Irritationen über Höhe und Laufzeit von ISTA-Budget

22. Februar 2012, 15:58
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uniko-Vorsitzender Schmidinger will aber "keine Neiddebatte" - ÖWR-Präsident sieht "Asymmetrie" - ÖH ortet Bevorzugung - IST-Chef: Finanzierung erleichtert Forschersuche

Wien - Der Vorsitzende der Rektorenkonferenz (uniko), Heinrich Schmidinger, zeigte sich in einer ersten Reaktion vor allem hinsichtlich der Argumentationslinie und des Zeitpunktes der hohen finanziellen Zusagen an das IST Austria irritiert. Grundsätzlich möchte der uniko-Vorsitzende aber "keine Neiddebatte" führen.

Die Argumentation bezüglich der Planungssicherheit für das Institut könne Schmidinger "nicht nachvollziehen". Auch die Universitäten würden Planungssicherheit seit Jahren einfordern. Die Finanzierungszusagen für das IST Austria würden einen "beachtlichen Zeitraum" betreffen. Universitäre Einrichtungen, die auf eine lange Tradition zurückblicken können, seien "in der gleichen Situation, wie eine Einrichtung, die es erst seit fünf oder sechs Jahren gibt". Mehr Planungssicherheit wäre für die Universitäten auch "sehr wertvoll".

Auch der Zeitpunkt der budgetären Einigung irritiert Schmidinger. Das IST Austria sei "meines Wissens gut unterwegs" und die Evaluierungsergebnisse seinen positiv, daher denke "so und so niemand daran, diese Einrichtung zu schließen oder zurückzufahren".

ÖH: Bevorzugung

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) ortet ebenfalls eine Bevorzugung des Instituts gegenüber anderen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Es sei "verwunderlich", dass das IST Austria eine Finanzierung über einen derart langen Zeitraum erhalte, während die Unis ihr Budget alle drei Jahre neu verhandeln müssen. "Es gibt keine legitime Begründung für das IST Austria Budget - eine Milliarde für jede Hochschule müsste demnach für alle gelten. Maria Gugging als Elite-Uni-Programm zu bevorzugen scheint dem Minister jedoch einfach besser zu gefallen, als öffentliche Institutionen für alle zu finanzieren", so Martin Schott (Fachschaftslisten, FLÖ) vom ÖH-Vorsitz.

Henzinger: "Planungssicherheit hergestellt"

 

Der Präsident des Institute of Science and Technology (IST) Austria, Thomas Henzinger, freute sich, dass mit der Vereinbarung "wieder Planungssicherheit hergestellt wurde". Dies ermögliche, hervorragende Wissenschafter an das IST zu holen und weitere Privatspender zu gewinnen. Dies sei "zunehmend schwieriger geworden", weil die Finanzierung nur bis 2016 garantiert gewesen sei. Auch in der im Vorjahr durchgeführten Evaluierung sei eine längerfristige Planungssicherheit und der Ausbau des Instituts auf 90 bis 100 Forschergruppen empfohlen worden, um international dauerhaft erfolgreich zu sein, sagte Henzinger. Mit der Finanzierungszusage sei es nun möglich, die Vision des Wiener Physikers Anton Zeilinger zu verwirklichen, der vor rund zehn Jahren die Idee eines Spitzenforschungsinstituts hatte. 2027 sollen 100 Professoren und rund 1.000 Wissenschafter am IST-Campus arbeiten.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bekannte, noch als Rektor der Uni Innsbruck mit "Neid und Skepsis" auf das IST geblickt zu haben. Weil es sich aber "unglaublich gut entwickelt" habe, seien diese Gefühle völlig verschwunden. "Es wäre verantwortungslos, nur das geringste Risiko einzugehen, diese gute Entwicklung in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen", sagte Töchterle. Er appellierte auch, "die Relationen zu sehen": die fix zugesagten 68 Mio. Euro pro Jahr seien "zwei Prozent des Uni-Budget".

Aufbau eines neuen Instituts

Zur bereits geäußerten Kritik an der langfristigen finanziellen Absicherung - die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat von einer "völlig ungerechtfertigten Bevorzugung" des IST gesprochen - sagte Töchterle, dass man nicht "völlig unterschiedliche Dinge" vergleichen dürfe. Beim IST gehe es um den Aufbau eines neuen Instituts, während Unis und ÖAW viel längere Sicherheiten hätten und deren Grundfinanzierung "außer Frage steht". Für Töchterle sind diese Reaktionen eine "kleinliche Gegenrechnung, die so nicht gemacht werden darf, weil dies unvergleichbar ist".

Für Finanzministerin Maria Fekter bekommen die Offensivmaßnahmen der Regierung mit der Finanzierung des IST "ein sichtbares Zeichen". Als Finanzministerin freute sie sich besonders, dass es gelungen sei, Teile des Budgets an Qualitätskriterien und die Lukrierung von Drittmittel zu knüpfen. Landeshauptmann Erwin Pröll (V) betonte, dass auch die Finanzierungszusage des Landes "kein Blankoscheck" ist, sondern an die Erfüllung von Leistungen geknüpft sei. Das Land werde einen entsprechenden Fördervertrag mit dem IST abschließen. Für Pröll zeigt die Vereinbarung auch, dass es zwischen Bund und Ländern eine "exzellente Kooperation" geben kann und "welch positive Entwicklungen föderalistische Strukturen haben können". (APA)

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