Der erste Wasserplanet mit Dampfhülle

23. Februar 2012, 12:06
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US-Astronomen entdecken mit der "Supererde" GJ1214b in 42 Lichtjahren Entfernung eine ganz neue Planetenklasse

Washington/Cambridge - Die Planeten unseres Sonnensystems lassen sich in drei Klassen unterteilen: die Gesteinsplaneten Erde, Mars, Merkur und Venus, die Gasriesen Jupiter und Saturn sowie die Eisriesen Neptun und Uranus. Jenseits unseres Sonnensystems hat man noch zwei weitere Arten von Planeten entdeckt: Solche aus glutflüssigem Gestein sowie aus extrem heißen Gasen.

Doch das dürften noch nicht alle möglichen Planetentypen sein: Die 42 Lichtjahre entfernte  Supererde GJ1214b entspricht jedenfalls keiner dieser Klassen, behaupten Planetenforscher des Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik (CfA) in einem Text, der demnächst im Astrophysical Journal erscheinen soll. GJ1214 umkreist einen Roten Zwergstern in 38 "Erdenstunden" in einer Entfernung von nur zwei Millionen Kilometern (die Erde ist von der Sonne 150 Millionen Kilometer entfernt) und besitzt eine dichte Dampfatmosphäre.

Spekulationen über "exotische Materialien"

Leben ist auf dem bereits 2009 entdeckten Exoplaneten nicht zu erwarten und vermutlich auch kein planetenumspannender Ozean; die herrschenden Oberflächenverhältnisse dürften dies nicht zulassen: Durch den geringen Abstand zu seinem Zentralgestirn herrschen auf GJ 1214b im Schnitt geschätzte 230 Grad Celsius und der Atmosphärendruck beträgt das zwanzigtausendfache des Luftdrucks auf der Erde. "Die hohen Temperaturen und der hohe Druck könnten exotische Materialien wie 'heißes Eis' oder 'supraflüssiges Wasser' formen", berichtete CfA-Forscher Zachory Berta. Auch Wasser in kristalliner Form könnte möglich sein. "Substanzen, die unserer Alltagserfahrung vollkommen fremd sind."

Bereits 2010 hatten Astronomen Hinweise auf Wasser in der Atmosphäre von GJ 1214b entdeckt. Dabei hätte es sich jedoch auch um einen globalen Dunstschleier handeln können, erläuterten die Forscher. Erst Beobachtungen des Transit des Planeten vor seinem Zentralstern mit dem "Hubble"-Weltraumteleskop verrieten in den vergangenen Monaten die Größe und Masse des Planeten - und damit auch seine Dichte. "Mit 'Hubble' haben wir die infrarote Farbe des Sonnenuntergangs auf dieser Welt gemessen", berichtete Berta. Dunst ist für Infrarotstrahlung durchsichtiger als Dampf. "Die 'Hubble'-Messungen haben das Pendel wirklich zu einer Dampfatmosphäre ausschlagen lassen."

Wanderplanet

Der ferne Planet hat mit zwei Gramm pro Kubikzentimeter gerade einmal die doppelte Dichte von Wasser. Zum Vergleich: Die Erde kommt auf 5,5 Gramm pro Kubikzentimeter. Das lege nahe, dass es auf GJ 1214b viel mehr Wasser gebe als auf der Erde und viel weniger Gestein, argumentieren die Wissenschafter. Theoretiker gehen davon aus, dass er einst in größerer Entfernung von seinem Stern entstanden ist, wo es viel Wassereis gab, und später weiter nach innen gewandert ist. (Tasch, red/DER STANDARD, Printausgabe, 23.02.2012)

  • Künstlerische Darstellung des Exoplaneten GJ 1214b. Die wasserreiche Welt kreist in nur zwei Millionen Kilometer Abstand um ihre rote Zwergsonne.
    grafik: nasa/esa/d.aguilar

    Künstlerische Darstellung des Exoplaneten GJ 1214b. Die wasserreiche Welt kreist in nur zwei Millionen Kilometer Abstand um ihre rote Zwergsonne.

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