Wien-Liesing

Die neue "Bike-City", der noch viele folgen sollen

Martin Putschögl, 22. Februar 2012, 17:59
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    bild: ösw

    Bild: Der Plan des spanischen Architektenteams YIC-architects für rund 150 Wohneinheiten in der Perfektastraße. Für das vom Wohnfonds Wien eingebrachte Grundstück sollte ein Bebauungskonzept erstellt werden, das das schwierige und buchstäbliche "Spannungsfeld" zwischen sehr guter Lage direkt an der U6 und erschwerenden Faktoren wie einer Hochspannungsleitung auflösen kann.

Ein geplantes Projekt des ÖSW in Wien-Liesing wirft die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Verpflichtung auf, für jede Wohnung einen Auto-Stellplatz zu schaffen

Am liebsten hätte er wohl ganz Wien als "Bike-City", wie das ja auch von Radfahr-Lobbyisten gefordert wird: Der Grüne Gemeinderat und bekennende Allwetter- und Ganzjahres-Radfahrer Christoph Chorherr präsentierte am Mittwoch jedenfalls per Pressekonferenz, OTS-Aussendung und Blog-Eintrag die Schaffung einer zweiten "Bike-City" in Wien-Liesing - ein Wohnkonzept, das eine Verringerung des Autoverkehrs bringen soll. Ein derartiges Projekt existiert bereits in der Leopoldstadt sowie als "Autofreie Siedlung" auch in Floridsdorf.

Gemeinsam mit dem Bauträger Österreichisches Siedlungswerk (ÖSW) solle nun also auch der 23. Bezirk eine "Bike-City" bekommen, berichtete Chorherr. Nur: Bei der ÖSW wusste man auf Anfrage von derStandard.at zunächst mit der Kombination "Bike-City" und "Liesing" nicht so recht etwas anzufangen.

Projekt "Brachland"

Etwas später folgte die Aufklärung: Das Projekt in der Perfektastraße gebe es tatsächlich, es befinde sich derzeit noch in einer sehr frühen Phase, und der interne Projektname dafür sei "Europan 7" bzw. "Fallow Land" (zu Deutsch: "Brachland"), sagte Sprecherin Daniela Fiedler.

Klingen tut es jedenfalls ambitioniert: Anstatt der von den Grünen ohnehin stets kritisierten Stellplatzverpflichtung von 1:1 (also der Verpflichtung, je Wohnung einen Autoabstellplatz zu schaffen) solle es hier lediglich eine Stellplatzverpflichtung von 1:0,7 geben - je zehn Wohnungen also nur sieben Stellplätze. Eine solche Verringerung ist bereits jetzt in Ausnahmefällen möglich - nämlich dann, wenn es im Zuge der Bebauung zu einer neuen Flächenwidmung kommt, erklärt Chorherr im Gespräch mit derStandard.at. Die Flächenwidmung für die Liegenschaft in der Perfektastraße soll am Freitag im Wiener Gemeinderat beschlossen werden.

Anreize für den Verzicht

Es gebe auch schon Gespräche mit einer Reihe weiterer Bauträger, die alle sehr interessiert seien, sagt der Grüne Gemeinderat. Hinter seinem Konzept steht nicht nur eine simple Verringerung der Stellplätze, sondern es geht weit darüber hinaus: Das Geld, das sich die Bauträger sparen, soll nämlich in Anreize investiert werden, damit die künftigen Bewohner auf ein eigenes Auto verzichten: eine kostenlose Jahreskarte der Wiener Linien beim Einzug in die Wohnung, ausreichend Rad-Abstellplätze, kostenlose Benützung von E-Bikes und vergünstigtes Car-Sharing. Getan werden müsse jedenfalls etwa, denn "ein Drittel bis die Hälfte" aller Garagen-Stellplätze, die sich unter geförderten Wiener Wohnbauten befinden, würden nicht benutzt, schätzt Chorherr.

Das bestätigt auch ÖSW-Vorstand Michael Pech, mit Einschränkungen. Bei einem Neubauprojekt innerhalb des Gürtels sei es für einen Bauträger immer noch unverzichtbar, das Maximum an Stellplätzen zu schaffen, weil diese auch leicht an Bewohner umliegender (Alt-)Bauten vermietet werden können. Am Stadtrand mache sich aber ein Umdenken der Menschen bemerkbar, vor allem dann, wenn die Anbindung an den öffentlichen Verkehr sehr gut sei.

Umwandlung in Lagerraum

Bei dem zehn Jahre alten Projekt in der Perfektastraße 40, direkt neben der jetzt neu geplanten "Bike City" bzw. dem "Fallow Land" gelegen, würden nämlich auch heute noch rund ein Viertel der Stellplätze nicht genutzt werden. "Wir wussten also schon, dass wir dort den entsprechenden Bedarf nicht haben werden", berichtet Pech - und hat sich deshalb beim neuen Projekt für die Gewährung der Ausnahmeregelung stark gemacht. Aufgrund der versprochenen "Gegenleistungen" erspare man sich zwar zunächst nichts, aber das Leerstandsrisiko - und damit das Risiko, auf Kosten sitzen zu bleiben - verringere sich doch deutlich, sagt der ÖSW-Chef im Gespräch mit derStandard.at.

Seit dem Vorjahr ermöglicht es das Wiener Garagengesetz (Paragraph 50) übrigens, zehn Prozent der verpflichtenden Auto-Stellplätze in Form von Stellplätzen für Fahrräder oder einspurige Kraftfahrzeuge anzubieten. Dem ÖSW-Chef geht das noch zu wenig weit.

Alternativ wünscht er sich auch die Möglichkeit, die Stellplätze in zusätzliche Einlagerungsräume umwandeln zu können - dies lassen derzeit aber noch Brandschutzvorschriften nicht zu. Ein Punkt, den Pech nicht ganz versteht, denn: "Was brennt besser als ein Auto?" (Martin Putschögl, derStandard.at, 22.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
1 2
nbergmann
00
16.3.2012, 09:01
ganze seestadt aspern ist eine einzige bike-city

und bekommt dazu auch einen ubahn-anschluß ;))

Vorstadtmama
 
02
14.3.2012, 08:31
am besten gefällt mir hier der Vorschlag von Flash-Flash:

"Die Stellplatzverpflichtung gehört nicht mit der Wohneinheit verknüpft, sondern mit dem Autobesitz."

ubu roi
02
13.3.2012, 17:13

eh nett, aber wann hört man endlich mit dem wahnwitz auf, wegen der dachausbauten die erdgeschoßzonen durch garageneinfahrten zu veröden?

Dr. Nick Rivieras
13
13.3.2012, 22:56
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Mirstetta Toni
16
13.3.2012, 16:28

schreckliche gegend.

Andi Arroganti
00
15.3.2012, 20:02

das ist richtig. die perfektastraße ist ein derartiges windloch, da pfeifst durch, ein Wahnsinn

baroli
02
13.3.2012, 16:37

Nicht einmal begraben möcht ich dort sein...

lanebbia
13
29.2.2012, 10:38

"ein Drittel bis die Hälfte" aller Garagen-Stellplätze, die sich unter geförderten Wiener Wohnbauten befinden, würden nicht benutzt," - ist mir klar, da man ja auf öffentlichem Grund gratis parken kann oder für den Preis des Parkpickerl, was noch immer weniger ist.
solange man in weiten Teilen Wiens sein Auto gratis wochenlang auf Grund, der allen gehört, ohne Gebühr stehen lassen kann, wird sich nichts tun.
OTS Aussendung dazu: C. Chorherr "stellt Bike City vor", die das Wr. Siedlungswerk als Bauträger hat. Arbeitet Hr. Chorherr für das Siedlungswerk?

rubinek
02
13.3.2012, 22:55
In Kopenhagen viel besser

In CPH sieht man kaum Autos am Straßenrand stehen. Wertet die Stadt massiv auf.

Saurer Zivi
101
23.2.2012, 22:27
dass man im modernen wohnbau so derart rückständig sein kann, hätte ich nicht gedacht. das auto, die heilige, aber äußerst irrationale kuh. mit der erdölindustrie als pusher dahinter. nur so kann ich mir das erklären. zeit für alternative antriebs-

stoffe und fortbewegungsmittel.

neben fahrrad wären e-bikes und e-trikes der nächste schritt als zwischenlösung zu carsharing mit smarts.

würde man allen mietern einen smart vorschreiben, wären die stellflächen schon heute 1:0,5.

seltsam, dass man keinereli bescheidenheit pflegt. dabei wäre es der luft wegen ein gebot der stunde.

Hotblack_Desiato
02
26.2.2012, 12:25
ihre idee wegen der smarts

ich weiß von einem arbeitskollegen, das in dem haus (in wien 2), indem er wohnt, ein paar gelebt hat, welches 2 smarts und einen parkplatz hatte. wenn man auf das herumgenudel wegen "mein auto/dein auto" nicht besteht, kann man die beiden smarts auch in einen regulären parkplatz reinfahren (was normal nicht ginge, denn der hinten drin stehende könnte nicht ohne weiteres raus).

was machen wiener, wenn irgendwer eine kreative lösung gefunden hat, um geld zu sparen?
zuerst mal aufregen und das beim vermieter anzeigen. wenn das net klappt? (das haus hat nur eigentumswohnungen, ein paar halt vermietet)... raunzen, schlechtmachen, usw. irgendwann sind die dann ausgezogen.

aber die idee mit 2 smarts hintereinander fand ich super.

Saurer Zivi
02
26.2.2012, 14:23
wenn das paar mit den beiden smarts...

nun nur noch den zulassungsschein im auto lässt und beide beide smart schlüsseln haben, ist es sogar eine perfekte lösung!

denn dann spielt es keine rolle, wer jetzt hinten oder vorne steht. wer zuerst kommt, nimmt einfach den hinteren smart.

;-))

Ovaron1
11
24.2.2012, 10:16
Garagen in Außenbezirken

Ich kann gut verstehen, warum so viele Garagen in den Außenbezirken leerstehen. Wenn man eigentlich auch ohne Garage einen Parkplatz bekommt, ist nicht jeder bereit für den Garagenplatz zu zahlen.
70 € wie bei den Neubauten üblich sind meiner Meinung nach auch viel zu teuer.

Andi Arroganti
00
15.3.2012, 20:04

bei mir im haus im 18. kostet der garagenplatz 130 eure. irre

tramezzino
01
14.3.2012, 09:06

70 ist teuerß hast du eine ahnung, was die errichtung eines tg platzes kostet?

wer sich das nicht leisten kann, soll aufs auto verzichten.

Ha Tse-tung
03
24.2.2012, 14:30

Daher gehört diese unnötige Verpflichtung ganz weg, und nicht nur auf 0,7 Stellplätze reduziert.

Flash Flash
04
26.2.2012, 12:51

Die Stellplatzverpflichtung gehört nicht mit der Wohneinheit verknüpft, sondern mit dem Autobesitz.

OttotheBusdriver
51
23.2.2012, 21:59
In der Gegend brauchens ein cooles Bike, sonst werdens trübsinnig

Aber was?
Einen fetten Chopper a la Harley?
Ein japanisches Hightech Monster?
Eine altmodische Gummikuh?
Enduro?

Egal, Bike Cities sind eine tolle Idee, dann is man wenigstens unter Gleichgesinnten und keine alten Knacker und keine hysterischen Mamas regen sich wegen dem Lärm auf.

tramezzino
00
14.3.2012, 09:10

streetfighter hätte ich gesagt...

Alexander Schleiffer
 
13
23.2.2012, 16:03
"Was brennt besser als ein Auto?" - sehr viel!

Ich traue jedem zu, ein Haufen handelsübliches Gerümpel, bestehend (nebst anderem) aus Kartonverpackungen, Büchern, Heften, Holzmöbeln und Stoffen mit einem einzigen Streichholz in Vollbrand zu setzen. Um ein Auto von außen in Brand zu setzen, reicht wohl nicht einmal eine ganze Streichholzschachtel, wenn man keinen Kanister Treibstoff dabei hat. Der Herr Pech hat wohl zu viel "Cobra 11" & Co. geschaut, wo jedes Auto explodiert wie eine Feuerwerksrakete.

. g.bac
60
23.2.2012, 15:51
schon mal versucht ein auto anzuzünden... das argument ist leider ziemlich schwach.

grundsätzlich wäre die idee in ordnung, aber was sollten die leute stapeln?

früher war es sinnvoll stauraum für feuerholz und kohle zu haben, aber heutzutage ist ein keller etwas völlig unnötiges. ich wette dass 90% der dinge die in einem keller lagern schon längst weggeschmissen gehörten anstatt ihnen einen geheizten lagerraum zu bieten.

am dümmsten sind doch die keller, die auf der gleichen etage wie die wohnung liegen, statt das man einen zusätzlichen raum hat.

Gobi Todic
11
23.2.2012, 12:44

http://www.bikecity.at/

auch ich bin ein begeisterter city biker ^^

So Nina
00
23.2.2012, 12:18
Naja...

Ich fahre viel mit dem Fahrrad und der U-Bahn. Mit dem Auto fahre ich nur sehr selten - meist am WE, um aus der Stadt rauszukommen oder um in den Urlaub zu fahren. Gerade deshalb bin ich froh, einen Stellplatz in einer Garage zu haben - denn eben weil das Auto viel steht, soll es in der Garage stehen, überdacht und sauber. Je sicherer ich mein Auto abgestellt weiß, desto weniger habe ich Lust, es aus der Garage zu holen und damit irgendwohin zu fahren, wo ich vielleicht keinen so guten Abstellplatz habe - da fahre ich lieber mit dem Rad oder den Öffis, weil ich mir da keine Gedanken um einen Parkplatz machen muss...
Aber ich würde nur sehr ungern auf mein eigenes Auto völlig verzichten (habe einen Hund, der oft mitfährt).

BraS
 
01
23.2.2012, 16:16

ja, und?

dann nehmens halt eines der hunderten konventionellen Wohnbauprojekte und lassen dieses für jemanden, der sich nicht vom Auto abhängig gemacht hat.
Wird ja wohl niemand gezwungen, genau dorthin zu ziehen, und wenn sich niemand findet, der dorthin ziehen will, wird der Bauträger daraus lernen.

vielleicht hat er aber aus der großen Nachfrage der Vorbildprojekte schon gelernt?

01052004
11
23.2.2012, 10:25
"innerhalb des Gürtels sei es für einen Bauträger immer noch unverzichtbar, das Maximum an Stellplätzen zu schaffen, weil diese auch leicht an Bewohner umliegender (Alt-)Bauten vermietet werden können"

soso.
deshalb findet man ja auch in den gürtelbezirken so gut wie nie einen garagenplatz und all die schilder "garagenplätze zu vermieten" sind ausschließlich kunstinstallationen...

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