Spurensicherung

Tatort-Teams sind ab April in ganz Wien im Einsatz

23. Februar 2012, 06:15
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    foto: apa/herbert neubauer

    Ab 1. April sollen in ganz Wien speziell geschulte polizeiliche Spurensucher nicht nur bei den "großen Fällen", sondern auch bei Massendelikten eingesetzt werden. Ein Pilotversuch war erfolgreich.

140 Polizisten sollen in der gesamten Bundeshauptstadt mobil Spuren nach Massendelikten sichern

Wien - Auch Ohren können helfen, Verbrechen aufzuklären. Zumindest wenn man weiß, wo man nach ihren Abdrücken suchen muss. Das gelingt der Wiener Polizei mittlerweile immer besser. Dank der sogenannten Top-Teams, deren Einsatz ab 1. April auf die gesamte Bundeshauptstadt ausgeweitet wird.

Das Top steht für "Tatort-Opfer" - das Prinzip: Zwei speziell geschulte Polizisten, einer Kriminalist und einer uniformiert, erscheinen am Schauplatz eines Massendeliktes wie Einbruch oder Raub, sichern die Spuren professioneller als bisher und kümmern sich um die Opfer.

Zwei Jahre wurde das System in einigen Bezirken erprobt - ab April sollen nun 140 Polizisten eingesetzt werden, wie der Wiener Landespolizeikommandant Karl Mahrer und Wolfgang Haupt vom Landeskriminalamt sagen. "Die Quantität und Qualität der verwertbaren Spuren wie Fingerabdrücke und DNA-Proben hat sich deutlich gesteigert", sagt Mahrer. Mittelfristig soll so durch mehr Einträge in den Datenbanken erfolgreicher gefahndet werden.Um ein Drittel mehr Spuren sei im Vergleich zu früher sichergestellt worden, sekundiert Haupt. 

Wo ein Handschuh ausgezogen werden muss

Dazu tragen die Schulung und bessere technische Ausrüstung bei. "Auch Einbrecher wissen mittlerweile aus dem Fernsehen, worauf sie achten müssen. Die Kollegen wissen aber, wo sie hinschauen müssen. Also wo beispielsweise ein Handschuh sicher ausgezogen werden muss oder wo wahrscheinlich jemand horcht, um die Lage zu sondieren", sagt Haupt.

Das zu Beginn von den Beamten der unteren Dienstgrade durchaus misstrauisch beäugte Konzept werde mittlerweile gut angenommen. Auch dank einiger spektakulärer Erfolge. "Nach einem Einbruch in Kellerabteilen wurden beispielsweise Spuren gesichert, mit denen dann ein Täter überführt werden konnte, der 70 weitere Einbrüche begangen hat." Ein Autoeinbruch mit dem eigentlich bescheidenen Schaden von 567 Euro wurde ebenso aufgearbeitet - schließlich wurden 17 weitere Fälle geklärt.Glaubt man der Kriminalstatistik, ist der Erfolg der mobilen Teams, die rayonsübergreifend unterwegs sind, auch messbar.

Im Jahr 2011 stieg die Aufklärungsquote in der Bundeshauptstadt um knapp 3,5 Prozent auf mehr als 35 Prozent - der beste Wert seit dem Jahr 2000.Einen messbaren Erfolg registriert man jedenfalls an anderer Stelle: bei der Opferschutzvereinigung Weißer Ring. "Von 2010 auf 2011 hat sich die Zahl der Wiener Verbrechensopfer, die uns kontaktiert haben, verfünffacht", sagt Erika Bettstein, Pressesprecherin der Organisation. "In den anderen Bundesländern gibt es keinen derartigen Anstieg.

Überschaubare Kosten

"Denn der polizeiliche Blickwechsel auf die Opfer komme bei den Betroffenen gut an, sind Mahrer und Haupt überzeugt. Aus mehreren Gründen. "Früher hatten die Menschen etwa nach einem Einbruch unterschiedliche Ansprechpartner. Erst den Streifenpolizisten, dann den Kriminalbeamten, dann einen Kollegen auf der Polizeiinspektion, der die Anzeigebestätigung ausstellte."Nun werde die Anzeigebestätigung gleich vor Ort übergeben, dem Bürger oder der Bürgerin Sicherheitstipps gegeben und er oder sie auf die gesetzlichen Opferrechte hingewiesen.

Die Kosten der Ausweitung seien überschaubar, beteuern die beiden Spitzenbeamten. Das Personal werde nur intern umgeschichtet, arbeite aber effizienter. Wie viel Geld benötigt wird, um die deutlich zahlreicheren Spuren auszuwerten, will man dagegen nicht sagen. "Aber da sich die Qualität verbessert, werden deutlich mehr verwertbare Treffer erzielt", versichert Mahrer. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 58
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gustav gans42
14
23.2.2012, 16:29

Massendelikte gibts nicht in Wien!!!
"Ich lass mir mein Wien nicht schlecht reden"
und meinen Wein auch nicht...

Rudolfo Karellowitsch
10
23.2.2012, 14:57
Da fühle ich mich gleich viel sicherer,

wenn ich darauf bauen kann, das im Fall des Falles die CSI-Hernals mit Blaulicht ausrückt und in akribischer Kleinarbeite die Massentäter zur Strecke bringt.

Prost.

derPolizist
00
26.2.2012, 18:31

wo liegt das Problem?... und nein, kein Blaulicht, außer der Täter ist ev. noch drinn...

Rudolfo Karellowitsch
03
23.2.2012, 20:08

Das rote Stricherl hab ich von dem aus Hernals bekommen, der lesen kann? Derjenige der schreiben kann, ist leider unterwegs, deshalb hat es nur zu einem Stricherl und nicht zu einer Antwort gereicht?

Zitronengrasrisotto, rechtsdrehend gerührt
10
23.2.2012, 13:48

Ich frage mich nur, wie erfolgreich diese Spezialgruppe sein kann, wenn ihre Kollegen absolut unprofessionell den Tatort verwüsten.

Selbst erlebt: ich stelle fest, dass in meiner Wohnung eingebrochen wurde (Whg.-Tür war zu, Schloss jedoch aufgebohrt und weg), rufe die Polizei, berühre nichts an der Tür. Was machen die Polizisten: breitflächig Knauf und Tür ohne Handschuhe berühren um zu testen, ob man nicht doch noch irgendwie hinein kommt! Dass dann die Spurensicherung nichts relevantes mehr findet, wundert nicht weiter. Dafür hat die Polizei nun *meine* Fingerabdrücke in der Datenbank, womit ich nun in sämtlichen Polizeidatenaustauschprogrammen als "polizeibekannt" auftauche ...

derPolizist
00
26.2.2012, 14:47

Die von ihnen genommenen Daten SIND, sobald sie ihren Zweck erfüllt haben, gem. § 73 Abs 1 Zi 5 von Amts wegen zu löschen. Im Zweifelsfall fragen sie bei der BPD Wien nach.

Marlon62
00
26.2.2012, 16:21
Frage:

Es gab vor Jahren einen Mord an einem Oberösterreichischen Antiquitätenhändler in der Cumberlandstraße. Damals musste ein Bekannter von mir, der drüher für den Mann als Chauffeur gearbeitet hatte und deshalb noch in dessen Telefonbuch stand, zum DNA Abstrich und zur Abgabe der Fingerabdrücke. Ein paar Monate später wurde der tatsächliche Täter - ein Polnischer Geschäftspartner - des Mordes überführt.

Müssen in so einem Fall die von der Polizei aufgenommenen Daten (Fingerabdrücke, DNA) von allen unschuldig Verdächtigten gelöscht werden?

derPolizist
00
26.2.2012, 18:16

Ja (73/1/2 SPG).

Und er hätte, wenn möglich, sogar davon verständigt werden müssen (73/3 SPG)

Marlon62
00
27.2.2012, 09:05
Danke!

Meines Wissens wurde er nie verständigt. Als er einmal in der Leyserstraße nachfragte, bekam er zur Antwort, dass die Daten behalten würden.

derPolizist
00
28.2.2012, 09:51

Na dann sollte er nochmal nachfragen, direkt bei der Behörde

derPolizist
00
26.2.2012, 14:52

§ 73 Abs 1 Zi 5 Sicherheitspolizeigesetz, natürlich...

dajonny
00
23.2.2012, 14:24
womit ich nun in sämtlichen Polizeidatenaustauschprogrammen als "polizeibekannt" auftauche

Wahr, oder ihre Vermutung?

Zitronengrasrisotto, rechtsdrehend gerührt
00
23.2.2012, 18:43
Wahr, leider.

Nachzulesen etwa hier(http://derstandard.at/132650322... ngerprints ):

"... könnte die polizeiliche Informationsübermittlung für Österreicher [...] in den USA Probleme verursachen, [...] "Weil man in Österreich, wie in Europa überhaupt, viel leichter in eine Polizeidatei gerät als in den USA. ..."
"... Somit drohe nach einem Fingerabdruck-Treffer in Österreich auf US-Anfrage hin - "etwa, weil einem in Österreich die Prints als Zeuge eines Verbrechens abgenommen wurden" - jenseits des Atlantik vielfach eine Überreaktion: "Immerhin", so Zeger, "geht es im prüm-liken Abkommen auch um Terrorabwehr". ..."

F.S.K
00
23.2.2012, 13:39
kann die polizei da gleich ihre datenbank mit den fingerabdrücke und dna von den opfern und mitbewohnern aufüllen?

oder wie finden die heraus ob abdrücke vom opfer oder täter sind?

Zitronengrasrisotto, rechtsdrehend gerührt
01
23.2.2012, 13:43

Man bekommt als Opfer die Aufforderung, seine Fingerabdrücke zwecks Ausschluss abzugeben. -> man landet also als Opfer in der Polizeidatenbank, die jetzt dann u.a. auch von den USA ausgelesen wird, wo man dann als "polizeibekannt" gilt. Denn ob man Opfer oder Täter war, wird bei der Übermittlung nicht unterschieden ... :-(

Jesus built my Hotrod
10
23.2.2012, 16:38

na oiiiiiida!

konichiwa
 
00
23.2.2012, 13:05

C.S.I. Vienna, demnächst auf ORF1.

K. K. Lacke
01
23.2.2012, 12:55
"Um ein Drittel mehr Spuren sei im Vergleich zu früher sichergestellt worden, sekundiert Haupt."

jaja genau, um ein Drittel MEHR, aber von WEM diese stammen weiss man auch nicht.

Drum werden Unschuldige 10 Jahre nach einem Mord um DNA-Proben gebeten, die die Polizei dann unbegrenzt aufbehalten muss, weil man "die Unschuldigen aus dem Spurenbild ausschliessen müsse", und damit die DNA-Profile von diesen bis zur Klärung des Verbrechens (also ectl. bis in die Unendlichkeit) in den Datenbanken gespeichert bleiben "müssen".

Gleichzeitig setzt sich auch die Polizeigewerkschaft bereits dafür ein, dass Daten nichtmehr gelöscht werden, schliesslich könnte man diese vielleicht ja irgendwann in der Zukunft brauchen...

ich finde es prinzipiell gut dass die Spurensicherung verbessert wird, aber es ist nicht alles Gold was tolle Zahlen liefert.

luke_vie
00
23.2.2012, 12:24
Coole Sache :)

Endlich mal was positives zur Polizei ... eine coole Sache wenn auch in Wien Experten-Teams am Werk sind!

juuni
00
23.2.2012, 12:17
und ich dachte schon

der Krassnitzer wird ausgetauscht und jeden Sonntagabend gibts abwechselnd Tatort Ottakring, Neubau, Donaustadt, Favoriten. Naja, was solls, wenn man jetzt schon Krimineller effektiver verfolgt kommt der Anspruch gutes Fernsehen zu produzieren bestimmt bald nach.

Anton Hammerschmidt
110
23.2.2012, 11:53
Mir gefällt der Begriff "Massendelikt"

da gibt´s m.E. viele Beispiele:
- das Lesen von "Heute"
- das Schauen des Villacher Faschings
- das Wählen der FPÖ

etc., etc...

ulli52
 
00
23.2.2012, 18:02
:-)_§

huhhhh
11
23.2.2012, 17:43

- das Wählen der SPÖ
- das Wählen der ÖVP
- das Wählen der Grünen
- das lesen des Standard
- das schreiben von depperten Postings

Es gibt sooooo viele Massendelikte die sie in ihrer Aufregung vergessen haben.

Anton Hammerschmidt
00
24.2.2012, 08:43
Dank schön

für Ihren wirklich hilfreichen Hinweis. Ich habe auch nichts anderes erwartet von einem FPÖ wählenden, "Heute" lesenden Zuschauer des Villacher Faschings.

ameno
03
23.2.2012, 16:31

- die falsche Verwendung von Symbolen wie ', ` oder ´

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