Coole Badewannen für kühlen Schaumwein

22. Februar 2012, 17:29
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Wer mag schon warmen Schampus? Drum rein mit der Flasche in einen mit Eiswürfeln und Wasser gefüllten Kübel

Der Fasching ist vorbei, der Heringsschmaus verdaut, die trockene Fastenzeit angebrochen. Für gläubige Katholiken heißt es bis Ostern: abstinent sein. Bußfertiges Schweigen ist angesagt - auch für ploppende Korken. Außer für Fans der Lilly Bollinger: "Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe." Was hätte die 1977 verstorbene legendäre Grande Dame des gleichnamigen französischen Champagnerhauses auch sonst sagen können.

Eine Voraussetzung vor dem Genuss des perlenden Getränks, ob es inner- oder außerhalb der Quadragesima getrunken wird, ob es nun Champagner, Sekt, Cava oder Spumante genannt wird, ist: die optimale Trinktemperatur."Sechs bis acht Grad sind am besten", rät Max Riegelhofer senior. "Kälter sollte er nicht sein, da er sonst sein Bouquet nicht entfalten kann." Ist er wärmer, entweicht die Kohlensäure zu schnell, und der Sekt verliert an Frische. Zwei Stunden vor dem Servieren soll man ihn in den Kühlschrank stellen. Aber ja nicht ins Gefrierfach. Gar kläglich geht dabei die Blume zugrunde. Und nach dem Öffnen zum Kühlhalten bitte schön den Schampus ein Bad nehmen lassen - in einem mit Eiswürfeln und kaltem Wasser gefüllten, möglichst stilvollen Sektkübel. Das Auge trinkt mit. An solchen herrscht im Hause Riegelhofer kein Mangel. Mehr als 400 Stück reihen sich hier aneinander, in den oberen Stockwerken des altehrwürdigen Kellerhauses in der Poysdorfer Gstetten. Dass dieses gerade hier steht, hat auch etwas mit dem 49. Breitengrad zu tun: An diesem entlang wachsen sowohl in der französischen Champagne als auch im Weinviertel besonders gehaltvolle Trauben für das edle Gesöff. Und mit der Riegelhofer'schen Familiengeschichte: Seit 70 Jahren ist sie Lieferant der österreichischen Wein- und Sektkellerei Schlumberger.

Erlebnishungrige Touristen ...

Vor 15 Jahren hat der Winzer seinen ersten Kübel gekauft, durchaus schon mit dem Gedanken an eine mögliche Sammlung. "Die Touristen wollen heute immer was erleben", räsoniert er. Eine simple Führung in einem Weinkeller lockt kaum noch erstaunte Ausrufe aus Besuchern heraus, auch nicht, wenn diese von einem guten Tropfen begleitet wird oder in einem so stattlichen, 1753 erbauten und 100 Meter langen Gewölbe erfolgt.

Also hat er ein Stück ums andere zusammengetragen und präsentiert sie seit 2006 in seiner "Sektwelt" liebevoll nebst Gläsern und anderen Sektutensilien in alten Kästen und Regalen. "Damals, vor 15 Jahren, waren die Dinger noch billig, heute kriegt man fast nur noch minderwertige Stücke", erzählt er. Fündig wurde und wird der Sekt-Connaisseur vor allem auf Ebay, im Dorotheum oder auf Antiquitätenmessen. "Auf Flohmärkten lohnt es sich nicht mehr zu schauen, da gibt es nur noch Klumpert, und das teuer", sagt er. Die Preise hätten sich mindestens verdoppelt, meint er zum Thema Wertsteigerung.

Einer der ältesten Kübel der Riegelhofer'schen Sammlung, im Rokokostil, stammt aus dem Jahr 1860, vielleicht auch früher. Zu seinen Lieblingen zählt ein vom Historismus beeinflusstes Gefäß aus Silber, 700 Gramm schwer, reich verziert. "Na, so um die 1500 Euro wird der schon gekostet haben", lässt er sich nur zögerlich ein Preisdetail abringen.

... und stillose Franzosen

Riegelhofer blickt im Raum herum und zeigt auf einen Glaskasten. "Das sind alles Stücke aus Frankreich. Die Franzosen sind zwar sehr hochnäsig und elegant, aber bei Sektkübeln eher stillos", urteilt er erbarmungslos. Viele seiner Schätze kühlten um die Jahrhundertwende in der prickelnden Atmosphäre der Chambres séparées oder in den Salons der Jugendstil-Epoche den Schampus - und dessen Zecher. Selbst im Ersten Weltkrieg, als es an typischen Werkstoffen für Sektkübel wie Silber, Zinn, Kupfer, Messing oder Blech mangelte, wurde auf ihre Herstellung nicht verzichtet. Nach dem Motto "Not macht erfinderisch" wurden dafür aus Granathülsen kunstvoll zylinderförmige Gefäße getrieben.Mit einigen seiner Sammelstücke verknüpft Riegelhofer kleine Histörchen. Zum Beispiel mit jenem Exemplar, das an einen Rennpokal erinnert. "Den habe ich vom Butler von der Frau Opel geschenkt bekommen. Ihr Mann hatte ihn bei einem Autorennen in Wiesbaden 1932 gewonnen", erzählt er. Sein schwerster und wertvollster Kübel, da aus drei Kilo Silber gefertigt, habe angeblich Kaiser Franz Joseph gehört, der ihn von einem Adeligen verehrt bekommen haben soll. Das gute Stück wird andernorts verwahrt. Obwohl es nur wenig "Mitbewerber" gibt, sei der Markt von Sammlern relativ abgegrast, meint Riegelhofer. Wer edlen moussierten Wein stilvoll gekühlt genießen will, wird sich mit moderner Ware zufriedengeben müssen. Optisch Gusto dafür holen kann sich der Sektliebhaber ja in Poysdorf. Wohlgemerkt aber erst nach der Fastenzeit. Ab Ostern öffnet die Sektwelt wieder ihr imposantes grünes Tor jeweils freitags, samstags, sonntags und montags von 15 bis 17 Uhr. (Karin Tzschentke, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23.2.2012)

  • Mehr als 400 Sektkübel hat Max Riegelhofer in der Sektwelt in der Poysdorfer Gstetten zusammengetragen.
    foto: standard/tzschentke

    Mehr als 400 Sektkübel hat Max Riegelhofer in der Sektwelt in der Poysdorfer Gstetten zusammengetragen.

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