Senatsmitglied Fuchs fordert Änderungen bei Studieneingangsphase

23. Februar 2012, 16:29
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An Uni Wien soll nach Wartefrist ein dritter Prüfungsantritt möglich sein - Ministerium will abwarten

Helmut Fuchs, Mitglied des Senats der Uni Wien, ist offen für Änderungen bei der umstrittenen Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP). Er spricht sich dafür aus, nach einer Pause - "etwa ein Jahr" - einen dritten Prüfungsantritt zuzulassen. "Das ist allerdings gesetzlich derzeit nicht möglich, was ich für nicht sinnvoll halte." Außerdem kann sich Fuchs vorstellen, einen dritten Antritt ohne Wartezeit zuzulassen, wenn alle STEOP-Prüfungen bis auf eine bestanden wurden.

Seit dem Wintersemester 2011 ist für alle Studien ohne Zugangsbeschränkung eine STEOP vorgeschrieben. Für die Prüfungen der Eingangsphase sind maximal drei, an den Unis Wien und Linz nur zwei Antritte möglich, danach wird der/die Betroffene für das Fach an der jeweiligen Uni lebenslang gesperrt. Der positive Abschluss der STEOP ist zudem Voraussetzung für alle weiteren Lehrveranstaltungen des Studienplans. Unter Studierenden regt sich Protest gegen die Eingangsphase, die vielfach als Schikane empfunden wird (derStandard.at berichtete).

STEOP soll "verbindliches Programm schaffen"

Das Wissenschaftsministerium reagiert bezüglich einer etwaigen Gesetzesänderung, die Fuchs' Vorschlag möglich machen würde, zurückhaltend. Auf Anfrage von derStandard.at wird lediglich bestätigt, dass Studierende nach einem Scheitern beim letzten Prüfungsantritt für die Studienrichtung an der betreffenden Uni gesperrt sind. "Eine Ausnahme für die STEOP bedürfte einer gesetzlichen Änderung", heißt es aus dem Ministerium knapp auf die Frage, ob eine solche Änderung denkbar wäre. Allgemein sei die STEOP ein neues Instrument, dessen Evaluierung noch ausstehe.

Senatsmitglied Fuchs ist der Eingangsphase jedoch nicht abgeneigt. Bei der STEOP gehe es darum, "ein verbindliches Programm zu schaffen, das den Studenten die Möglichkeit gibt zu sehen, ob diese Studienrichtung das Richtige für sie ist". Dass die Eingangsphase auch einen aussortierenden Effekt hat, gibt Fuchs gerne zu. Sie diene auch dazu, "Ressourcen zu lenken, also Leerläufe am Studienbeginn zu vermeiden".

Evaluierung für März oder April erwartet

Kritik daran, dass bei STEOP-Lehrveranstaltungen nur zwei Prüfungsantritte möglich sind, lässt er nur bedingt gelten: "Wer schon bei den Einführungsveranstaltungen 15 Punkte, also den Stoff eines halben Semesters, mit zwei Prüfungsantritten nicht schafft, sollte sich überlegen, ob es das richtige Studium für ihn ist."

Verständnis für Ärger zeigt das Senatsmitglied, wenn die Eingangsphase inhaltlich "nicht gut gemacht ist". Hierzu erwarte er sich aber Rückmeldungen der Studierenden. "Ich bin offen für einen Dialog. Wenn in einem Fach inhaltliche Mängel der STEOP aufgezeigt werden, leite ich die Anregungen der Studierenden gerne an die Curricularkommission weiter." Die offizielle Evaluierung der STEOP durch die Uni Wien erwartet Fuchs für die nächste oder übernächste Senatssitzung - also Mitte März oder Ende April.

Teils enorme Drop-outs bei Zweitantritt

Für Martin Schott (FLÖ), Teil des Vorsitzteams der Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), ist die "STEOP, wie sie jetzt ist, eine Schikane, die Studierende hinausprüfen soll". Die ÖH hat eine Umfrage unter den betroffenen Studierenden durchgeführt, die gerade ausgewertet wird. Einiges zeichnet sich jedoch schon ab. "Teilweise fällt die Hälfte der Studierenden beim zweiten Antritt durch".

"Das größte Problem bei der Uni Wien ist, dass nur zwei Antritte möglich sind - die Studierenden haben das Recht auf eine kommissionelle Prüfung verloren", sagt Schott. Außer den Unis Linz und Wien reizen alle Hochschulen die rechtlichen Möglichkeiten aus und ermöglichen einen dritten Prüfungsantritt in der STEOP.

Beihilfenverlust durch Stehzeiten

Muss jemand, der für die ersten Prüfungen an der Uni drei Antritte braucht, seine Wahl nicht ohnehin hinterfragen? "Diesen Ansatz können wir nicht teilen. Wenn jemand zu studieren beginnt, ist das ein kompletter Lebenswandel", sagt Schott. Die Uni sei ein völlig neues Umfeld. Mit der STEOP komme jetzt "der zusätzliche Druck dazu, dass man nach zwei negativen Prüfungen lebenslang gesperrt ist".

Die ÖH kritisiert außerdem die sozialen Folgen der STEOP. Für diverse Beihilfen ist ein Leistungsnachweis erforderlich. Muss eine Studentin oder ein Student auf den nächsten Termin für die STEOP-Prüfung warten, kann er oder sie keinerlei andere Lehrveranstaltungen besuchen. Damit laufen viele Gefahr, Beihilfen zu verlieren.

Professorin verteidigt Esel-Frage

Unterdessen verteidigt sich die Verfasserin der Esel-Frage, Barbara Schneider-Taylor. STEOP-kritische Studierende hatten die Frage "Was ist ein symbolhaftes Tier für den Unterricht?" (richtige Antwort: Esel) als Beispiel für willkürlich gestellte Multiple-Choice-Fragen angeführt.

Vorweg erklärt die Pädagogik-Professorin: "Die STEOP ist ein echtes Problem." Aber die Frage nach dem Esel sei in der Vorlesung ausreichend behandelt worden. Im Themenblock zur Geschichte des Schulunterrichts seien Bilder gezeigt worden, auf mehreren von ihnen kamen Esel vor. Wer nicht anwesend war, könne die dazugehörigen Kommentare auch im Audiomitschnitt anhören, sagt Schneider-Taylor. Eine Antwort auf die Frage, warum konkret der Esel ein Symbol für den Unterricht ist, bleibt die Professorin allerdings schuldig.

"Ich kann keine 2.400 Essays lesen"

Schneider-Taylor sieht die Frage nicht als schikanös: "Die Frage war eine reine Lernfrage - eine Entlastungsfrage. Jeder, der in der VO war, kann diese Frage blind beantworten", damit bleibe mehr Zeit für schwierigere Fragen. Generell wehrt sich Schneider-Taylor gegen den Vorwurf des Hinausprüfens: "Ich würde mir von keinem Rektorat der Welt eine Knock-out-Quote vorschreiben lassen."

Eine große Mehrheit der Studierenden habe besagte Frage richtig beantwortet. Die Anzahl derer, die die Prüfung beim zweiten Antritt nicht bestanden hätte, sei sehr gering. Dass Multiple-Choice-Prüfungen keine Ideallösung sind, ist Schneider-Taylor klar, aber "ich kann keine 2.400 Essays lesen". Man könne Multiple-Choice-Tests auch sinnvoll gestalten, so die Professorin.

"Lebenslange Sperre nicht angemessen"

Die STEOP in ihrer jetzigen Form sieht Schneider-Taylor kritisch: "Eine lebenslange Sperre nach zwei Prüfungsantritten halte ich nicht für angemessen." Sie sei sich ihrer Verantwortung bewusst, weshalb die Prüfungsfragen auch "mehrere Instanzen durchlaufen". Eine mögliche Entschärfung für die Lehramts-STEOP sieht die Bildungswissenschafterin darin, die Dauer auf zwei Semester auszudehnen. (Sebastian Fellner, derStandard.at, 23.2.2012)

  • Wer die STEOP nicht schafft, "sollte
 sich überlegen, ob es das richtige Studium für ihn ist". Helmut Fuchs, Mitglied des Senats der Uni Wien, kann der Eingangsphase einiges abgewinnen.
    foto: cremer

    Wer die STEOP nicht schafft, "sollte sich überlegen, ob es das richtige Studium für ihn ist". Helmut Fuchs, Mitglied des Senats der Uni Wien, kann der Eingangsphase einiges abgewinnen.

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    "Die Studierenden haben das Recht auf eine kommissionelle Prüfung verloren", sagt Martin Schott, Mitglied des Vorsitzteams der Bundes-ÖH.

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    "Was ist ein symbolhaftes Tier für den Unterricht?" Esel wäre richtig gewesen - die Professorin verteidigt die Frage.

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