Facebooks gähnende Leere

22. Februar 2012, 14:54
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Warum vom Acta-Abkommen Hacker, aber allen voran Jugendliche betroffen sind

Wien - Der Computerbildschirm leuchtet grell im dunklen Raum. Rasend schnell werden Unmengen an Buchstaben und Zahlen getippt. Das ist das Bild, das vielen Leuten durch den Kopf geht, wenn das Wort "Hacker" fällt. Dies ist aber nur ein Klischee. "Das Ziel eines Hacker-Angriffs ist weniger, an Kontodaten heranzukommen, als die dabei entstehende Wirkung", will Wolfgang Minatti mit einem weiteren Klischee aufräumen. "Der Angreifende programmiert eine Anwendung, die auf einen gewissen Server so oft wie möglich zugreift, bis dieser überlastet zusammenbricht und nicht mehr zu erreichen ist", erklärt der 15-jährige Schüler aus Innsbruck das Hacker-Prinzip.

Die anonyme Masse

Die mittlerweile bekannteste Gruppe mit Hacker-Philosophie ist Anonymous. Sie bekennt sich zu "Meinungs- und Informationsfreiheit" und war etwa für die kürzliche Lahmlegung des FBI-Servers verantwortlich, nachdem das FBI die Videoplattform "Megaupload" aufgrund von Urheberrechtsverletzungen Mitte Jänner sperrte. Als Hackergruppe für Informationsfreiheit ist Anonymous strikt gegen die Einführung von Acta, das "Anti-Counterfeiting Trade Agreement". Dies ist ein Handelsabkommen von 39 Staaten. Es geht darin um den Kampf gegen Produktpiraterie, zum Schutz von Künstlern und Marken. Österreich hat diesen Gesetzesentwurf bereits unterschrieben. Die Ratifizierung durch die Regierung, die dem Gesetz Gültigkeit verleihen würde, wurde aber wegen heftiger Proteste verschoben. In den letzten Wochen gab es weltweit zahlreiche Demonstrationen gegen Acta. Mittels Videobotschaften mobilisierte Anonymous die Bevölkerung und sammelte Unterschriften. Für kommenden Samstag, den 25. Februar, sind weitere Demonstrationen geplant.Kritiker beschweren sich über die karge Informationslage und den Ausschluss der Öffentlichkeit bei den Verhandlungen. Auch Schüler Felix Wernisch (15) sieht in Acta keine optimale Lösung. Er kann sich nicht vorstellen, dass das Abkommen so umgesetzt werden wird. Nicht zuletzt, da er sich nicht erklären kann, wie es rechtlich möglich sein soll, "alle Daten, die bei jedem einzelnen Computer hinein- und hinausgehen, auf Urheberrechte zu überprüfen".

Jüngste Hacker-AttackeZensur ist ein befürchteter Nebeneffekt von Acta: Jedes Video, in dem ein urheberrechtlich geschütztes Lied vorkommt, würde gelöscht und der "Uploader" strafrechtlich verfolgt werden. Auch ein Video von einer Party, auf dem im Hintergrund geschützte Musik läuft, wäre illegal. Gerade für Jugendliche, die sich mehr in sozialen Netzwerken aufhalten als Erwachsene, wäre Acta einschneidend. Auf Facebook geteilte Links zu Musikvideos, Textausschnitte von Liedern, ein Bild, auf dem eine Marke zu sehen ist - all das wäre illegal. Youtube wäre leer, Facebook zumindest stark eingeschränkt.Dass sich zu Anonymous sehr junge Hacker-Aktivisten zählen, zeigte die Verhaftung eines Gymnasiasten in Griechenland vor einigen Tagen. Der 18-Jährige soll mit zwei weiteren Schülern die Seite des Justizministeriums gehackt haben, um gegen Acta und die EU-Sparpläne zu protestieren. (Alexander Jud, Joseph Nikolussi, DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2012)

Der Text entstand beim SCHÜLERSTANDARD-Seminar "2 Tage Journalist" mit Julia Grillmayr.

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