Tsunami in der Kokosnussschale

26. Februar 2012, 16:42
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Der Konsum von Kava folgt bestimmten Regeln, die auch für Touristen gelten. Eine Kava-Wurzel ist das passende Gastgeschenk für einen Besuch im Dorf

Nachdem ich jetzt schon 15 mal meine Uhr umstellen musste, bin ich nun in der richtigen Zeitzone angekommen: Fiji Time! Auf den Fidschi Inseln läuft alles noch ein bisschen entspannter als sonst wo ab. Das führt dazu, dass man einige Zeit mit Warten verbringt. Warten auf das Boot, das eigentlich um zehn Uhr ablegen sollte, auf den Espresso, der vor 20 Minuten bestellt wurde oder den Techniker, der vor ein paar Tagen das Internet reparieren wollte.

Gerade dann, wenn die Warterei anfängt, zu nerven, atmet man einfach tief ein und schaut einmal um sich herum: auf das kristallklare Meer, den weißen Sand, die bunten Häuser, die grünen Hügel und Palmwedel, die sich in der leichten Brise wiegen, und spätestens beim Ausatmen ist der Ärger verflogen und man ist einfach nur froh, hier warten zu dürfen und genießt Fiji Time.

Den Einheimischen selbst scheint jeglicher Stress und Ungeduld fremd zu sein. Das hat unter anderem mit dem Konsum des fidschianischen Nationalgetränks zu tun: Yaquona, in der restlichen Südsee bekannt unter dem Namen Kava. Dieses wie Schlammwasser aussehende Getränk ist fester Bestandteil der fidschianischen Kultur und wurde ursprünglich nur bei religiösen Zeremonien oder Begrüßungsritualen getrunken. Heutzutage wird kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um Kava zu trinken.

Kava, der aus der Wurzel einer Pfefferpflanze gewonnen wird, wird eine entspannende Wirkung zugeschrieben. Bei reichlichem Genuss wird die Zunge taub und kribbelt. In früheren Zeiten wurde die Wurzel von Buben klein gekaut und danach ausgespuckt. Heute wird glücklicherweise eine Art Mörser verwendet, um die Wurzel zu zerstampfen. Das so gewonnene Pulver kommt in einen Stoffbeutel, der in einer mit Wasser gefüllten Holzschüssel ausgedrückt wird.

Der Konsum von Kava folgt bestimmten Regeln, die auch für Touristen gelten. Bevor wir das Dorf Marou besuchen, klärt uns Jay vom ehemaligen Schulschiff „Spirit of the Pacific", auf dem ich drei Tage durch die Yassawas schippere, auf. "In ein fremdes Dorf darf man niemals mit leeren Händen kommen", sagt Jay. Wenig überraschend ist das übliche Gastgeschenk eine Kava-Wurzel.

Die Gäste nehmen gegenüber den Dorfbewohnern auf einer Matte Platz. Wobei zu beachten ist, dass die Beine gekreuzt werden. In Marou ist es Jay zufolge außerdem üblich, dass Frauen hinter den Männern sitzen. Während der Zeremonie darf nicht gesprochen werden und der Dorfchef bestimmt die Reihenfolge, in der der Kava getrunken wird.

Wenn einem die Kokosnussschale gereicht wird, klatscht man einmal und zwar nicht mit flachen, sondern hohlen Händen und ruft laut "Bula!". "Bula" heißt eigentlich so viel wie "Hallo", wird auf Fidschi aber auch als Zeichen der Zustimmung oder Begeisterung verstanden. Danach nimmt man das Schälchen mit beiden Händen und leert es in einem Zug. Man sollte vermeiden das Gesicht zu verziehen - Kava schmeckt nämlich genauso wie er aussieht: erdig. Bevor man die Kokosnuss zurückgibt, klatscht man drei mal und sagt "Maca" (leer)

Neulinge beginnen mit "low tide" (Ebbe), also einer kleinen Portion, und arbeiten sich langsam über "middle tide" bis zur "high tide" (Flut) hoch. Erfahrenere Kava-Trinker verlangen hingegen einen "Tsunami", eine bis zum Rand mit Kava gefüllte Kokosnussschale. Fiji Time und ein geruhsamer Schlaf sind damit garantiert.

-> Verena versucht zum ersten Mal Kava. Fotos dazu gibt's in dieser Ansichtssache.

  • Verena versucht zum ersten Mal Kava. Fotos dazu gibt's in dieser Ansichtssache.
    foto: verena diethelm

    Verena versucht zum ersten Mal Kava. Fotos dazu gibt's in dieser Ansichtssache.

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