Forschungsinstitut erhält 1,4 Milliarden Euro von Bund und Land für 2017 bis 2026 - uniko-Vorsitzender und ÖWR-Präsident üben Kritik
Klosterneuburg - Das Institute of Science and Technology (IST) Austria in
Klosterneuburg (NÖ) erhält eine langfristige Finanzierungszusage von Bund und
Land in Höhe von rund 1,4 Mrd. Euro. In den Jahren zwischen 2017 und 2026 stellt
der Bund dem Institut in Summe maximal 990 Mio. Euro zur Verfügung, das Land 368
Mio. Euro. Ein Teil des Geldes ist an die
Einwerbung von Drittmittel und an die Erfüllung von Qualitätskriterien gebunden.
Eine entsprechende Vereinbarung haben am Mittwoch Finanzministerin Maria Fekter,
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Landeshauptmann Erwin Pröll gemeinsam mit IST-Präsident Thomas Henzinger
unterzeichnet.
Für das 2009 eröffnete IST Austria - das Institut widmet sich der
Grundlagenforschung und der Ausbildung von Wissenschaftern nach dem
Uni-Abschluss - wurde bereits bei der Gründung 2006 eine zehnjährige
Finanzierung sichergestellt. Auf Basis einer Bund-Länder-Vereinbarung wurden für
den Zeitraum von 2006 bis 2016 Bundesmittel in Höhe von 290 Mio. Euro fixiert.
Davon stehen dem Institut 195 Mio. Euro ohne Auflagen zur Verfügung, die
Auszahlung der restlichen 95 Mio. Euro ist an die
Einwerbung von Drittmitteln (vor allem Forschungsfördermittel) in gleicher Höhe
gebunden. Das Land NÖ stellt in den ersten zehn Jahren rund 130 Mio. Euro zur
Verfügung, und zwar in Form der Grundstücke, für Bau und die Erhaltung der
Gebäude. In Summe beträgt die Förderung durch Bund und Land damit in den ersten
zehn Jahren 420 Mio. Euro.
15a-Vereinbarung
Für die nun ausgehandelte, über 2016 hinausgehende Finanzierung soll wieder
eine sogenannte 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Land geschlossen werden.
Geplant ist, dass der Bund im Schnitt 65,8 Mio.
Euro pro Jahr zwischen 2017 und 2026 zur Verfügung stellt. Weitere jeweils 16,6
Mio. Euro sind an die Einwerbung von Drittmittel
in dieser Höhe und die Erfüllung "forschungsimmanenter Qualitätskriterien"
gebunden. In Summe sind das also maximal 99 Mio.
Euro pro Jahr. Dazu kommen in diesem Zeitraum vom Land NÖ 270 Mio. Euro für den
weiteren Ausbau der Infrastruktur am IST-Campus
und 98 Mio. Euro für den technischen Betrieb, in Summe also 368 Mio. Euro.
Der Präsident des Institute of Science and Technology (IST) Austria, Thomas
Henzinger, freute sich, dass mit der Vereinbarung "wieder Planungssicherheit
hergestellt wurde". Dies ermögliche, hervorragende Wissenschafter an das IST zu holen und weitere Privatspender zu gewinnen. Dies
sei "zunehmend schwieriger geworden", weil die
Finanzierung nur bis 2016 garantiert gewesen sei. Auch in der im Vorjahr durchgeführten Evaluierung
sei eine längerfristige Planungssicherheit und der
Ausbau des Instituts auf 90 bis 100 Forschergruppen empfohlen worden, um
international dauerhaft erfolgreich zu sein, sagte
Henzinger. Mit der Finanzierungszusage sei es nun
möglich, die Vision des Wiener Physikers Anton Zeilinger zu verwirklichen, der
vor rund zehn Jahren die Idee eines Spitzenforschungsinstituts hatte. 2027
sollen 100 Professoren und rund 1.000 Wissenschafter am IST-Campus arbeiten.
Töchterle: Kritik "kleinliche Gegenrechnung"
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bekannte, noch als Rektor der
Uni Innsbruck mit "Neid und Skepsis" auf das IST
geblickt zu haben. Weil es sich aber "unglaublich gut entwickelt" habe, seien diese Gefühle völlig verschwunden. "Es wäre verantwortungslos, nur das geringste Risiko
einzugehen, diese gute Entwicklung in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen",
sagte Töchterle. Er appellierte auch, "die Relationen zu sehen": die fix
zugesagten 68 Mio. Euro pro Jahr seien "zwei
Prozent des Uni-Budget".
Zur bereits geäußerten Kritik an der langfristigen finanziellen Absicherung -
die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat von einer "völlig ungerechtfertigten
Bevorzugung" des IST gesprochen - sagte Töchterle,
dass man nicht "völlig unterschiedliche Dinge" vergleichen dürfe. Beim IST gehe es um den Aufbau eines neuen Instituts, während
Unis und ÖAW viel längere Sicherheiten hätten und deren Grundfinanzierung "außer
Frage steht". Für Töchterle sind diese Reaktionen
eine "kleinliche Gegenrechnung, die so nicht gemacht werden darf, weil dies
unvergleichbar ist".
Irritationen
Der Vorsitzende der Rektorenkonferenz (uniko), Heinrich Schmidinger, zeigte sich
in einer ersten Reaktion vor allem hinsichtlich der Argumentationslinie und des
Zeitpunktes der hohen finanziellen Zusagen an das IST Austria irritiert.
Grundsätzlich möchte der uniko-Vorsitzende aber "keine Neiddebatte" führen.
Die Argumentation bezüglich der Planungssicherheit für das Institut könne
Schmidinger "nicht nachvollziehen". Auch die Universitäten würden
Planungssicherheit seit Jahren einfordern. Die Finanzierungszusagen für das
IST Austria würden
einen "beachtlichen Zeitraum" betreffen. Universitäre Einrichtungen, die auf
eine lange Tradition zurückblicken können, seien
"in der gleichen Situation, wie eine Einrichtung, die es erst seit fünf oder
sechs Jahren gibt". Mehr Planungssicherheit wäre
für die Universitäten auch "sehr wertvoll".
Auch der Zeitpunkt der budgetären Einigung irritiert Schmidinger. Das IST Austria sei "meines Wissens gut unterwegs" und die
Evaluierungsergebnisse seinen positiv, daher denke
"so und so niemand daran, diese Einrichtung zu schließen oder zurückzufahren".
ÖWR-Präsident sieht "Ungleichgewich"
Ein Ungleichgewicht ortet auch der Präsident des Österreichischen
Wissenschaftsrats (ÖWR), Jürgen Mittelstraß, "angesichts der Unterdotierung der
Unis und erheblicher Sparzwänge der ÖAW samt Institutsschließungen". Die eine
Milliarde, die das IST Austria für zehn Jahre vom Bund bekomme, entspreche mehr
oder weniger dem Gesamtetat der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) oder einer
mittelgroßen Uni, "das ist schon eine ziemliche
Asymmetrie", so Mittelstraß im "Standard" (Mittwochausgabe).
Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) ortet ebenfalls eine
Bevorzugung des Instituts gegenüber anderen Hochschulen und
Forschungseinrichtungen. Es sei "verwunderlich",
dass das IST Austria
eine Finanzierung über einen derart langen Zeitraum erhalte, während die Unis
ihr Budget alle drei Jahre neu verhandeln müssen. "Es gibt keine legitime
Begründung für das IST Austria Budget - eine Milliarde für jede Hochschule
müsste demnach für alle gelten. Maria Gugging als Elite-Uni-Programm zu
bevorzugen scheint dem Minister jedoch einfach besser zu gefallen, als
öffentliche Institutionen für alle zu finanzieren", so Martin Schott
(Fachschaftslisten, FLÖ) vom ÖH-Vorsitz. (APA, red)