einfordern. Die Finanzierungszusagen für das IST Austria würden einen "beachtlichen Zeitraum" betreffen. Universitäre Einrichtungen, die auf eine lange Tradition zurückblicken können, seien "in der gleichen Situation, wie eine Einrichtung, die es erst seit fünf oder sechs Jahren gibt". Mehr Planungssicherheit wäre für die Universitäten auch "sehr wertvoll".

Auch der Zeitpunkt der budgetären Einigung irritiert Schmidinger. Das IST Austria sei "meines Wissens gut unterwegs" und die Evaluierungsergebnisse seinen positiv, daher denke "so und so niemand daran, diese Einrichtung zu schließen oder zurückzufahren".

ÖWR-Präsident sieht "Ungleichgewich"

Ein Ungleichgewicht ortet auch der Präsident des Österreichischen Wissenschaftsrats (ÖWR), Jürgen Mittelstraß, "angesichts der Unterdotierung der Unis und erheblicher Sparzwänge der ÖAW samt Institutsschließungen". Die eine Milliarde, die das IST Austria für zehn Jahre vom Bund bekomme, entspreche mehr oder weniger dem Gesamtetat der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) oder einer mittelgroßen Uni, "das ist schon eine ziemliche Asymmetrie", so Mittelstraß im "Standard" (Mittwochausgabe).

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) ortet ebenfalls eine Bevorzugung des Instituts gegenüber anderen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Es sei "verwunderlich", dass das IST Austria eine Finanzierung über einen derart langen Zeitraum erhalte, während die Unis ihr Budget alle drei Jahre neu verhandeln müssen. "Es gibt keine legitime Begründung für das IST Austria Budget - eine Milliarde für jede Hochschule müsste demnach für alle gelten. Maria Gugging als Elite-Uni-Programm zu bevorzugen scheint dem Minister jedoch einfach besser zu gefallen, als öffentliche Institutionen für alle zu finanzieren", so Martin Schott (Fachschaftslisten, FLÖ) vom ÖH-Vorsitz. (APA, red)

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15 Postings
gewissengewissen
 
00
15.5.2012, 11:31
"Elite" hungert "einfache" Leute aus, so einfach ist das ...

... denn zugunsten einiger "hochsensibler" und "hochqualifizierter" Einkommen mit Titel "Forschung" wird das SYSTEM EXISTENZKAMPF verschärft, statt ein System Existenz (mit mehr Solidarität und endlich einem ExistenzGeld OHNE Bedingungen) langsam weiter zu verbessern.

Gesetzt der Fall, heutiges Internet würde immer noch mit FeldeffektTransistoren für Download (statt verschränkten Lichtquanten für Verschlüsselung von Siemens & Co) funktionieren:
Download wäre langsamer, CPU-Raub durch FlashSpielereien wäre nicht vorhanden, auf Filme müsste man länger warten oder sie im Kino ansehen, aber KEINE Funktionalität sonst wäre unmöglich.

Aber die SelbstBestimmung zu VERHINDERN, (zb wo und ob "gearbeitet" wird), die ist halt "system"relevant"...

Taoist1
00
29.2.2012, 17:40
doppelseitige ANZEIGE im HEUTE!!

DAfür ist geld DA!!!
was die wohl kostet?
betroffene Wissenschaftler kriegen das Kotzen beim Lesen dieses geistigen JUNK-Verblödungs-blattes!

Taoist1
01
29.2.2012, 17:36
sehr geehrter Herr Dr. Töchterle!

Sind Sie ganz sicher, dass Sie nicht die ganze Humanwissenschaft, die ja auch Ihr Fach ist, an einen ehrgeizigen Machtpolitiker verkauft haben und sich über den Tisch ziehen haben lassen? Oder wurden die Versprechungen und Zusagen ans IST schon vom Neffen des Schatz-im-Silberseelesers als Finanzminister gemacht?
Soll man Ihnen wünschen, dass es nicht ihrer Gesundheit schadet, wie dem letzten EX-ÖVP-Obmann? Ihr elastisches Rückgrat kann nicht brechen!

Taoist1
00
29.2.2012, 17:29
und die ÖAW wird zerschlagen!!

Excellente Leute mit höchstem Evaluierungsergebnis werden willkürlich herabgestuft, um sie loszuwerden.
Beste Geisteswissenschaftler mit Weltgeltung, die selbstausbeuterisch wissenschaftliche Höchstleistungen erbringen, werden entlassen. nicht einmal das Budget 2012 ist gesichert.
Eine Kulturschande für Österreich im Humanwissenschaftlichen Bereich.
Unglaublich, wie ein Schatz-im-Silbersee-Leser hier Wissenschafts- und Kulturpolitik für die eigene Eitelkeit macht!!

Dr. Seltsam
 
01
24.2.2012, 08:35

Mit einem solchen Geldregen hätte man in bestehenden Institutionen ebenso Exzellenz erzielen können.

Flann O'Brien.
05
23.2.2012, 13:09

Und in Innsbruck steht ein neues Biozentrum der beiden Unis, in das die Meduni nicht übersiedeln kann, weil das Geld dazu fehlt. Skurril.
Ja, Herr Töchterle, als Innsbrucker Rektor haben Sie mit "Neid und Skepsis auf das IST geblickt". Dann wusch Ihnen Erwin Pröll den Kopf und Sie überweisen eine Milliarde nach Niederösterreich.

Leukozyt
 
02
23.2.2012, 12:51
"Für Töchterle sind diese Reaktionen eine "kleinliche Gegenrechnung, die so nicht gemacht werden darf, weil dies unvergleichbar ist".

Das ist eine Frechheit.

Leukozyt
 
03
23.2.2012, 12:50
Relationen...

Das ISTA Maria Gugging beschäftigt zur Zeit 20 Forschungsgruppen mit gezählten 102 wissenschaftlichen und 54 adminstrativen MitarbeiterInnen. Das Plansoll für 2016 besteht laut Website des Instituts in "40-50 professors and 500-600 employees" (inklusive Administration und Doktoratsstudierenden) - laut diesem Bericht dann bis 2027 nochmal ein Verdopplung. Dann wäre das ISTA ca. so groß wie heute die ÖAW, die dann deutlich kleiner sein wird, da mehrere Institute trotz exzellenter Evaluierungen (jaja, wie in Gugging) beschnitten, halbiert, bis geschlossen werden.
Wie die Unis behandlet werden, wissen wir ja.

Dummheit und Egoismus stehen offenbar als Grundvoraussetzungen am ÖVP-Beitrittsformular.

Naeich
 
03
23.2.2012, 12:43
Na Hauptsache ...

man hat die außeruniversitären Forschungseinrichtungen kaputtgespart (Reduktion auf 0, mit Ausnahme spezieller Günstlinge wie zB das IHS) und damit bei allen zusammen 8 Millionen im Jahr (!!) lukriert!

Háry János
00
23.2.2012, 12:00
Vielleicht

kann ein Institut zur Erforschung der Ursachen schlampiger Rechtschreibung gegründet werden.
"ÖWR-Präsident sieht "Ungleichgewich""

franzauer
00
23.2.2012, 11:46
Symptomatisch

Entlarvender gehts nicht mehr. Gut ist, was den Zentralen zufließt und nützt, schlecht ist alles, was hinaus in die dumbe Provinz geht. Draußen alles weg, hinein in die Zentralen. Diese Geisteshaltung dominiert den Spitzen-Journalismus in ORF, Zeitungen...der natürlich in den Zentralen daheim ist. Wenns um Geld geht, ist auch der nobelste Uni rektor Kirchturmdenker und Privinzialist, dass die Balken krachen. Und die aktuelle Spar- und Reformdiskussion läuft auf der gleichen Schiene. Reform ist dann gut, wenn draußen eingespart wird (Post, Nahversorgung, Bezirksgerichte, Kleinschulen, Spitäler, Bezirke, Gemeinden.....)und alles den Zentren zuströmt.

Finn McCool
00
23.2.2012, 13:30

Wieso? Im Gegenteil sollen ja gerade sehr hohe Summen in die Provinz nach Maria Gugging fliessen.

Pacco
02
23.2.2012, 11:15
frage:

ist das jetzt die uni-milliarde, von der töchterle gesprochen hat. oder ist das eine zusätzliche geldspritze??????

Pacco
08
23.2.2012, 08:50
Ist schon bitter ....

Das IST war/ist ( :-) ) ein reines Politikum (da können sich Pröll/Häupl die Hand geben :-( ).
Anstatt die bestehenden (hervorragend und etabliert) Institute zu stärken, wurde dieses Monster mit viel Trara ins Leben gerufen. Und jetzt muss man, damit es kein Flopp wird, mit Geld ausstatten - das stimmt schon. Aber es geht auf Kosten der bestehenden Institute ( z.B.: da muss das IST lange arbeiten, bis es das Niveau des IQOQI, Institut für Weltraumforschung, IMBA, GMI, CeMM, ... usw., usw., usw) erreicht.
Klartext: Bei den bestehenden Instituten wird "intellektuelles Kapital" vernichtet, messbar und nachhaltig!! Dank dem Egoismus kleinkarierter Lokalpolitiker (= Kaiser). Für strategisches Wissensmanagement eine 5. Setzen. Zum Kotzen ...

Informatiker
 
01
23.2.2012, 03:39
Ist ja die Basisfinanzierung für die Universität Niederösterreich !

Und die wird das Dach über die über das ganze Land verstreuten Universitäten Einrichtungen Niederösterreichs. Hoffentlich ist der derzeit ausgeschriebene Posten des (zweiten) Geschäftsführers der NÖ. Forschungs- und Bildungsgesellschaft der richtige Platz, um diese gigantische Aufgabe zu meistern. Ohne eine/n eigenen Landesrat/Landesrätin für Bildung, Wissenschaft und Forschung 2013 - 2018 wird es aber ohnehin nicht gehen.

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