Unfall bei Bahnhof Once

Waggons verkeilten sich sechs Meter ineinander: 50 Tote in Buenos Aires

23. Februar 2012, 12:01
  • Es dauerte Stunden, bis die Notfallteams alle Leichen geborgen und die Verletzten gerettet hatten.

Nahverkehrszug rammte Prellbock in argentinischer Hauptstadt - Hunderte Verletzte

Buenos Aires - Bei dem schweren Zugsunglück in Argentinien ist die Zahl der Todesopfer auf 50 gestiegen. Mehr als 650 Personen sind nach jüngsten Angaben verletzt worden. Wie Vertreter des Zivilschutzes am Mittwoch (Ortszeit) mitteilten, waren 200 Schwerverletzte unter den Opfern. Der mit über 1.000 Personen besetzte Zug war Mittwochfrüh mit rund 20 Stundenkilometern in den Kopfbahnhof Once in Buenos Aires eingefahren und dort ungebremst gegen einen Prellbock geprallt. Unter den Toten ist auch ein Kind.

Stunden nach dem Unfall suchten zahlreiche Menschen in Krankenhäusern, in einer Leichenhalle und auf einem Friedhof nach vermissten Angehörigen. "Ich war in fünf Krankenhäusern und konnte meine Frau nicht finden", sagte ein Mann namens Jose. Seine schwangere Frau sei in einem der ersten Waggons gesessen. Eine Frau namens Luisa suchte ihren 24-jährigen Sohn. "Man sagte uns, einige würden operiert, und man wisse nicht, wer sie sind." Es gebe erst Klarheit, wenn die Patienten aus dem Operationssaal kämen. Fernsehsender veröffentlichten Fotos von Vermissten, im Internet wurden soziale Netzwerke für die Suche genutzt.

Zweitägige Staatstrauer

Der ebenfalls verletzte Zugführer wurde von Rettungskräften aus der Lokomotive befreit. Laut Verkehrsminister Juan Pablo Schiavi verfügt der 28-Jährige über einen einwandfreien Personalakt. Die Regierung rief eine zweitägige Staatstrauer aus. Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner sagte eine Pressekonferenz zum Streit mit Großbritannien um die Falkland-Inseln ab.

Hergang des Unfalls

Der Nahverkehrszug war in den Bahnhof Once im Westen der Millionenstadt eingefahren und erst an einem Prellbock zum Stehen gekommen. Unglücksursache war vermutlich ein Bremsschaden. Die Waggons hätten sich bei dem Aufprall ineinandergeschoben, einer davon habe sich sechs Meter weit in einen anderen Wagen verkeilt, sagte Verkehrsminister Schiavi: "Es war ein sehr schwerer Unfall."

Das Unglück ereignete sich mitten in der morgendlichen Hauptverkehrszeit. Viele Verletzte mussten durch Fenster aus den Waggons gehoben werden. Sie wurden in Krankenhäuser der Umgebung gebracht, zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz.

Über 1.000 Menschen im Zug

In dem Zug waren zur morgendlichen Hauptverkehrszeit über 1.000 Pendler unterwegs gewesen. Bei ersten Schätzungen war von bis zu 2.000 Menschen die Rede gewesen. Eine Passagierin berichtete, der Zug habe nicht abbremsen können. Er sei entgleist und es habe eine Kollision gegeben. Der Zug sei aber nicht mit einem anderen Zug zusammengestoßen, sagte die Frau einem Radiosender.

"Viele Menschen fielen auf mich. In meinem Waggon wurden viele verletzt", sagte ein anderer Passagier, der sich den Arm brach. Vor allem die ersten Waggons wurden bei dem Aufprall schwer beschädigt.

Wichtiger Verkehrsknotenpunkt

Der Bahnhof Once wird täglich von hunderttausenden Passagieren genutzt. Die betroffene Bahnlinie Sarmiento verbindet das Zentrum von Buenos Aires mit den dicht besiedelten Gebieten im Westen der Hauptstadt.

Erst vor fünf Monaten waren in Buenos Aires bei einem Zugsunglück elf Menschen ums Leben gekommen und mehr als 200 verletzt worden. Im März 2008 wurden in Dolores gut 200 Kilometer südlich der argentinischen Hauptstadt 18 Menschen getötet und 47 verletzt, als ein Bus von einem Zug gerammt wurde. Beim schwersten Zugsunglück in der Geschichte des Landes starben 1970 insgesamt 200 Menschen. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 27
1 2
m g
00
23.2.2012, 19:59

Kenne die Züge dort, und auch die Flieger der Aerolineas Argentinas. Eigentlich hätte ich bei letzteren zuerst ein schweres Unglück erwartet. Es fehlt einfach hinten und vorne an den nötigen Mitteln zur Wartung und Instandsetzung.
Ich hoffe der wirtschaftliche Aufschwung in der Region kommt eines Tages auch den einfachen Leuten zugute, mit besseren Zügen beispielsweise.

Gimli
21
23.2.2012, 16:57

Auch hier hat die Privatisierung der Züge zu einem grossen Qalitätssprung geführt...

tony papo
00
24.2.2012, 12:02
jop

bin ganz deiner Meinung.

Auch Briefträger brauchen Liebe..
00
23.2.2012, 19:37

Der Bgriff private Züge (in austria) trifft nur auf die "Westbahn" zu..

Der Alte Orthograph
 
01
23.2.2012, 12:39
ad Standard:

Die Überschrift ist falsch. Nicht Züge verkeilten sich sondern Waggons. Es handelte sich bei dem Unfall nur um einen Zug.

Redaktion derStandard.at/Panorama
00
23.2.2012, 13:09
Das stimmt natürlich

und wurde korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis. (mm)

Iwan Diwan Zahriman
10
23.2.2012, 08:58
...mit rund 20 Stundenkilometern in den Kopfbahnhof ...

solche auswirkungen bei der geringen geschwindigkeit?

NoComment
00
23.2.2012, 12:02

wenn da ein paar waagons dranhingen (und auf den fotos siehts eher nach einem langen zug aus, immerhin waren 2000 leute da drinnen), dann kann der ganze zug doch mehrere hundert tonnen haben.

und der erste waagon (üblicherweise wohl auch gleichzeitig der triebwagen) muss die wucht der mehreren hundert tonnen dann auffangen - da sind auch 10km/h zu viel!!! in den ersten zwei, drei waggons wirds halt ordentlich gekracht haben, je weiter hinten desto weniger wird passiert sein.

Cato lebt!
00
23.2.2012, 18:32

kraft = masse x beschleunigung

wenn also so ein trum von 20 auf null in null meter bremsweg eingebremst wird, wird in der sekunde eine menge kraft freigesetzt.

LeChacal
01
23.2.2012, 11:18
30-40km/h

ist die max. Geschwindigkeit, die ein Mensch bei einem Zusammenstoß noch "eher überlebt".

Die Geschwindigkeit im Ortsgebiet ist auch nicht zufällig gewählt: man erwartet, dass Sie im schlimmsten Szenario meist zumindest so weit abbremsen können, ehe Sie kollidieren.

Wie die Vorposter hier geschrieben haben, hat das Gewicht und der Impuls sein Übriges getan.

Dilbert
00
23.2.2012, 10:25

Das Gewicht machts aus.

wunderwutzler
00
24.2.2012, 08:18

Die Masse.

Dr. Seltsam
 
00
23.2.2012, 09:18

20km/h sind 5,5m/s. Das ist, wie wenn Sie sich von rund 5m in die Tiefe stürzen.

es galt die unschuldsvermutung
00
23.2.2012, 09:13

ja das wundert mich auch. andererseits: wie sehen autos nach einem 50 km/h crashtest aus? und ein auto hat wesentlich mehr sicherheitseinrichtungen als so eine sardinenbüchse von waggon. da faltet sich das blech nur so zusammen, wenn hunderte tonnen von hinten anschieben

konichiwa
 
140
22.2.2012, 17:43
"möglicherweise bis zu 2.000 Menschen in dem Zug"

Davon träumt die ÖBB.

Gimli
00
23.2.2012, 16:59

Bei der ÖBB ist sowas aber bisher nicht passiert. Und wenn icjh mir die ÖBB-Waggons anschaue und dann die privaten Waggons in Argentinien, weiss ich, dass Privatisierung nicht immer glücklich macht ;-)

Esstbakterienjoghurt Damitdanonewasverdient
00
23.2.2012, 22:55

Stimmt leider nicht ganz. 2002 am südbahnhof ähnlicher Unfall, glücklicherweise "nur" mit 23 Verletzten, sowie am 17.08.1981: Pendlerzug fährt im wiener Ostbahnhof mit über 30 km/h auf einen Prellbock auf. Drei Menschen sterben, 140 werden verletzt.

Dorian Gray
01
23.2.2012, 11:25
Wenn pro Stunde nur 1 Zug fahren würde auf der Südbahn

zwischen Neustadt und Wien wären es 4000.

NoComment
03
22.2.2012, 20:57

toller vergleich. der großraum hat 12mio einwohner, wien grad ein sechstel. und in so manchem pendlerzug (süd- und westbahn) sind mehrere hundert leute drinnen.

brachliegende Werbefläche
00
22.2.2012, 19:02

hätt die ÖBB (auch kaufkraftbereinigt) das Preisniveau der bonaerensischen Vortstadtbahnen, wär das auch kein Problem. Umgerechnet 40 Cent für ca. 45 km Zugfahrt (Constitución-La Plata) sind schon auch ein Argument.

freilich kommt diese Erklärung allein zu kurz

wolken kratzer
 
50
23.2.2012, 03:04

Überall anders, außer in Wien, ist das Umfeld einer "Weltstadt" auch bedient mit oeffis. Nur in Wien und Umgebung halt nicht.

NoComment
01
23.2.2012, 12:04

wo bitte ist das umfeld besser versorgt als rund um wien? in welchen städten waren sie dass sie sowas behaupten können?

Dorian Gray
02
23.2.2012, 11:24
Das Umland von Wien ist bestens bedient mit Öffis.

Auf der Südbahn fährt fast alle 5 Minuten ein Zug.
Diverse Schnellbahnlinie etc.
Sicher kanns noch besser sein, aber dieses Dauergesuderer hängt einen auch schon beim Hals raus.

LGL
00
23.2.2012, 09:06
Allerdings gibt es in Südamerika ausserhalb der weiteren Umgebung der grössten Städte so gut wie keine Eisenbahnen mehr die noch Personen befördern

dafür aber gibt es in den gut entwickelten Ländern ein dichtes und leistungsfähiges Netz von Busverbindungen. Die zentralen Bus"bahnhöfe" sind grösser als jeder europäische Hauptbahnhof. In den sehr günstigen Tickets sind bei langen Strecken oft auch die Mahlzeiten inbegriffen, die unterwegs in Restaurants (in Argentinien natürlich ein tolles Steak plus Tischwein) eingenommen oder auf einsameren Strecken auch wie im Flugzeug serviert werden. Es gibt auch Schlafbusse mit Liegen (coche cama), natürlich entsprechend teurer.

Die Eisenbahnen aber gerieten vermutlich parallel zum Falklandfeldzug in den Einflussbereich von Margret Thatcher. Sie funktionieren jedenfalls so.

Cooper the Bloom1
 
00
23.2.2012, 13:28
Busse sind aber wesentlich langsamer, als Züge...

So ein System wäre in Europa undenkbar. Auf offener Strecke ein Pause einzulegen, um in ein Restaurant zu gehen, oder gar, wie ich es einmal in Bolivien erlebt habe, über Nacht irgendwo stehen zu bleiben...

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