Neuer Mobilfunkkonkurrent lässt France Telecom erzittern

22. Februar 2012, 14:36
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Seit Start des neuen Rivalen mehr als 200.000 Mobilfunkkunden verloren

France Telecom will angesichts des erbitterten Preiskampfs um Mobilfunkkunden und der mauen Wachstumsaussichten das Geld stärker zusammenhalten. Den angekündigten Aktienrückkauf kassierte der Konzern daher am Mittwoch bei der Bilanzvorlage wieder ein und auch die Aktionäre sollen künftig eine niedrigere Dividende erhalten.

Mehr als 200.000 Kunden verloren

Vor allem der erst Mitte Jänner gestartete neue Rivale Iliad/Free lässt den französischen Marktführer erzittern. Seit der Breitbandspezialist mit Billigangeboten Mobilfunkkunden umwerbe, habe France Telecom bereits mehr als 200.000 Kunden verloren, sagte Finanzchef Gervais Pellissier. Zudem habe die europäische Schuldenkrise die Kreditkosten erhöht und den Ausblick eingetrübt. "Frankreich hat seine Bonitätsbewertung AAA verloren und das belastet indirekt auch uns", sagte Pellissier.

"In diesem Zusammenhang hat eine solide Bilanz für uns nun Vorrang." Der Konzern werde daher in diesem Jahr entgegen der Ankündigung nach dem Verkauf der Schweizer Tochter für rund 1,1 Mrd. Euro Ende Dezember nun doch keine Aktien zurückkaufen - Eine Kehrtwende innerhalb weniger Wochen. Auch beim Liquiditätsziel (operating cash-flow) für dieses Jahr rudern die Franzosen angesichts des neuen Wettbewerbers zurück: Zielmarke seien nun nur noch acht Mrd. Euro statt der bisher anvisierten neun Milliarden.

Zurückhaltung

Die Aktionäre bekommen die neue Zurückhaltung von Europas viertgrößtem Telekomkonzern bei der Dividende zu spüren. In diesem und dem nächsten Jahr soll die Ausschüttung auf 40 bis 45 Prozent der verfügbaren Liquidität beschränkt werden. Dies werde die Dividende voraussichtlich auf einen Wert zwischen 1,21 und 1,35 Euro pro Aktie drücken. Für 2011 kassieren die Aktionäre noch 1,40 Euro.

Auch bei der Deutschen Telekom, die an diesem Donnerstag die Zahlen vorlegt, erwarten Analysten einen trüben Ausblick. Im Fokus steht dann auch Telecom Italia, bei der Experten ebenfalls mit einer niedrigeren Ausschüttung rechnen. Die spanische Gesellschaft Telefonica kürzte ihre Dividende bereits im Dezember; die niederländische E-Plus-Mutter KPN schraubte ihr Gewinnziel für 2012 im Jänner zurück.

Heimatmarkt

Die zunehmende Konkurrenz auf dem Heimatmarkt, neue Steuern und Auflagen von der Regulierungsbehörde drückten bereits im abgelaufenen Jahr den Umsatz und Gewinn von France Telecom. Zudem belasteten die politischen Umwälzungen die Gesellschaften in Ägypten und der Elfenbeinküste. Der Betriebsgewinn (Ebitda) fiel 2011 deshalb um 4,8 Prozent auf 15,08 Mrd. Euro, wie der Konzern mitteilte. Der Umsatz sank auf vergleichbarer Basis um 1,6 Prozent auf 45,28 Mrd. Euro und damit im Rahmen der Erwartungen. Dabei schlug sich das Geschäft auf dem Heimatmarkt, auf dem rund die Hälfte des Umsatzes und Gewinns erwirtschaftet werden, noch relativ gut. Anleger nahmen die Zahlen positiv auf - die Aktie legte in Paris um rund zwei Prozent zu. (APA)

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