Flugzeugbauer Embraer hat volle Auftragsbücher
Als kürzlich Jackie Chan seinen 30 Millionen Dollar schweren Privatflieger
beim Flugzeugbauer Embraer im Stammwerk in Jão José dos Campos abholte, war die
Strategie klar. Das brasilianische Vorzeigeunternehmen nutzt den immer noch
flinken Kampfdarsteller als Markenbotschafter, um an Chinas Boom bei den
sogenannten Executive Jets mitzunaschen. Doch im Schatten der mittelgroßen
Flugzeuge und Jets geht bei Embraer zusehends im Militärbereich die Post ab.
Allein schon die massive Aufrüstung Brasiliens sorgt für volle
Auftragsbücher. Südamerika verzeichnete zuletzt den größten Anstieg der
Militärausgaben weltweit, 80 Prozent davon gehen auf das Konto des größten
Landes des Kontinents. Zwar speckte Präsidentin Dilma Rousseff bei einigen
Anschaffungen ab, die Entwicklungsausgaben blieben aber von Kürzungen verschont.
Vor allem die Planung des ab 2014 zur Auslieferung anstehenden
Truppentransporters KC-390 von Embraer wird international aufmerksam beobachtet,
zahlreiche südamerikanische Streitkräfte sowie Portugal und Tschechien wurden
bereits als Partner an Bord genommen.
Guten Absatz findet zudem das leichte Kampfflugzeug Tucano, das außer in
Lateinamerika auch in Singapur und in drei afrikanischen Staaten zum Einsatz
kommt. Es eignet sich besonders zur Überwachung von Grenzen und Sicherung
wichtiger Infrastruktur wie Ölplattformen.
Das von der Größe unter den Awacs angesiedelte und deutlich billigere
Aufklärungsflugzeug von Embraer wurde neben Brasilien, Griechenland und Mexiko
von Indien angeschafft. Mittlerweile verzeichnet der militärische Arm von
Embraer höhere Wachstumsraten als das zivile Luftfahrtgeschäft. Die Geschäfte
sind freilich keine Einbahnstraße. Brasilien steht laut Medienbericht nach mehr
als zehnjährigen Überlegungen kurz vor der Bestellung von Rafale-Kampfflugzeugen
des französischen Anbieters Dassault. (as/DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)