Iran und der Atomstreit: Alle Türen öffnen

Kommentar | Gudrun Harrer , 22. Februar 2012, 18:16

Man soll nicht so tun, als würden die "Guten" immer willig die Hosen herunterlassen

Es ist keine kleine Sache, Inspektoren in eine Anlage hineinzulassen, die mit der militärischen Sicherheit eines Staates zu tun hat: Die Regierungen so gut wie aller Länder dieser Welt würden sich an den Kopf tippen, wenn ihnen jemand mit diesem Ansinnen käme - das besonders brenzlig für einen Staat ist, dem auf beinahe täglicher Basis mit einem Militärschlag gedroht wird.

Dies sei nur gesagt, um die Empörung darüber, dass der Iran seine Militärbasis Parchin nicht für Atominspektionen geöffnet hat, in einen Kontext zu stellen, der im aktuellen Gut-und-Böse-Denken nicht vorkommt. Vielleicht ist es nützlich, ihn einzubeziehen. Man soll nicht so tun, als würden die "Guten" immer willig die Hosen herunterlassen. Safeguards-Historiker wissen, wie schwer es etwa in den 1970er-Jahren war, dem völlig unauffälligen Deutschland die - damals ohnehin zahnlosen - Inspektionen unter dem Atomwaffensperrvertrag zu verklickern.

Aber selbstverständlich ist der Fall Iran anders gelagert. Teheran hat gelogen, falsch, spät und gar nicht über seine Atomaktivitäten berichtet, es gibt Sicherheitsratsresolutionen und Aufforderungen der Atomenergiebehörde - sowie iranische Zusagen zu Transparenz und Kooperation. Es gibt nur einen Weg, um wenigstens ein minimales Vertrauen der internationalen Gemeinschaft zum Iran wiederherzustellen: Alle Türen müssen für die Inspektoren geöffnet werden. Wer weiß, wer als Nächster anklopft. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)

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Djuli Murti
 
00
Natürlich muss sich der Iran bedroht fühlen und das Beispiel Irak legt ihm nahe dem Westen nicht zu trauen - aus nachvollziehbaren Gründen

Schließlich hat der Irak vor dem Krieg 2003 tatsächlich vollumfänglich mit den Waffeninspekteuren zusammengearbeitet. Die durften unangemeldet absolut überall hin im Irak, gleichzeitig gab es Flugaufklärung etc. etc. etc.

Und hat es dem Irak irgend etwas genützt?

Statt dessen wurde er auf Grund manipulierter angeblicher Beweise angegriffen und flächendeckend bombadiert.

Welchen Grund soll da der Iran noch zu Kooperation und Offenheit haben. Aus iranischer Sicht ist klar, dass nur der Besitz der Atombombe dem Iran tatsächlich Sicherheit garantiert.

Der Westen ist halt auch nicht unbedingt integer.

robinsons freitag
00
29.2.2012, 14:47
Die israelisch/westlichen Drohungen beweisen doch tagtäglich, dass der Iran Atomwaffen braucht!

sauereiter
00
23.2.2012, 15:49
ok hier kommt nix mehr durch

(auch das wohl erst stunden später) ... so long

let's dance
 
210
23.2.2012, 12:57
Aber selbstverständlich ist der Fall Iran anders gelagert.

Ach ja? Wenn alle anderen lügen, siehe Atomwaffen - Irak, dann ist es ok.
100.000ende Tote wegen dieser KLEINEN Unwahrheit, sind ja kaum der Rede wert.

Aber dass der Iran seine Militärbasen ausländischen Spionen zu öffnen hat, das, ist ja wohl selbstverständlich.

Man muss nicht mit dem stupiden Iranischen klerikalen Regime konform gehen um zu sagen: So geht es aber auch nicht.
Und schon gar nicht wenn in Kürze kriegerische Erstschläge zu erwarten sind. Wie blöde müsste man denn sein, für den Feind noch vorab, alles, genauestens zu dokumentieren um ihn wissen zu lassen wie und wo er am Besten anzugreifen hat.

Soll Israel doch einer Inspektion Zugang zu seinen Atomwaffen gewähren.. Aber, Quod licet lovi, non licet bovi.

Burgess Shale
01
23.2.2012, 16:54

Starten wir die Gebetsmühle.

Der Iran hat sich dazu verpflichtet:

"Jeder Nichtkernwaffenstaat, der Vertragspartei ist, verpflichtet sich, Sicherungsmaßnahmen anzunehmen, wie sie in einer mit der Internationalen Atomenergie-Organisation nach Maßgabe ihrer Satzung und ihres Sicherungssystems auszuhandelnden und zu schließenden Übereinkunft festgelegt werden, wobei diese Sicherungsmaßnahmen ausschließlich dazu
dienen, die Erfüllung seiner Verpflichtungen aus diesem Vertrag nachzuprüfen, damit verhindert wird,
dass Kernenergie von der friedlichen Nutzung abgezweigt und für Kernwaffen oder sonstige
Kernsprengkörper verwendet wird."

Israel hingegen nicht.

let's dance
 
01
24.2.2012, 10:34

Der Iran hat sich aber nicht dazu verpflichtet seine Militärbasen ausspionieren zu lassen.

DerStadtrat
01
24.2.2012, 08:05
Nach ihrer Logik ist also das Problem ganz einfach zu lösen:

Iran steigt aus dem NPT aus.
Dann dürfte es keinen Kriegsgrund mehr geben. Oder?

Gobi Todic
03
23.2.2012, 12:57
Warten Sie mal

Was passiert wenn man die Uno reinlässt?

Genau, die Wissenschaftler "enttarnt" und umgebracht. Für den Frieden.

sauereiter
10
23.2.2012, 13:51
warten sie mal

was passiert wohl wenn man die uno nicht reinlässt?

Gerg K.
01
24.2.2012, 09:34
Gehen dann israelische Bomben im IAEO-Quartier in Wien hoch?????

tka
03
23.2.2012, 14:00
sehr gut, sie haben soeben erkannt dass der iran nicht gewinnen kann

lässt er die UNO rein, wird für den künftigen militärschlag spioniert, und wehe die inspektoren dürfen nicht das letzte eck der letzten militärbasis abfotografieren, dann führen sie was im schilde

wirft er die inspektoren raus, gibt es sanktionen um dem land die luft abzuschnüren und eskalation der spannungen, bis endlich ein kriegsgrund gefunden ist.

in den von US/westmächten dominierten internationalen organisationen kann sich der iran nicht behaupten, sogar bei offensichtlichem staatsterrorismus (bomben auf wissenschaftler) schauen alle weg, warum sollte er ihr spiel nach ihren regeln spielen?

sauereiter
01
23.2.2012, 14:57
sie mögen durchaus recht haben

mit dieser einschätzung.

andererseits ist es auch sehr bequem zu sagen, dass der iran, egal was er tut, sowieso angegriffen wird und ihm dadurch das recht zuzugestehn alles zu tun, weil er ja sowieso angegriffen wird.

das wird dann zu einer selbsterfüllenden prophezeiung, deren gegenteil nie überprüft werden kann.

Gerg K.
00
23.2.2012, 12:13
Also Absatz eins und zwei finde ich sehr interessant, greifen sie doch einen Punkt auf, der aus der Gut-Böse-Logik herausführt.

Nur schade, dass der letzte Absatz dann wieder geanu in diese Gut-Böse-Logik verfällt. Wie ist es denn mit der Wahrheitsliebe der selbsternannten Guten? Wie ist es aus genau diesem Grund mit der Vertrauenswürdigkeit Europas und Amerikas? Warum muß also immer der andere seine Vertrauenswürdigkeit zuerst beweisen, zumal die eigene gar nicht vorhanden ist?

sunny ...
14
23.2.2012, 10:53

Was hat jetzt die IAEO besucht man erwähnt immer wo sie nicht reindurften??

Naja ob die Amis alle militärstützpunkte so offen preisgeben würden bin ich mir auch nicht so sicher.

Vorallem wurde dem iran von allen seiten mit Krieg gedroht da würden so einige Länder den zugang zu den Militärstützpunkten verwehren.

tka
01
23.2.2012, 11:15
absolut richtig und das erkennt die GH auch an

aber dann schwenkt sie irgendwie doch um und verlangt, dass den instrumenten des westlichen imperiums voller zugang zu allen anlagen gewährt wird, unabhängig davon, ob die IAEA dafür überhaupt ein mandat hat oder nicht.
"Wer weiß, wer als Nächster anklopft." so mir-nix-dir-nix wird also der mit eine militärschlag einhergehende massenmord abgetan. muss sagen, die GH is schon besser geworden in letzter zeit, aber irgendwas ist jedes mal noch zum haare raufen dabei.

Stahl_____666
00
23.2.2012, 09:12
.

Es gibt auch noch einen zweiten Weg:

Der Iran soll seine Bombe haben und deren passiven Charakter durch Unterzeichnung des Verzichts auf den Erstschlag bestätigen.

Diese Erklärung haben bisher nur China und Indien unterschrieben.

sauereiter
00
23.2.2012, 10:02
so oder so

ist das npt (für alle staaten) dann null und nichtig.

die ersten die dann die bombe "basteln" werden sind die saudis. bzw. werden sie diese von den pakistanis einfordern (haben das ding ja schließlich mitbezahlt).

wer wird dann nachziehen? türkei, ägypten, südafrika, brasilien, südkorea, taiwan, japan ...?

Stahl_____666
02
23.2.2012, 10:24
.

Bedauerlicherweise dürfte das aber der einzige Weg sein, dem Imperialismus der USA Einhalt zu gebieten.

Auch die USA werden irgendwann einsehen müssen, dass die Rohstofffragen der Zukunft nur politisch-wirtschaftlich aber nicht militärisch zu lösen sind.

sauereiter
00
23.2.2012, 10:51
tja

aber wie wollen sie verhindern, dass die bombe in den händen von (den hier aufegzählten) us-verbündeten nicht zum instrument des us-imperialismus wird?

Stahl_____666
10
23.2.2012, 10:58
.

Wen wollen die USA und ihre Verbündeten dann angreifen?

Der kalte Krieg hat gezeigt, dass ein Land mit Atombombe praktisch unangreifbar ist.

Totaler Durchblicksstrudel
00
23.2.2012, 13:31

Wie "saureiter" unten schon schreibt, ist das eine falsche und gefährliche Wahrnehmung. Genau genommen macht es die Auseinandersetzungen vielleicht unwahrscheinlicher, aber wenn sie erfolgen um so gefährlicher. Besonders wenn zwei atomare, aber ungleich starke Nationen auf einander treffen sollten.

sauereiter
01
23.2.2012, 13:20
da unterliegen sie einem massiven irrtum.

1. atombombe != atombombe: die "mutual assured destruction" funktionierte erst bei ausreichender zweitschlagkapazität mit fusionsbomben. weder ersteres noch zweiteres ist etwas, das für diese "neo atommächte" mittelfristig schaffbar ist. von fissionsbomben der größe von hiroshima lässt sich ein kleinstaat abschrecken aber kein flächenstaat wie saudi arabien zB.

2. selbst im kalten krieg gab es genug momente, wo es "gerade so" noch ein atomkrieg verh. wurde. gerade die militärs auf beiden seiten wollten es "endgültig ausfechten" (kubakr.)

3. sind genug kernwaffenstaaten im laufe der geschichte angegriffen worden: falkland, yom kippur, kargil als beispiele. dabei setzten die angreifer meist auf eine "der wirds schon nicht einsetzen"-taktik

sauereiter
01
23.2.2012, 13:40
nachtrag:ein "nette" anekdote. nach ende des 2. wk schickten die sov. botschaft/gesandtschaft in japan einen experten nach hiroschima. seine conclusio:

>>die zerstörung ist nicht so schlimm, v.a. in relation zu den verwüstungen sov. städte im 2.wk, v.a. wenn man bedenkt, dass die japaner weniger massive häuser bauen als die su. einen angriff mit ein paar dutzend dieser waffen würde die su locker wegstecken.<<

das wussten auch die amis. darum eskalierte auch wenige jahre später der koreakrieg nicht. die russen und chinesen waren ein extrem lästiger gegner, v.a. nördlich de koreanischen grenze. der westen wusste, dass er im falle einer eskalation in diese gebiete gegen die su trotz (defakto) kernwaffenmonopol militärisch keine chance hätte, v.a. dann in europa.

das änderte sich erst mit der fusionsbombe, interkontinentalraketen und atomar bewaffneten u-booten. aber die hatten dann beide...

tka
01
23.2.2012, 14:02
ein überzeugendes argument für gegenseitige abschreckung

schön dass sie anerkennen, dass im besten fall der iran seine atombomben bauen darf, um ein gegengewicht zur atommacht israel und USA herzustellen und somit einer invasion seines landes eine glaubwürde abschreckung entgegensetzen kann.

sauereiter
00
23.2.2012, 14:08
lesen sie alles nochmal durch

dann werdens erkennen, dass ihre conclusio anhand der historischen beispiele die ich hier gebracht habe widerlegt ist. ;)

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