Kulturschaffende begrüßen Joachim Gauck
Berlin - Dem deutschen Bundespräsidentenkandidaten Joachim Gauck
schlagen im Kulturbetrieb freundliche Willkommenstöne entgegen. Von dem
früheren DDR-Pastor wird erwartet, dass er dem höchsten Staatsamt neuen
Respekt verschafft. "Joachim Gauck wird uns guttun mit seiner
Diskursfähigkeit, seiner Klarheit und seiner Bereitschaft für persönlich
getragene Verantwortung", sagte etwa der Präsident des Goethe-Instituts,
Klaus-Dieter Lehmann.
Der Präsident der Schriftstellervereinigung PEN, Johano Strasser, geht
noch darüber hinaus. "Es ist ein Glücksfall, dass Frau Merkel in letzter
Minute eine Kehrtwende gemacht hat und Union, FDP, SPD und Grüne einen
gemeinsamen Kandidaten präsentieren konnten", so Strasser; es sei "ein
weiterer Glücksfall, dass dieser Kandidat Joachim Gauck ist."
Auch Thomas Oberender, der neue Intendant der Berliner Festspiele, nennt
Gaucks Kür eine "wunderbar kluge" Entscheidung. "Er hat eine
seelsorgerliche Ausstrahlung, also etwas sehr Verbindliches und
Zugewandtes, aber auch eine unglaublich freundliche Unerbittlichkeit",
sagte Oberender im Deutschlandradio Kultur: "Ich glaube, diese Mischung
ist perfekt für diese Position."
Für Ulrich Khuon, den Intendanten des Deutschen Theaters Berlin, ist
auch Gaucks Herkunft aus der DDR ein großer Pluspunkt. Das sei eine "
ganz große Chance", das Spannungsverhältnis zwischen Ost und West
aufzugreifen, das es auch mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall immer
noch gebe.
Der Präsident der Akademie der Künste in Berlin, Klaus Staeck, erhofft
sich vor allem ein stärkeres Engagement für den sozialen Zusammenhalt
und die Ärmeren in der Gesellschaft: "Einen weiteren Anwalt des
Neoliberalismus brauchen wir nicht in diesem Amt." Und Khuon mahnt an,
das von Wulff immer wieder aufgegriffene Thema der Integration nicht zu
vergessen. Er habe sich besonders über Gaucks Satz gefreut: "Ich bin ein
Lernender." (red / DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)