Stoiber feiert Comeback am Aschermittwoch

23. Februar 2012, 10:39
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"Bundespräsident" Seehofer verpasst sich selbst Maulkorb - Gauck als Reizthema

Berlin - "Prost!" Als Horst Seehofer, CSU-Chef und Ministerpräsident von Bayern, um 11.52 Uhr den großen Maßkrug hebt und den CSU-Stammtischlern zuprostet, jubelt die Halle. Und für einen Moment könnte man meinen, es handle sich um einen ganz normalen politischen Aschermittwoch.

Ist es aber nicht. Normalerweise hält Seehofer in Passau am Aschermittwoch deftige Reden. Diesmal aber hat er sich selbst Zurückhaltung auferlegt. Denn Seehofer übernimmt seit dem Rücktritt Christian Wulffs die Aufgaben des Bundespräsidenten. Das deutsche Grundgesetz sieht vor, dass der amtierende Bundesratspräsident einspringt, wenn das Staatsoberhaupt zurücktritt. Und der Länderkammer steht gerade der Bayer Seehofer vor. Aber Seehofer hat für Ersatz gesorgt: Edmund Stoiber, der 2007 aus seinen Ämtern gejagte CSU-Chef und Ministerpräsident, hält ebenfalls eine Rede und wird gefeiert wie seit Jahren nicht mehr. " Lieber Edmund, willkommen daheim", steht auf einem Transparent. Wie früher wird begeistert "Edmund, Edmund!" skandiert.

Doch im Vergleich zu seinen früheren Aschermittwochsreden bleibt auch er inhaltlich zahm. Deutlicher als andere CSU-Politiker lobt Stoiber aber den für die Bundespräsidentenwahl nominierten Joachim Gauck. Dieser habe auch für Thilo Sarrazin "ein gutes Wort gefunden" und sei gegen einen Beitritt der Türkei zur EU. Stoiber: "Was soll ich eigentlich gegen den Mann einwenden?"

Überhaupt ist die Causa Bundespräsident großes Thema am Aschermittwoch. FDP-Chef Philipp Rösler genießt in Dingolfing, dass er Gauck gegen den Willen von CDU/CSU durchgesetzt hat. "Wer sich selbst zum Weißwürstchen macht, darf sich nicht wundern, dass er als solches verspeist wird", verspottet Rösler die CSU, die mit der CDU umgefallen ist.

In Vilshofen kritisiert SPD-Chef Sigmar Gabriel die schwarz-gelbe Bundesregierung. Nach dem Rücktritt Wulffs "habe ich keine Lust mehr, mir von dieser Koalition Sprüche über bürgerliche Werte anzuhören". Diese solle künftig demütiger auftreten. (bau, DER STANDARD-Printausgabe, 23.02.2012)

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    Prost.

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