Sonderfall Griechenland

"Das ist auch das Ende der Fahnenstange"

Interview | Bettina Pfluger, 22. Februar 2012, 17:26
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    foto: standard/matthias cremer

    Ulrich Kater: "Alles, was jetzt von den Plänen abweicht, wird auf den Euro durchschlagen."

Wann Griechenland auf eigenen Beinen steht und was den Euro noch bedroht, erklärt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank

Wann Griechenland auf eigenen Beinen stehen kann, warum das Ende der Fahnenstange erreicht ist und was den Euro noch bedrohen kann, erklärt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank. Gefragt hat Bettina Pfluger.

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STANDARD: Das Paket zur erneuten Rettung von Griechenland steht. Der Schuldenschnitt beträgt 53,3 Prozent. Reicht das?

Kater: Es kauft Zeit und finanziert die Griechen auf zwei Jahre. Danach wird aber weiterer Finanzbedarf nötig sein. Ich glaube nicht, dass Griechenland wie geplant 2015 wieder an den Kapitalmarkt zurückkehrt. Denn Griechenland muss ja keinen Anpassungsprozess durchlaufen, der drei bis vier Jahre dauert - es steckt in einem Aufbauprogramm. Das wird zehn Jahre dauern.

STANDARD: Der Anleihentausch stellt auch einen Eingriff in die Bedingungen der Papiere dar. Wie kommt das bei den Investoren an?

Kater: Griechenland ist ein Sonderfall. Das ist die Geschichte und die Begründung, die die europäische Politik für das Problem aufgebaut hat. Aus wirtschaftlicher Sicht spricht einiges dafür. Weil die Strukturen, etwa in der Verwaltung, anders sind. Die Umlaufbahn, auf der Griechenland um den Euro kreist ist aber wesentlich weiter weg als alle anderen Länder. Ob die Märkte die Geschichte des Sonderfalls auf Dauer kaufen, hängt an Portugal. Brauchen die Portugiesen auch einen Schuldenschnitt, zieht diese Geschichte nicht mehr.

STANDARD: Auch die Geschichte in Griechenland hängt davon ab, was das Land zusammenbringt. Ein großer Punkt ist das Wirtschaftswachstum. Derzeit wird aber nur gespart, die Bevölkerung scheint am Limit. Wie soll sich das Richtung Wachstum ausgehen?

Kater: Mit klassischen Sparmaßnahmen geht das natürlich nicht. Griechenland hat einen zu großen Staatssektor, der gehört abgebaut. Die Privatwirtschaft ist zu klein, dorthin muss umgeschwenkt werden. Es müssen Anreize geschaffen werden, um in der Privatwirtschaft aktiv zu werden. Dazu gehört auch die Rechtssicherheit. Dann kann Griechenland in den traditionellen Bereichen Transport, Nahrungsmitteln, Tourismus wachsen. Im Pharmabereich gab es zuletzt einige Ansiedelungen. Das ist etwa auch im Energiebereich denkbar.

STANDARD: Wie lange dauert es, bis Griechenland auf eigenen Beinen stehen wird?

Kater: Mindestens fünf Jahre. Wenn wir Glück haben, wird Griechenland in drei Jahren auf wesentlich weniger Geld angewiesen sein, weil der Haushalt ausgeglichen sein wird und nur noch der Zinsendienst zu leisten ist.

STANDARD: Bis klar war, dass Griechenland ein Problem ist, ist viel Zeit vergangen. Haircuts wurden ausgeschlossen, ebenso ein Ausschluss aus der Eurozone. Heute ist der Haircut Realität, der Austritt wird als Szenario zumindest diskutiert. Ist das eine semantische Aufbereitung für den nächsten Schritt?

Kater: Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, die Semantik ist von europäischen Politikern so weit gedehnt worden, dass die Finanzmärkte das gerade noch hinnehmen. Wenn man vor fünf Jahren jemandem gesagt hätte, dass ein Land der Eurozone in fünf Jahren bankrott ist, wäre die Marktreaktion verheerend gewesen. Es ist im Grunde eine Leistung der Politik, dass sie es geschafft hat, dem weltweiten Kapitalmarkt die Insolvenz eines Eurolands zu verkaufen, ohne dass der Markt zusammengebrochen ist. Aber das ist auch das Ende der Fahnenstange. Mehr an solchen Themen wird der Markt nicht aufnehmen, ohne dass Europa nicht ganz vehement gemieden wird und daraus Finanzierungsprobleme entstehen.

STANDARD: Ist Griechenland pleite?

Kater: Ja. Aber die eigentlich verheerenden Folgen werden kontrolliert und damit abgemildert.

STANDARD: Der Euro hält sich trotz aller Warnungen tapfer. Woran könnte er noch scheitern?

Kater: Zwei Dinge: Wenn Portugal einen Schuldenschnitt braucht, würde das den Euro hart treffen. Und wenn Italien und Spanien die angestrebten Ziele nicht erreichen. Alles, was von den jetzt vorgestellten Plänen abweicht, wird auf den Euro durchschlagen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2012)

ULRICH KATER (47) ist Chefvolkswirt, Head of Makro-Research und Managing Director der Deka-Bank. Foto: Cremer

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Posting 1 bis 25 von 73
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Dragomir
00
23.2.2012, 13:04

Die Banken sollten mir viel Geld geben, ich mache damit in GR lange lange Urlaub und gebe das Geld in GR aus. Vielleicht kaufe ich ein Haus auf einer Insel. Damit ist gleichzeitig 2 gedient.

Dreistein
 
01
23.2.2012, 12:58
5000 Experten - 7.500 Meinungen

Egal welcher "Experte" sich zu Wort meldet, alle wissen, dass der eingeschlagene Weg der falsche ist. Das war es dann aber mit der Gemeinsamkeit. Die Lösungsmöglichkeiten könnten hingegen nicht unterschiedlicher sein. Viele dieser "Experten" ändern ihre Meinung gar im Wochenrythmus.

So auch gestern im Club 2, wo 6 Diskutanten 7 Lösungsvorschläge unterbreitet haben. Einer ging sogar soweit, den Kreisky für all das Übel, welches über Europa gekommen ist, verantwortlich zu machen. Dieser Mann - er heisst Hörl - verdient sein Geld als Wirtschaftspädagoge und schreibt Bücher. Beispielsweise: Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute". Er hat also die wahren Schuldigen bereits gefunden.

waldenoderlebenindenwäldern
 
00
23.2.2012, 19:05
Die (geförderte ,durch Banken)Gier der kleinen Leute

hat natürlich einen großen Einfluß auf das Gesamtgeschenen.Natürlich sagt dem kleinen Hackler(und das sind fast alle)niemand das er seine Rendite selbst blechen muß.Durch Arbeitslosigkeit,Rationalisierung,Sozialabbau,Umweltzerstörung ect.Mein Rat:Fallt auf die glattrasierten und glatzenrasierten Dampfplauderer nicht hinein.Zeigt den armen getriebenen(schuldlosen)Bankberatern die rote Karte.Vor allem kontrolliert eure Gier.Denn gerade sie ist der Schlüssel zur Verklavung.

Dreistein
 
00
23.2.2012, 19:19

Die Gier die ich meine, ist jene, dass 95% aller weltweiten Finanztransaktionen keinen wirtschaftlichen Hintergrund haben, sondern einzig und allein der Spekulation dienen. Und glauben Sie mir, dahinter stehen keine kleinen Leute.

Wildcat
00
25.2.2012, 16:04
großer irrtum

zu den aggressivsten spekulateuren in der finanzwelt zählen die rentenfonds - also DER kleine mann von nebenan!

das bedeutet nun natürlich nicht, daß besagter kleiner mann den handelnden personen die vorgangsweise auch nur nahegelegt hat - es bedeutet aber sehr wohl, daß sich besagter kleiner mann nicht um die vorgangsweisen schert, solange seine renten und renditen stimmen.

Werner Gruber
00
23.2.2012, 12:27
Hat er wirklich "Rechtssicherheit" gesagt?

Die EU hat mit Griechenland alle, aber auch wirklich alle relevanten Verträte gebrochen.
Griechenland droht derzeit damit, ein rückwirkendes Enteignungsgesetz für Anleihen zu machen.
Rechtssicherheit in Zusammenhang mit der EU zu erwähnen zeigt, wie wenig ernst wir (Volk, Menschen, Leser) genommen werden.

Roter Baron
10
23.2.2012, 10:18
griechenland wird protektorat bleiben

gleich am tag nach der großen zusage -gestern-
hat fitch griechenland weiter richtung ZZZ- gerated.

mit der kohle hätte man besser die rating-agenturen gekauft/feindlich übernommen.

roter baron

BB.
00
23.2.2012, 13:13

Verglichen mit den Marktreaktionen vor etwa einem Jahr auf ein Downgrade eines Eurolandes, üben die Ratingagenturen nun ohnehin keinen großen Einfluss mehr auf die Märkte aus..........

das ist fix
00
23.2.2012, 09:27

Ob Griechenland wirklich ein Sonderfall ist?
Wenn man sie die Staatsverschuldung von USA, Japan, UK, aller Euro-Staaten, etc. ansieht - dann ist man davon überzeugt, dass das kein Sonderfall ist.

peter schmidt
 
01
23.2.2012, 11:27
Griechenland produziert nichts und hat eine sehr schlechte Struktur bei den Dienstleistung (lauter geschützte WErkstätten)

Weiters hat Griechenland eine einmalig hohe Steuerflucht. Dies sowohl weil der Durchschnittsbürger viel hinterzieht als aber auch die großen Reedereien sämtlich ihre Schiffe auf afrikanische Länder laufen lassen. Dazu noch die üblichen Probleme (die wir auch haben). Und so ist es eben passiert.

Zaphod Beeblebrox III
10
23.2.2012, 09:49
Doch ist es ...

Denn alle die Staaten können sich diese Staatsschulden einfach leisten. Das beste Beispiel: Japan !

</ lustig>
01
23.2.2012, 10:15
Wollen wir darüber diskutieren,

was Japan von Griechenland im Allgemeinen und japanische Schulden von griechischen Schulden im Besonderen unterscheidet?

Poldi Fesch
01
23.2.2012, 11:39
nicht hier

unsere linksreligioesen ueberfordern

Stephan Schaefer
 
10
23.2.2012, 10:14

Nein. Sie könnn sich die Verschuldung NICHT leisten. Es fällt nur später auf!

das ist fix
10
23.2.2012, 09:19

"Gerade die Beamten, die Griechenland durch Korruption und Misswirtschaft in die Krise geführt haben, sollen es herausholen. Die bleiben aber dem alten Stil treu: sie schaffen Millionen ins Ausland."
...
http://www.focus.de/finanzen/... 16827.html

uncle sam3
22
23.2.2012, 08:47
gerade

am beispiel gr sieht man, was die sozialistische eu politik bewirkt: nichts.

dafür hat thatcher schon gewarnt.

roewoe
00
23.2.2012, 12:45

Das ist genau das Ergebnis der Ideologie des Friedman, der Grundlage des Thatcherismus ist und bei Friedman einkalkuliert. Thatcher hat nicht davor Gewarnt, sonden den Grundstein dafür gelegt.
Bitte zuerst lesen, dann denken und dann posten. Danke.

keywords
01
23.2.2012, 09:40

am beispiel griechenlands sieht man, was korruption anrichtet.

sonst garnix.

Mumifizierte Hausente
00
23.2.2012, 08:14

kann jemand mal nachfragen, wo die griechischen anleihen, die österreich gehalten hat, hinverschwunden sind und mit welchen verlusten diese verkauft bzw. "umgelagert" wurden?

stuffy
41
23.2.2012, 07:00

Der glaubt tatsächlich was er von sich gibt, und das diese ganzen Maßnahmen was bringen werden - aber das ganze Geld worüber hier geredet, gefeilscht, gespielt und herumgedoktort wird existiert ja gar nicht ...

Steverd
00
23.2.2012, 09:53
gääähn!

asinus
05
23.2.2012, 03:21

Man sollte den Griechen auch das hypertrophe Militärbudget kürzen...

Roter Baron
00
23.2.2012, 10:20

so ist es
bei dem was die alles zusammengekauft haben
(wahrscheinlich für den 3. weltkrieg gegen die türkei)
zb. 180 panzer voriegs jahr
gingen doch locker 10 null-kohle-jahre

roter baron

scio
32
23.2.2012, 07:01

..auf keinen fall, sonst schrumpfen den deutschen die exporte... :-)

José Atento
19
23.2.2012, 00:46
Das Geld für Griechenland

dient einzig und alleine den europäischen Banken, damit diese nicht sofort pleite sind.

Der nächste Schritt ist natürlich der Austritt Griechenlands aus dem Euro- Raum.
Der wird schneller kommen als die meisten jetzt noch denken.
Dann ist gleichzeitig ein Schuldenschnitt notwendig.

Wie sonst sollte Griechenland jemals wieder seine Wirtschaft aufbauen können?

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