Labor-Regierung droht das Ende

Urs Wälterlin aus Canberra
22. Februar 2012, 17:05

Überraschender Rücktritt von Außenminister Kevin Rudd - Konservative liegen in den Umfragen vorn

Kevin Rudd hatte am Mittwoch überraschend sein Amt als Außenminister niedergelegt. Als Grund gab er an, Premierministerin Julia Gillard habe ihn nicht in genügendem Ausmaß vor Angriffen in den Medien geschützt. Über Wochen war spekuliert worden, Rudd sei daran, Gillard zu " unterwandern" um wieder die Führung der Laborpartei und der Regierung zu übernehmen. Rudd war im Juni 2010 nach einem parteiinternen Entscheid von seiner damaligen Stellvertreterin abgelöst werden. Seither herrschten zwischen den beiden Spannungen.

Berichten des australischen Senders ABC zufolge soll die Partei am kommenden Montag über Gillards weitere Führung entscheiden. Rudd hatte es am Mittwoch offen gelassen, ob er selbst für das Amt kandidieren werde.

Spekulationen in den australischen Medien zufolge könnte Gillard weiter auf die Unterstützung ihrer Partei zählen. Im Volk ist mit 57 Prozent der Umfragestimmen aber klar Rudd Favorit als Parteichef, während Gillard nur knapp 30 Prozent Befürworter hätte. Wie sich die Laborpartei entscheiden wird, könnte ihr Schicksal als Regierungspartei besiegeln. Labor regiert nur mit Unterstützung der Grünen und einer Handvoll Unabhängiger. Einige dieser Parlamentarier hatten bereits signalisiert, sie würden eine Änderung an der Spitze nicht unterstützen. Und die Konservativen könnten Umfragen zufolge problemlos eine Regierung stellen. Sollte sich Rudd ganz aus der Politik zurückziehen, würde eine Nachwahl nötig werden, die Labor wahrscheinlich die Regierung kosten würde. (DER STANDARD-Printausgabe, 23.02.2012)

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8 Postings
Kampfabstimmungen nach Herauforderungen von Parteivorsitzenden

durch KonkurrentInnen sind in der australischen Politik nichts Ungewöhnliches. Auch der Oppositonsführer Tony Abbott kam so an die Spitze der komservativen "Liberal Party". Ungewöhnlich ist allenfalls die offenbare Todessehnsucht der Labor Party, die sich darin äußert, so eine Kampfabstimmung abermals (wie schon 2010) in der Regierung durchzuführen. Nächstes Jahr sind wieder Wahlen, und bei den derzeitigen Umfragen sowie dem auf Mehrheitswahlrecht beruhenden Wahlsystem werden die Abgeordneten bei der Kampfabstimmung weniger darauf achten, wer der/die bessere RegierungschefIn und SpitzenkandidatIn wäre, sondern unter wem man den eigenen Wahlkreis 2013 eher behalten kann.

War ja auch nur ein Labor Versuch ;-)

---sollte es nicht labour heissen?

Tut leid aber die Partei heißt wirklich Labor Party, dass hat seinen

Grund in der etwas sonderbaren Aussprache der Australier. Würde diese Partei Labour geschrieben so würden die Australier "Labuur" aussprechen. Australier weigern sich konsequent Englisch zu sprechen ;-)

Schönen Dank für die Info.
mfg

der name entstand durch amerikanischen einfluss

wikipedia:

The ALP adopted the formal name "Australian Labour Party" in 1908, but changed the spelling to "Labor" in 1912. While it is standard practice in Australian English both today and at the time to spell the word labour with a "u", the party was influenced by the United States labour movement and a prominent figure in the early history of the party, the American–born King O'Malley, was successful in having the spelling "modernised".[13] The change also made it easier to distinguish references to the party from the labour movement in general.[14] Furthermore, the spelling "labor" had been acceptable in both British and Australian English in earlier periods. (See also: Spelling in Austr

Wikipedia ist wie immer mit Vorsicht zu genießen.

Ich vertraue eher dem Australian National Dictionary, das unter dem Stichwort "labour" schreibt: "Also labor. As labor. a. The wage-earning sector of the population, viewed with regard to its political interests. b. With initial capital: short for ‘Labor Party’, from 1918 for ‘Australian Labor Party’", und Belege von 1870 an bringt: http://australiannationaldictionary.com.au/index.php

Hat mit der (absolut identischen) Aussprache von -or und -our im australischen Englisch nichts zu tun.

Anders als die britische oder die US-amerikanische Rechtscheibung legt die australische weder die eine noch die andere Variante diktatorisch fest. In Zeitungstecten findes sich bis heute beides. Für "labor" im Sinne der Arbeiterbewegung und der aus ihr entstandenen Partei hat sich allerdings die "-or"-Endung durchgesetzt, womit in Australien, anders als in Großbritannien und in den US, ein orthographischer Unterschied zwischen Geburtswehen (labour) und Sozialdemokratie (Labor) gemacht wird.

k rudd

traut sich wenigstens was!

http://www.youtube.com/watch?v=6Ss-Fcx7sjQ

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