Parlamentswahl

Richtungswahl unter Konservativen

Analyse | Gudrun Harrer, 22. Februar 2012, 17:53

Am 2. März wählt der Iran ein neues Parlament - Diesmal fehlt die übliche Auseinandersetzung zwischen Reformisten und Konservativen völlig

Teheran/Kairo - Der Gottseibeiuns des Westens, Irans Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad beziehungsweise sein Lager geht äußerst geschwächt in die iranischen Parlamentswahlen am 2. März. Seine eigenen Anhänger sind stark dezimiert, ebenso seine Sympathisanten unter den Konservativen. Der konservative Wächterrat hat etliche seiner Leute aus den Kandidatenlisten herausgeschossen, sie mussten mit neuen, schwachen Kandidaten nachbesetzt werden.

Die Parlamentswahlen macht diesmal die herrschende Machtelite unter sich aus. Der Block der loyalen religiösen Reformisten - zu denen jetzt als Verräter angesehene Oppositionspolitiker wie Expräsident Mohammed Khatami und die Präsidentschaftskandidaten von 2005, Mir Hossein Mussavi und Mehdi Karrubi, zählen - fehlt bei diesen Wahlen. Nur sehr wenige Reformisten nehmen teil, obwohl sich gemäßigte Konservative zeitweise bemühten, sie hineinzuholen, um den Wahlen mehr Legitimität zu verleihen.

Trotzdem sind diese Wahlen alles anders als langweilig: Sie leben von den verschiedenen Brüchen innerhalb des konservativen Lagers, und sie könnten Richtungswahlen werden. 2013 läuft die zweite Amtsperiode Ahmadi-Nejads ab, und nach jetzigem Stand sind die Chancen gering, dass ihm ein Präsident aus seinem Lager nachfolgt. Noch wichtiger ist aber die Frage, wer den religiösen Führer, Ali Khamenei, dereinst beerben wird.

Im Wesentlichen stehen den Unterstützern der Regierung Ahmadi-Nejad zwei Gruppen gegenüber: die vom Expertenratschef Ayatollah Kani angeführten Traditionalisten oder Prinzipalisten (so nennen sie sich selbst), zu denen der starke Parlamentspräsident Ali Larijani - ein echter Ahmadi-Nejad-Hasser - gehört. Die andere Gruppe sind die Ultrakonservativen, angeführt von Ayatollah Mesbah Yazdi - der früher einmal ein Unterstützer Ahmadi-Nejads war. Das ist heute freilich anders, so wie sich ja auch Khamenei von seinem früheren Liebling abgewandt hat. Zwischen den Traditionalisten und den Ultrakonservativen ist Khamenei hingegen neutral.

Ahmadi-Nejads Sünde in den Augen aller Konservativen ist, dass er versucht hat, sich als Präsident vom religiösen Führer freizurudern und mit dem Aufbau eigener Netzwerke echte Macht anstrebte. Spätestens als er daran ging, seine Kontrolle auf das Geheimdienstministerium auszudehnen, kam jedoch ein lautes "Stopp" von oben. Khamenei sinnierte seitdem öffentlich darüber, ob man nicht die Direktwahl des Präsidenten oder das Amt überhaupt abschaffen könnte. Ahmadi-Nejad wird heute von manchen sogar als Teil eines " abweichlerischen" Lagers in der Islamischen Republik angesehen, aufgrund seines nationalistischen Diskurses, den sein Schwager und - von Khamenei - verhinderter Vizepräsident Esfandiar Rahim Meshaie mit seinem "Iran first"-Slogan (vs. "Islam first") auslöste. Dazu kommen seine katastrophale Wirtschaftspolitik und Korruptionsvorwürfe. In der Atompolitik zeigte er, bis er gestoppt wurde, eine gewisse Kompromissbereitschaft. Seine Ausfälle gegen Israel nimmt im Iran niemand ernst. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)

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19 Postings
Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
30
24.2.2012, 08:11
[†] Religionsfreiheit im Iran: www.en.wikipedia.org/wiki/Youc... Nadarkhani

m. s.
41
23.2.2012, 21:37
Vom Wahlboykott zur Revolution? (Vortrag und Diskussion)

Passend zum Thema folgende Veranstaltung:

Vom Wahlboykott zur Revolution?
Opposition und Widerstand im Iran nach dem "arabischen Frühling"

Vorträge und Diskussion mit

Saba Farzan (Publizistin) und
Hiwa Bahrami (Demokratische Partei Kurdistan-Iran)

Moderation: Dr. Stephan Grigat (STOP THE BOMB)

Montag, 5. März 2012, 19 Uhr
Veranstaltungszentrum edu4you, Seminarraum 1
Frankgasse 4/Eingang Ecke Garnisongasse (Buchhandlung Pädagogischer Buchversand), 1090 Wien

Nähere Informationen unter:
http://at.stopthebomb.net/de/

shahabblack
01
24.2.2012, 20:05

Wow ein vortrag von einem haufen exil iraner die so einen groll gegen ihre regirung hegen das sie auch nicht davor zurückschrecken lügen zu verbreiten.

das hatten wir seit 1979. es reicht.

und was sollen wir diskutieren wenns nicht exisitiert?
Legen sie mir den Beweis vor das der iran an einer atombombe baut und ich komm nicht nur dahin ich halt ein vortrag was für ein T**ttel ich bin

lassen Sie mich durch
42
24.2.2012, 08:44

Stop the Bomb" ist nur solange interessant wenn es die Bombe der Iraner betrift, denn für israel heisst es Baut noch mehr Bomben und wirft die am besten heute noch über denn Iran ab.

dieser Organisation trift sich mit Kurdischen Terroristen und der Terrororganisation Mujahedine Khalg um stimmung für einen krieg zu machen, fangt erst mal an eure A Bomben abzubauen bevor ihr über nicht vorhandenen A waffen des Irans spricht.

high_road
01
24.2.2012, 10:08

im ganzen bin ich ihrer meinung, aber falls Sie mit kurdischen terroristen, die demokratische partei kurdistan meinen, liegen Sie ganz flasch.
demokratische partei kurdistan ist eine alte partei, die nationale einheit irans akzeptiert, und ein federalistisches system fördert.

lassen Sie mich durch
01
24.2.2012, 12:06

ich meine die Kurden die für eine so einseitige Kriegsgeilen Organisation wie Stop the Bomb werbung machen.

high_road
11
24.2.2012, 07:20

"Stop the Bomb" ist eine israel-nahe organisation. die organisation wünscht sich keinen demokratischen iran sonder wie es heißt nur " Stop the Bomb " somit verliert jede glaubwürdigkeit.

byron sully
01
23.2.2012, 15:07

früher hat man wenigstens noch so getan, als ob die wahlen demokratisch wären (auch wenn es natürlich dem nicht so war). jetzt wahrt man hingegen nicht mal mehr den anschein. bin gespannt, ob die (tatsächliche und nicht veröffentlichte!) wahlbeteiligung einen einstelligen prozentbereich überschreiten wird.

lassen Sie mich durch
20
23.2.2012, 13:44

Hoffentlich kommt einer der So denkt wie der Netanyahu oder Bush ein bissi wie Sarkozy also von allen drei ein bissi.

das wäre das beste für Iran nicht wahr?

fanta
01
23.2.2012, 11:01

Alles Narren!

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
00
24.2.2012, 08:12

?

Jürgen Rembremerding
00
23.2.2012, 09:45
wo werden die Piraten landen?

. Diogenes
02
23.2.2012, 12:19
Die sind schon seit über 30 Jahren an der Macht

Jürgen Rembremerding
00
23.2.2012, 14:29
Ich dachte, das sind die Punguine?

Benzino Napaloni1
02
23.2.2012, 09:29

"Der konservative Wächterrat hat etliche seiner Leute aus den Kandidatenlisten herausgeschossen..."

Und solange das so ist - nämlich das ein von niemandem legitimierter "Wächterrat" nur jene Kandidaten zur zulässt, die ihm genehm sind - , ist diese "Wahl" in etwa so demokratisch wie in der DDR oder der Sowjetunion.

Von "Parlamentswahl" zu sprechen insinuiert bei so einer in ein theokratisch-diktatorisches System eingebettete Scheinwahl die Ähnlichkeit zu demokratischen Systemen und gibt ihr rhetorisch eine Legitimität, die mit Wahlen, wie wir sie kennen, nicht vergleichbar ist. Sie spiegelt einzig und allein den aktuellen Stand der Machtkämpfe innerhalb der durch nichts legitimierten Machteliten wider.

the_great_cornholio
01
23.2.2012, 00:34

da soll sich noch einer auskennen ...

u bei uns packts schon keiner mehr, wenn grabenkämpfe in der FPÖFPKBZÖ ausbrechen!

aber danke jedenfalls für den interessanten artikel!

blaujoha
00
22.2.2012, 18:13
"Nichts kann unser Atomprogramm stoppen"

http://www.format.at/articles/... omprogramm

Lemonshark
 
10
23.2.2012, 17:34
Doch!

Israel!

Malkaye
143
22.2.2012, 18:11
Ohne ihn wird es schwierig.

Souveranität, Stabilität und Fortschritt in der Region, wie auch im Iran selber, brauchen einen weltlichen Ahmadinejad, so wie Russland einen Putin braucht.

Ahmadinejad ist die Speerspitze der Veränderung von Innen. Die Reformbegierigen auf der Straße sind ohne Leute wie ihn genauso verloren wie er ohne sie, auch wenn sich keine Partei das auszusprechen getraut.

Diese Doppeltaktik haben in der Region bisher nur die Perser hinbekommen.
Ich hoffe dass er und sein Netzwerk nicht abgesägt werden.

Wenn doch, leidet nur die iranische Zivilgesellschaft darunter.
Denn egal wie es kommt, der Iran hat das Potential den USA eine entscheidende Niederlage an vielen Fronten zuzufügen.
Dann können die Menschen der Region endlich selbst entscheiden.

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