"Metanoia": Edition und Ausstellung von Valie Export bei Charim
Wien - Unter dem Titel Metanoia hat die Galerie Charim eine
Valie-Export-Edition herausgebracht, die 29 Filme und Videos der
Künstlerin umfasst und nun in einer Ausstellung vorgestellt wird.
Überdies zeigt man eine neue Laser-Installation, die Export bereits 1973
angedacht hat. Selbstporträt mit Kopf (1967) heißt die älteste filmische
Arbeit in der Edition Metanoia. Sie zeigt den Kopf der Künstlerin neben
dem einer klassischen Statue. Mit einem Lebendigkeit und sinnliches
Begehren signalisierenden Gesichtsausdruck scheint Export die Figur aus
ihrer Versteinerung zu befreien.
Dass es ihr später immer wieder um die
Verschiebung und Umwertung verkrusteter Rollen, Muster und
gesellschaftspolitischer Sichtweisen ging, machen selbstverständlich
auch ihre bekanntesten Video- und Körperaktionen deutlich: Darunter
Tapp- und Tastkino (1968/1969/1989), ...Remote...Remote... (1973),
Hyperbulie (1973) sowie die medienspezifischeren, filmischeren
Experimente wie Syntagma (1983) oder Interrupted Line (1971/1972). In
der Edition gilt es aber auch weniger berühmte, seltener gezeigte Werke
zu entdecken: Fragmente Burgenland (1970), Gedichte 1966 - oder auch die
süße nummer: ein konsumerlebnis (1968/1969). In Letzterem sitzt Export
vor einer Pralinenschachtel, die sie ihrem Publikum als Kunst zu
verkaufen versucht: "Sie nehmen am besten Ihren van Gogh von der Wand
und ersetzen ihn durch dieses fabelhafte Kunstwerk", rät sie mit einem
Ausdruck, der mehr von ihrer Arbeit Aktionshose Genitalpanik als von
Verführungskraft hat. In der Ausstellung laufen die Filme im Loop auf
ausgemusterten TV-Monitoren. Täglich wird aber auch einer der Filme auf
einer Monitorwand mit Ton gezeigt.
Die Laser-Installation im Hauptraum
betont noch einmal die von Export stets forcierte Verschränkung
unterschiedlichster Medien und Bildkonzepte. Ausgangspunkt war eine
Arbeit der 1970er-Jahre, die sie immer wieder neu konfigurierte:
Restrukturierte sie zu Beginn mit einfachem rotem Stift eine
Dünenlandschaft, ließ sie später ihre "geometrischen Figurationen" in
Form von Objekten auch aus den Bildern herausragen. Schon sehr früh
angedacht, übernehmen nun tatsächlich Laser die mediale Entgrenzung der
Bilder. Und das führt konzeptuell ganz rasch wieder zurück zu Exports
filmischen Arbeiten. (Christa Benzer / DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2012)