Geigenkünstlerin in der Bredouille

22. Februar 2012, 17:56
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Dietmar Machold verborgte umstrittene Instrumente

Wien - Die Causa Stradivari rund um Geigenhändler Dietmar Machold sorgt nun auch in der Künstlerbranche für einiges an Katzenmusik. Wie die Staatsanwaltschaft Wien bestätigt, wird derzeit auch Geigerin S. als Beschuldigte geführt, man geht dem Verdacht der Veruntreuung nach.

Die international anerkannte Künstlerin hatte eine - vermeintlich - wertvolle Stradivari von Machold geborgt bekommen. Nachdem das jüngst bekanntwurde, gab S. die Geige an den Masseverwalter Macholds zurück. Die Crux: Das zurück erstattete Instrument soll gar nicht wertvoll sein - weswegen Masseverwalter Jörg Beirer Ende 2011 eine Strafanzeige samt " Anregung der Verhängung der Untersuchungshaft" eingebracht hat. Und zwar gegen die Geigerin. Machold sagte dazu am 17. Jänner vor der Staatsanwaltschaft dazu aus, die Geige sei "ein bis zwei Millionen Euro wert". Die Schätzung von Sotheby's - rund 18.000 Euro - halte er für " absurd". Die Justiz prüft den Vorwurf gegen S., U-Haft wurde mangels Grund dafür keine verhängt.

der Standard betont, dass die Unschuldsvermutung gilt. Machold selbst will laut seinem Anwalt, Stephan Zinterhof, mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. Sie ermittelt wie berichtet wegen Verdachts auf Untreue, Betrug und Krida. Schaden aus der Insolvenz: rund 156 Mio. Euro.

Einen Teil der Vorwürfe weist Machold, der seine internationalen Geigendeals auf Pump finanzierte, in seinen Aussagen vor der Justiz gar nicht zurück. An viele der Geschäfte könne er sich auch nicht erinnern. Einen der Gründe dafür beschrieb er am 19. Jänner so: "Ich war in meiner Wiener Niederlassung im Schnitt maximal einmal pro Woche anwesend. Ich habe hauptsächlich von zu Hause aus (Schloss Eichbüchl in Niederösterreich; Anm.) gearbeitet und ... auch nie Kontoauszüge oder Ähnliches zu Gesicht bekommen."Überhaupt dürfte der 62-jährige gebürtige Deutsche, der weltweit Niederlassungen betrieb, seine Geschäfte recht légèr geführt haben. Eingangsrechnungen zu seinen Kommissionsgeschäften habe es nicht immer gegeben, "weil die Verkäufer ... auf eine Rechnung keinen Wert legen." Und: "Fallweise wird überhaupt keine Dokumentation erstellt, wiewohl bei diesen Geschäften sehr hohe Geldbeträge bewegt werden." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2012)

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